VW Crafter

Nachfrage nach Nutzkraftwagen hat sich nach dem drastischem Absturz im Sommer 2008 spektakulär gedreht. - Bild: Volkswagen

Das ifo Institut erwartet für die deutsche Automobilindustrie auch im Jahr 2011 eine Fortsetzung des signifikanten Wachstum in Umsatz und Produktion. Für den Jahresdurchschnitt rechnet das Münchener Institut mit einem realen Umsatzplus von gut zehn Prozent, schreibt ifo Automobilexperte Reinhard Hild im aktuellen ifo Schnelldienst. Diese Prognose wird gestützt von den günstigen Ergebnissen des ifo Konjunkturtests für Februar 2011.

Das deutliche Wachstum wird von drei Faktoren stimuliert: Die Auslandsnachfrage steigt rasant, die Inlandnachfrage tendiert stabil nach oben, und die Nachfrage nach Nutzkraftwagen hat sich nach dem drastischem Absturz im Sommer 2008 spektakulär gedreht. Mit dem Wachstum der Umsätze dürften auch die Erträge weiter steigen, da der zu erwartende Lohnkostenanstieg unter dem Umsatzwachstum bleiben dürfte, so Hild. Allerdings bleiben Risiken bei Rohstoffpreisen und Wechselkursen sowie durch die Ereignisse in Japan und Libyen.

Im vergangenen Jahr konnte die deutsche Automobilindustrie ihre Position als umsatzstärkste deutsche Industriegruppe wieder ausbauen: Ihr Anteil am Umsatz des gesamten Verarbeitenden Gewerbes stieg auf 21,6 Prozent (2009: 20,6). Damit erreichte der Automobilsektor wieder nahezu seine Vorkrisenposition (2007: 21,7 Prozent). Grundlage war das starke Umsatzwachstum von 20,5 Prozent auf 317,0 Milliarden Euro. Allerdings lag der reale Umsatz der Automobilindustrie im letzten Viertel des Jahres 2010 noch immer um 8,7 Prozent unter dem bisherigen Spitzenniveau vom ersten Quartal 2008.

Besonders das Exportgeschäft beflügelt derzeit die deutsche Automobilkonjunktur. Die am Umsatz gemessene Exportquote erreichte 2010 einen Wert von 62,8 Prozent (2007: 60,6 Prozent). Für das Jahr 2011 erwarten die ifo-Experten ein Wachstum des Auslandsumsatzes von rund acht Prozent. Insgesamt hat sich der Auftragseingang aus dem Ausland real vom ersten Vierteljahr 2009 bis zum vierten Quartal 2010 um 57 Prozent erhöht. Das mit dem Ausland abgewickelte Umsatzvolumen nahm im gleichen Zeitraum um 45 Prozent zu.

Hinter dem starken Auslandswachstum verbergen sich erhebliche strukturelle Verlagerungen: Der in Euro gemessene Anteil Westeuropas ist von 53,3 Prozent im Jahr 2008 auf 48,4 Prozent in 2010 gesunken, Ostasien ist mit einer Verdopplung von 6,7 auf 13,8 Prozent nun die zweitgrößte Abnehmerregion. Allein im Jahr 2010 konnte der Export in diese Region um 82,7 Prozent auf insgesamt 22 Milliarden Euro ausgeweitet werden. Offensichtlich sind hier besonders sogenannte Premiumfahrzeuge gefragt, die für einen hohen ?Tonnenwert? sorgen: Mit rund 15.754 Euro pro Exporttonne lag er erheblich über dem Durchschnittswert der gesamten Ausfuhr an automobilen Erzeugnissen (10.513 Euro pro Tonne).

ifo Auftragseingang Automobilindustrie

Realer Auftragseingang in der Automobilindustrie. - Grafik: ifo Institut Zum vergößern klicken

Eine besondere Dynamik zeigt China: Allein 2010 hat sich hier der Absatzwert deutscher Lieferung verdoppelt (+105 Prozent), der Anteil des Landes am Gesamtausfuhrwert der deutschen Automobilindustrie stieg von 3,2 Prozent im Jahr 2008 auf 8,6 Prozent in 2010. Mit einem Tonnenwert von 14.437 Euro bei einem Anteil von 12,4 Prozent an den Exporten bildete Nordamerika weiter die drittgrößte Abnehmerregion.

Der inländische Automarkt war im Jahr 2010 geprägt von den Spätfolgen der Abwrackprämie, die für ein Vorziehen eines erheblichen Teils der Käufe in das Jahr 2009 gesorgt hatte. So schrumpfte die Zulassungszahl 2010 um 23,4 Prozent. Insgesamt aber zog die Nachfrage im Jahresverlauf bereits deutlich an: Im letzten Viertel 2010 lag der inländische Auftragseingang um 15,1 Prozent über dem Stand vom ersten Quartal dieses Jahres. Dabei erhöhte sich der durchschnittliche Neuwagenpreis in den alten Bundesländern nach Angaben der DAT von 22.730 (2009) auf 26.840 Euro (2010), also um 18,1 Prozent, nachdem er im Jahr zuvor infolge der prämienbedingten Anreize für Kleinwagen um 15 Prozent gesunken war.

Die Erholung der Nachfrage nach Nutzkraftwagen (Nkw) hat sich seit Herbst 2009 mit der Belebung der Investitionstätigkeit auch im Jahr 2010 weiter fortgesetzt. Auch für diesen Bereich lässt das ifo Geschäftsklima mit einer Fortsetzung der günstigen Entwicklung rechnen. Im Jahr 2010 nahmen die inländischen Nkw-Zulassungen bereits um 16,5 Prozent zu, die Nkw-Exporte um 53,2 Prozent und die deutsche Nkw-Produktion um 44,1 Prozent. Die Exportquote erhöhte sich von 64,0 auf 68,4 Prozent. Allerdings wurden die Produktions- und Absatzvolumina der Vorkrisenzeit bei weitem noch nicht wieder erreicht. So lag die Produktionsmenge von Nutzkraftwagen aus inländischer Fertigung 2010 noch immer um fast ein Drittel (31,2 Prozent) unter dem Jahr 2008, der Export unterschritt das 2008er Ergebnis um 34,4Prozent.

ifo Institut München