Mary Barra vor dem US-Kongress: In der live übertragenen ersten Anhörungsrunde musste sich die

Mary Barra vor dem US-Kongress: In der live übertragenen ersten Anhörungsrunde musste sich die GM-Chefin immer wieder bohrenden Fragen stellen, wie ernst es der Autobauer mit dem Sicherheitsversprechen nimmt. Bild: GM

Das war ein harter Gang für GM-Chefin Mary Barra, als sie am Dienstag (20 Uhr MESZ) zur ersten Anhörungsrunde vor dem US-Kongress antreten musste. Eine harte Befragung durch die Ausschuss-Mitglieder war angekündigt worden, und das wurde es auch. Die GM-Chefin war mit Produktchef Mark Reuss an ihrer Seite und einem Stab Juristen und Lobbyisten erschienen. Gekleidet in ein dunklgraues Kostüm trat die 52-jährige Managerin ruhig und ernst auf, unterstrich auch – wie schon im Vorfeld – ihre Ernsthaftigkeit um völlige Aufklärung. Damit gaben sich die Kongressmitglieder allerdings nicht zufrieden.

Anhörung live übertragen

In der live übertragenen Anhörung musste sich Barra immer wieder bohrenden Fragen stellen, wie ernst es der Autobauer mit dem Sicherheitsversprechen nimmt. Nicht das moralische Schuldanerkenntnis interessierte die Ausschussmitglieder, sondern wie der Autobauer die Opfer zu entschädigen gedenkt. Eine Entschädigung sicherte Barra auch pauschal zu, allerdings: auch auf Nachfragen blieb sie die Antwort schuldig, wie GM mit Unfällen verfahren werde, die sich vor dem Konkurs des Autobauers 2009 ereignet haben. Nur ausweichend auch die Antwort, ob es in der Affäre um den Verbau von Billigzündschlössern personelle Konsequenzen gegeben habe. Barra verneinte und beließ es bei der ausweichen Aussage, dass man sich hier noch in der internen Prüfung befände.

Bislang keine personellen Konsequenzen

Indirekt lehnte Barra eine Verantwortung für die Zeit vor 2012 ab. Erst zu diesem Zeitpunkt seien die Qualitätsprozesse nach jetzigem Standard eingeführt worden. Der Republikaner Joe Braley war es, der beim Punkt Sicherheit und Qualitätsversprechen immer wieder nachbohrte: “Kommt Sicherheit bei GM nicht an erster Stelle?”, wollte er immer wieder wissen. Braley war es auch, der in der Anhörung den Opfern Gesichter und Namen gab. Barra selbst blieb auch in den emotional heiklen Momenten gefasst, suchte hochkonzentriert die Balance zwischen der Übernahme einer moralischen Schuld, ohne dass daraus gleich juristische Ansprüche erwachsen.

Bei konkreten Fragen blieb sie in der mehrstündigen Anhörung weitgehend im Ungefähren. Auch als sie mit einem Dokument aus dem Jahr 2005 konfrontiert wurde, in dem Verbesserungen an Zündschlössern mit dem Hinweis abgelehnt wurden, dass dies – sinngemäß – zu teuer komme – obwohl es damals schon Beschwerden gegeben habe. Barra bezeichnete das Schreiben als “inakzeptabel”.

Auf die Frage, ob ihr Vorgänger Dan Akerson von den Vorgängen wusste, sagte die Managerin: “Nicht soweit ich weiß.”

Mit kritischen Fragen sah sich aber nicht nur der Autobauer konfrontiert, sondern auch die für Verkehrssicherheit zuständige National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA). Deren Rolle wird in den folgenden Terminen Thema sein. Zentrales Thema: warum wurde die NHTSA nicht früher aktiv, zumal bereits vor fast zehn Jahren erste Hinweise vorlagen, dass es technische Probleme durch Qualitätsmängel an den Zündschlössern gab.

Wie berichtet können die Zündschlösser im Fahrbetrieb auf “Aus” springen; mit fatalen Folgen: Airbags und Brmessyteme können ausfallen oder der Motor während der Fahrt ausgehen. Inzwischen hat GM seit Februar 2,59 Millionen Fahrzeuge zurück gerufen, bei denen das Problem auftreten kann.

Am ersten Tag musste sich Barra mehrere Stunden den Fragen der Ausschuss-Mitglieder stellen. Die Anhörung wird diese Woche fortgesetzt. Am Freitag steht ein spannender Termin an: dann soll darüber beraten werden, ob GM auch Opfer entschädigen wird, die vor dem GM-Konkurs 2009 verunglückt sind.

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Frank Volk