Forum 2013 Johannes Lapre

Johannes Lapre: "Weltweit werden 2020 aber immerhin 106 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Stärkstes Wachstum prognostiziert der Experte für das C-Segment." - Bild: Tobias Bugala

In seinem Eröffnungsvortrag stellt Johannes Lapré, Geschäftsführer der IHS Global GmbH, die Frage “Die globalen Wirtschaftsprognose ? Gibt es Platz für Optimismus?”

Wie die Zukunft für die Automobilwirtschaft aussieht, fragt der Ökonom und Automotive Business-Experte beim international tätigen Prognose-Unternehmen und zeigt dem Publikum in Ludwigsburg, dass wir alle in einer so genannten 3-Geschwindigkeiten-Welt leben. Die BRICs werden demnach stark wachsen. Die meisten Risiken für die Branche seien politischer oder geopolitischer Natur. Ein Risiko, so der Experte, stelle etwa eine explodierende Staatsschuldenkrise, eine nicht funktionierende US-Politik sowie ein China dar, das die Balance finden müsse zwischen Wachstum und einer Deflationierung der Immobilienblase. China, so Lapré, wachse nicht genug.

Politikwechsel in China erforderlich

In diesen ausgesprochen interessanten Zeiten könne der “IHS Automotive Radar” bei der Orientierung helfen. Mit diesem fragen die Prognose-Experten etwa, wann die Autoverkäufe in Europa wieder festen Boden erreichen? Laut Lapré könnte durchaus eine leichte Erholung einsetzen. Die Probleme weltweit definiert der Radar wie folgt: China hat demnach ein massives Feinstaubproblem: Seit Januar sei der unerträgliche Gestank etwa in Peking ständiges Thema auf den Fluren der Unternehmen. 20 Prozent der Feinstaubemissionen in China werden von Autos verursacht. Ein unausweichlicher Politikwechsel sei unzweifelhaft erforderlich, sagt Lapré.

Doch was heißt dies für die Automobilwirtschaft, wenn der “gelbe Drache grün wird”? Um neue Autos mit grünen Plaketten zu fördern, laufe es auf eine Verschrottung älterer Autos hinaus. Doch eine Beschränkung des Eigentums könnte auch zu einer Zurückhaltung bei der Anschaffung neuer Fahrzeuge führen. In Japan stehe die so genannte neue “Abe-Politik” für das Ansinnen, die Deflation und Stagnation zu beenden. Das japanische BIP rettet sich aus der Deflationsphase und wird um zwei Prozent wachsen, so der IHS-Mann. Lapré warnt diesbezüglich vor einer Wiederbelebung von Währungskriegen. Der schwächere Yen helfe zunächst einmal den japanischen Exporten. Den europäischen nicht.

Stichwort US-EU Freihandels-Abkommen. Das geplante Abkommen soll sämtliche Bereiche umfassen, so der Experte. Die US-EU-Union produziert 47 Prozent des Welt-Sozialprodukts und 35 Prozent des Welt-Automarkts. Der transatlantische Handel wachse, die US-Demographie zeige aber ein weniger dynamisches Wachstum. So werden 2023 etwa drei Millionen Autobesitzerfehlen. Weltweit werden 2020 aber immerhin 106 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Stärkstes Wachstum prognostiziert der Experte für das C-Segment. Anlass also, für verhaltenen Optimismus.

Götz Fuchslocher