Varin Girsky breit

PSA-Chef Philippe Varin (li.) und GM-Vize Steve Girsky (re.): Die beiden Autobauer stecken ihre Allianz neu ab. - Bild: GM

Zudem werden einige geplante gemeinsame Projekte nun doch nicht angegangen, andere kommen dagegen hinzu. Die ursprünglichen angepeilten Einsparungen rücken trotzdem außer Reichweite.

Die beiden Autobauer, die in den vergangenen Jahren schwer unter der Wirtschaftsflaute in Europa gelitten haben, rechnen laut einer gemeinsamen Mitteilung nun nur noch mit Synergien von rund 1,2 Milliarden US-Dollar bis 2018, die sich gleichmäßig auf die beiden Unternehmen verteilen sollen. Bislang war das deutsch-französische Duo von Einsparungen von zwei Milliarden Dollar ausgegangen.

Dass das Potenzial nun geringer ausfällt, ist nicht wirklich überraschend. Bereits Mitte Oktober hatte PSA Peugeot-Citroen angekündigt, dass einige gemeinsame Projekte auf den Prüfstand kommen und die ursprünglich anvisierten Synergien eventuell nicht vollumfänglich realisiert werden können.

Die Opel-Mutter General Motors und PSA hatten im Frühjahr 2012 eine großangelegte, weltweite Allianz gegründet. Mit einem gemeinsamen Einkauf, der gemeinsamen Entwicklung von mehreren Fahrzeugarchitekturen und einer Kooperation in der Logistik wollen die Autobauer vor allem ihre krisengebeutelten Geschäfte in Europa wieder in die Gewinnzone zurückführen. GM stieg sogar mit sieben Prozent bei den Franzosen ein.

Kleinwagen-Projekt wird nicht weiter verfolgt

Einige gemeinsame Projekt werden nun aber eingestampft. Nach eingehender Analyse werde die geplante Zusammenarbeit bei Kleinwagen und die damit verbundene Kooperation bei kleinen Benzinmotoren nicht mehr weiter verfolgt, hieß es in einer Pressemitteilung.

An anderer Stelle wird dagegen nachgelegt. So wollen die Autobauer künftig auch bei leichten Nutzfahrzeugen zusammenarbeiten. Zudem wird die Allianz – wie sich bereits angedeutet hatte – um eine gemeinsame Fahrzeugfertigung erweitert. Dadurch sollen die jeweiligen (Über-)Kapazitäten besser ausgelastet werden.

Opel läßt Zafira künftig bei PSA vom Band rollen

Nachdem bereits Anfang Oktober bekannt wurde, dass ein Mini-Van in der Größe von Opel Meriva und Citroen Picasso C3, der auf Basis einer Architektur von PSA entwickelt wird, künftig im Opel-Werk im spanischen Saragossa vom Band läuft, folgt nun der nächste Schritt: Das Nachfolgemodell für den Opel Zafira, das weniger Van und mehr SUV sein soll als bislang, wird im französischen PSA-Werk in Sochaux gefertigt.

Dieser Schritt wiederum dürfte an Opels Stammsitz in Rüsselsheim für Unruhe gesorgt haben. Denn dort wird der aktuelle Zafira, der momentan noch im vor der Schließung stehenden Werk in Bochum vom Band rollt, ab 2015 gebaut. Als Trostpflaster versprach die Marke mit dem Blitz jedoch in einer separaten Pressemitteilung umgehend Ausgleich für den absehbaren Zafira-Abgang: Am Firmensitz soll ein neues Modell angesiedelt werden. Details nennt Opel aus Wettbewerbsgründen momentan noch nicht. An dem hessischen Standort werden derzeit vier Varianten des Flaggschiffs Insignia produziert.

Die ersten der Allianz von GM Und PSA entspringenden Autos sollen weiterhin 2016 auf den Markt kommen. “Die Fahrzeuge beider Hersteller werden sehr differenziert sein und sich absolut im Einklang mit den Eigenschaften der jeweiligen Marke befinden”, bekräftigte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Die Partner blieben weiter offen “für neue Möglichkeiten” der Zusammenarbeit, sagte er.

Partnerschaft mit Dongfeng bleibt weiter ein Thema

Einem möglichen Einstieg des chinesischen Autobauers Dongfeng bei PSA will GM offenbar nicht im Weg stehen. Es sei geregelt worden, dass GM darauf verzichte, die Allianz zu beenden, sollten sich “bestimmte andere Parteien” an PSA beteiligen, hieß es in der Pressemitteilung. Zuvor hatten die Franzosen bestätigt, dass andere potenzielle Partnerschaften geprüft werden und eine Kapitalerhöhung eine Option ist. Schon seit Monaten wird spekuliert, dass sich die Chinesen an Peugeot-Citroen beteiligen könnten.

Informierten Personen zufolge werden Dongfeng und der französische Staat substanzielle Minderheitsanteile an PSA kaufen, um die Expansion des Unternehmens auf Märkte außerhalb Europas zu unterstützen.

Die Fußstapfen außerhalb Europas zu vergrößern wäre sehr wichtig für die defizitären Franzosen, um endlich wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Wie schwer die maue Nachfrage in Europa auf PSA lastet, wurde am Donnerstag einmal mehr deutlich. Aufgrund der schwachen Automobilmärkte und unvorteilhafter Wechselkursveränderungen vor allem in Russland und Lateinamerika schrieb Peugeot-Citroen 1,1 Milliarden Euro auf seine Auto-Sparte ab. 2012 hatte das Unternehmen vor allem wegen Wertkorrekturen einen Nettoverlust von fünf Milliarden Euro geschrieben.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke