Sergio Marchionne Fiat breit

Sergio Marchionne hat den Merger zwischen Fiat und Chrysler vollendet. Jetzt geht es daran, den ehrgeizigen Wachstumsplan zu erfüllen. Dessen Ziele halten die Marktexperten von IHS Automotive für nicht erreichbar. Bild: Fiat/dpa

Die Autobauer Fiat und Chrysler wollen mit ihrer Fusion Geschichte schreiben, doch an der New Yorker Börse feierte ihr neu geformter transatlantischer Konzern ein unspektakuläres Debüt. Zum Handelsauftakt am Montag schnellte der Aktienkurs kurz von 9 bis auf 9,55 Dollar nach oben, fiel dann aber rasch wieder zurück. Letztlich schlossen die Papiere kaum verändert.

Die neuen Aktien der Fiat Chrysler Automotive, kurz FCA, wurden das erste Mal an der New Yorker Börse gehandelt, als Zweitnotiz auch an der Mailänder Börse. Dort waren die Papiere des alten Fiat-Konzerns am Freitag nach mehr als 100 Jahren zum letzten Mal angeboten worden.

“Es ist ein historischer Moment”, sagte Verwaltungsratschef John Elkann, der am Montag gemeinsam mit Fiat-Chef Sergio Marchionne zum Börsenstart nach New York gekommen war, um auf dem Parkett die Schlussglocke zu läuten.

Erst am späten Vorabend hatte Fiat endgültig Vollzug in der bereits zum Jahresauftakt beschlossenen italienisch-amerikanischen Fusion gemeldet. Fiat war nach der schweren Wirtschaftskrise 2009 beim stark geschwächten und vom US-Staat vor der Pleite bewahrten Wettbewerber eingestiegen und hatte die US-Tochter später komplett übernommen.

Mittlerweile haben sich die Kräfteverhältnisse allerdings gedreht. Die Hoffnungsträger des verschmolzenen Konzerns kommen überwiegend von Chrysler. Mit einem Verkaufsplus von 20 Prozent zum Vorjahr führte das Unternehmen im September die Absatzcharts im US-Automarkt an. Vor allem die Marke Jeep und die Pickup-Trucks von Ram finden reißenden Absatz.

Fiat hingegen wird von Experten angezählt. Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer kritisierte zuletzt eine überalterte Produktpalette. “Alfa Romeo ist weiter im Sinkflug, Lancia ist degeneriert zur Namenshülle mit US-Inhalt.”

Bis 2018 sollen die Marken unter dem gemeinsamen Konzerndach in neuem Glanz erstrahlen, so hat es Fiat-Chef Marchionne als Ziel ausgegeben und das mit kräftigen Wachstumszahlen unterfüttert. So soll der gemeinsame Konzern den Absatz bis 2018 auf 6,3 Millionen steigern – nach 4,4 Millionen im Jahr 2013. Am Tag nach dem Börsengang hat sich IHS Automotive die Macrhionne-Ambitionen unter der Lupe genommen und kommt zum Schluss: Das genannte Ziel ist deutlich zu ambitioniert.

Zwar geht auch IHS Automotive geht davon aus, dass FCA bis 2014 wachsen wird – ausgehend von der 2014er Prognose um 14 Prozent auf 5,1 Millionen Einheiten. Die von Marchionne vorgegebenen 6,3 Millionen hält Fletcher für nicht erreichbar. Auf die einzelnen Matken des Konzerns geblickt, stuft IHS das Ziel für Fiat von 1,9 Millionen Einheiten und 800.000 für Chrysler/Lancia als erreichbar ein. Sogar noch besser als die erwarteten 1,2 Millionen Einheiten könnte die Nutzfahrzeugallianz aus Fiat und Ram abschneiden. Kritisch sieht Flechter dagegen die Ziele für die Marken Jeep (1,9 Millionen Einheiten bis 2018), Dodge (700.000) und Alfa Romeo (400.000), auf denen die Hauptlast der Wachstumspläne liegt.

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Frank Volk / dpa