Chris Liddell kam von Microsoft zu GM. (Bild: Microsoft)

Chris Liddell kam von Microsoft zu GM. (Bild: Microsoft)

Ford hat es mit Alan Mulally erfolgreich praktiziert: Ein Branchenfremder als Chef. Jetzt scheint sich GM dieser Blaupause zu bedienen. Wie die “FAZ” und die “Financial Times Deutschland” übereinstimmend berichten, ist Chris Liddell ein aussichtrsicher Kandidat für den GM-Chefposten. Liddell war erst kürzlich zum GM-Finanzvorstand berufen worden. Davor war der 51-Jährige Investmentbanker und Microsoft-Finanzvorstand.

„Natürlich könnte Chris ein Kandidat sein. Das wird vom Verwaltungsrat und seiner Leistung abhängen”, sagte der Interims-Vorstandschef von GM, Edward Whitacre, Journalisten in Detroit. Der Verwaltungsratsvorsitzende Whitacre hatte Anfang Dezember auch die operative Führung von GM übernommen, nachdem der damalige Vorstandschef Fritz Henderson aus dem Unternehmen gedrängt worden war.

GM hat eine Personalberatung mit der Suche nach einem neuen Vorstandschef beauftragt. Nach den Worten von Whitacre steht dieser Prozess noch am Anfang. Liddell, der zuvor für den Softwarehersteller Microsoft gearbeitet hatte, war Ende Dezember von GM angeheuert worden.

Whitacre prognostizierte während des Journalistengesprächs am Stammsitz von GM auch ein profitables Jahresergebnis für den strauchelnden Autohersteller. Es gebe zwar Hindernisse. „Aber wir haben ein gutes Managementteam und einen guten Geschäftsplan”, sagte Whitacre, der früher lange Jahre den Telefonkonzern AT&T und dessen Vorgänger geführt hatte.

Chris Liddell gehört zu der Kategorie Finanzvorstände, die es unbedingt auf den Chefposten drängt. Das hat er nach seinem Wechsel von Microsoft zu GM recht unverblümt kundgetan. Beim Softwarekonzern führte er vier Jahre das Finanzressort, davor war der Ingenieur und Investmentbanker in gleicher Funktion bei einem US-Papierhersteller beschäftigt.
Bei Microsoft machte er sich alsbald einen Namen als rigoroser Sparer. Ein Vorteil für GM, hat der Konzern doch über Jahrzehnte mehr Geld verbrannt als verdient. Allerdings: Nur mit Sparen ist der einstige Weltmarktführer aber nicht zu retten. Nachdem die überzähligen Konzernmarken Pontiac, Hummer, Saturn und Saab abgestoßen, etliche Werke geschlossen und Zehntausende Mitarbeiter entlassen sind, muss der neue Chef den Autobauer nun wieder auf Wachstum trimmen.
Sollte Liddell in die Spitze vorstoßen, wird er gute Berater brauchen, die seine marginalen Kenntnisse der Autoindustrie erweitern. Zugleich muss er wesentlich diplomatischer vorgehen als bei Microsoft, denn der Staatskonzern GM muss stets die eigenen wirtschaftlichen Interessen mit den politischen Zielen der Regierung ausbalancieren.

Die Energie, mögliche Konflikte durchzustehen, hat er. Die typischen Klischees, die man einem Neuseeländer in Amerika gern andichtet, werden erfüllt: Liddell ist groß, stark und verdammt hart. Der passionierte Rugbyspieler hat mehrfach an den härtesten Triathlonrennen der Welt teilgenommen, unter anderem am “Iron Man”. Mit fortschreitendem Alter neigt er inzwischen aber mehr zu Tennis, Golf und Yoga.