Hyundai ist im Bilde. Sobald Filmaufnahmen von der WM-Fanmeile in Berlin in die ganze Welt geschickt werden, ist ein Logo oder ein Produkt des koreanischen Autobauers zu sehen. “Es ist minutiös geplant, wo welcher Banner steht und wo welches Auto”, erklärt Markus Schrick. Der Hyundai-Deutschland-Chef beeilt sich, hinzuzufügen, dass bei der Ausstaffierung der Public-Viewing-Plätze sich die Kollegen der Konzernzentrale aus Korea mit Tipps aber auch “konkreten Wünschen” eingebracht hätten. Der große Bruder aus Asien ist in der deutschen Filiale allgegenwärtig. Allerdings haben die Strategen in Offenbach einige Freiheiten. Nach den Boomjahren, als die Koreaner imposante Wachstumszahlen hingelegt haben, lautet nun Konsolidierung die Maxime. Die Modellpalette soll nur noch punktuell erweitert werden. “Wir kommen dann auf den Markt, wenn der Markt es will”, sagt Schrick. Das Wachstum soll solide sein und Autos werden nur gebaut, wenn sie Erfolg versprechen.

Diese Vorgehensweise des “Fast Followers” entspricht der, die VW schon seit Jahren pflegt. Und was in Wolfsburg recht ist, ist in Soul nur billig. Dass Hyundai schnell auf Trends reagieren kann, haben die Koreaner bereits bewiesen. Auf diese Reaktionsfähigkeit baut Schrick. Denn er fordert vehement ein SUV im B-Segment, der dem Opel Mokka und dem Renault Capture das Leben schwermachen soll. Planungen laufen bereits, entschieden ist aber noch nichts. Allerdings haben die deutschen und asiatischen Produktplaner nicht ewig Zeit. Wenn ein kleiner Geländekraxler satten Gewinn abwerfen soll, dann muss er innerhalb der nächsten zwei Jahre beim Händler stehen.

Ein Segment bei dem Vorzeichen für gute Margen günstig stehen, ist das der leichten Nutzfahrzeuge. Da war Hyundai bislang nicht besonders gut aufgestellt. Das wird sich ändern: Schon im nächsten Jahr wird ein solches Fahrzeug zu haben sein. Bei den Vans nehmen die Koreaner etwas den Fuß vom Gas. Einen Touran-Konkurrenten wird es in absehbarer Zeit nicht geben. „Das Segment wächst nicht in dem Maße, wie wir dachten. Also pushen wir da nicht so stark“, sagt Schrick. Das nächste wichtige Auto, wird die nächste Generation des Polo-Konkurrenten i20 sein, der Ende des Jahres für Furore sorgen soll. Je höher die Absatzzahlen, desto dünner die Luft.

Die meistgestellte Frage seiner Vorgesetzten an den Manager lautet: “Wie können wir dafür sorgen, dass wir langfristig erfolgreicher sind als andere Importeure in Deutschland?” Die Antwort des Hyundai-Deutschlandchefs ist kurz und bündig: “Qualität und Design”. Beim Design hat sich Hyundai längst vom barocken Charme der frühen 2000er Jahre verabschiedet. Auch bei der Qualität und der Wertigkeit haben sich die koreanischen Automobile sichtbar verbessert. Reine Hartplastik-Wüste war einmal. Doch, um langfristig im Konzern der Großen mitspielen zu können, sind weitere Schritte dringend nötig. Das fängt schon bei den Händlern an. Hier soll die Ansprache an den Kunden sympathisch und unmittelbar sein. “Die ersten drei Minuten des Verkaufsgesprächs sollen sich nicht um Geld und Autos drehen”, lautet die Vorgabe. Auch die Schauräume werden weiter modernisiert. “Wenn wir die Kunden erst einmal dort haben, ist unsere Eroberungsrate ziemlich gut”; weiß Schrick.

Doch die beste Kulisse und Verkaufsstrategie hilft nichts, wenn das Produkt die Erwartungen nicht erfüllt. Da gibt es bei Hyundai noch einige Baustellen. Bei den Assistenzsystemen haben die Koreaner Nachholbedarf. Das gilt vor allem für die Kompaktklasse. Die Motoren können mit den Spitzenaggregaten noch nicht mithalten. Deswegen sollen bald Dreizylindermotoren und auch Aggregate mit Zylinderabschaltung in den koreanischen Autos ihren Dienst tun. Außerdem in Planung: ein elektrischer Verdichter, der das Turboloch minimieren soll, in dem er die Schaufeln des Laders bei niedrigen Drehzahlen antreibt. Da ist Hyundai vorne dabei. Auch Audi und Mercedes-Benz tüfteln an dieser Technologie. Was die zukünftige Mobilität angeht, fahren die Koreaner zweigleisig. Kia favorisiert die Hybridtechnik, während Hyundai sich bereits auf die Brennstoffzelle festgelegt hat. Der SUV ix35 Fuel Cell wird bereits in einer Kleinserie produziert. Doch die Koreaner beobachten den Markt ganz genau. Wenn sich der Trend zum Plug-in-Hybriden weiter verfestigt, kann die Reaktion ganz ruckzuck erfolgen. “Innerhalb eines Jahres können wir ein solches Auto auf dem Markt haben”, sagt Schrick. Die Technik sei ja bereits im Konzern vorhanden. So sind die Rollen eindeutig verteilt. Ein weiteres Beispiel, bei dem man VW folgt. Und das sehr schnell.

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Wolfgang Gomoll; press-inform