Die J.D. Power "Initial Quality Survey"(IQS) ist so etwas wie der Gradmesser für die Autobauer in den USA. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden jedes Jahr von den Automobil-Herstellern erwartet, wie die alles entscheidenden Börsen-Kurse in den beiden "Wall-Street"-Filmen mit dem fiesen Börsen-Hai Gordon Gekko als Strippenzieher. Schließlich steht einiges auf dem Spiel, denn nicht wenige Autofahrer machen ihre Kaufentscheidung von dieser Rangliste abhängig. Manche europäische Hersteller veränderten sogar die Platzierung einiger Bedienelemente bei den US-Modellen, um den Gewohnheiten der amerikanischen Autofahrer möglichst weit entgegenzukommen und gut abzuschneiden. Diese Kundenbefragungen finden auf der ganzen Welt statt, das Marktforschungs-Institut hat insgesamt 17 Standorte, unter anderem in Deutschland. J.D Power sieht sich selbst als Anwalt der Autofahrer. Schließlich steht auf den Trophäen "Die Stimme des Kunden". Wer diese begehrten Preise erhält, platziert sie in Vitrinen, stellt diese auf Automobilmessen zur Schau und trommelt sich so ostentativ auf die Brust. "Seht her, wie gut wir sind."

Der Ritterschlag kommt tatsächlich von den härtesten Testern - den Autofahrern. "Wir sind Basis-Demokraten. Die Ergebnisse unserer Umfragen basieren auf den Antworten der Kunden", sagt John Humphrey, Senior Vice President bei J.D. Power. Bei der eingangs erwähnten "Initial Quality Survey" klopfen die Marktforscher den Qualitätseindruck ab, den der Käufer in den ersten drei Monaten von seinem Neuwagen hat. Dabei geht es nicht nur um klappernde Handschuhfächer, sondern auch um die Eingängigkeit des Bedienkonzeptes oder um die Bequemlichkeit der Sitze. Bei der letzten Analyse wurden 33 Marken und 215 verschiedene Modelle behandelt. Dabei haben sich in den drei Jahren zwischen 2013 und 2015 in den USA immer wieder die gleichen Probleme manifestiert: die Spracherkennung funktioniert nicht richtig, bei der Bluetooth-Verbindung hapert es, Materialien beziehungsweise Verkleidungen lösen sich zu schnell ab, das Navigations-System ist schwer zu bedienen und ungünstig platziert.

Traditionell schneiden die deutschen Premium-Marken gut ab. Bei der letzten Umfrage 2015 schaffte Porsche sogar den Spitzenplatz, getragen vom 911 und dem Macan, die in ihren Segmenten die Nummer eins waren. Es wird sich zeigen, ob die Zuffenhausener den Platz an der Sonne auch in diesem Jahr verteidigen können. Auf den nächsten beiden Plätzen folgten Kia und Jaguar. Der Mercedes-Stern glänzte übrigens auf Rang 15, gefolgt von Audi. Das Schlusslicht bildete Fiat, davor rangierte Smart.

Einfache Fragen - klare Antworten

In anderen Umfragen nimmt J.D. Power die Autos gründlich unter die Lupe: Eine Studie beschäftigt sich auch mit der Freundlichkeit und Zuverlässigkeit der Werkstatt. Die Fragen sind einfach zu beantworten. Für jede dieser die Analysen wird die Meinung von mehreren Tausend Autofahrern eingeholt. Insgesamt addiert sich die Zahl der Teilnehmer bei den verschiedenen Marktforschungs-Studien auf zwei bis fünf Millionen jährlich. "Wir zahlen mehrere Millionen für unsere Umfragen", sagt Humphrey.

"Wir wollen die Studien so einfach wie möglich halten", erklärt John Humphrey und meint damit sowohl die Auswertung als auch die Erfassung der Daten. Die Fragen variieren natürlich ja nach Studie. Die J.D.-Power-Analysten wollen ganz simple Sachen wissen. Geht es um die Kundenzufriedenheit, zum Beispiel, wie lange es gedauert hat, bis der Autofahrer von einem Mitarbeiter der Werkstatt in Empfang genommen wurde. Bei der Frage, was passiert, wenn ein Automobil-Hersteller die Teilnehmer der Studie beeinflussen will, verhärten sich die Gesichtszüge des Amerikaners: "Dann fliegt dieser Hersteller aus der Studie".

Was steckt eigentlich hinter dieser Namen J.D. Power? Wie kommen die Ergebnisse zustande? Zunächst einmal, ist J.D. Power kein Kunstname, sondern eine tatsächliche Person: James David Power III. hat 1968 diese Firma gegründet und sie 2005 an die Media-Abteilung von McGraw Hill Financial,verkauft. J.D. Power ist längst ein globales Unternehmen geworden. Insgesamt arbeiten rund 750 Mitarbeiter, an den Analysen und Studien. Wer jedoch glaubt, dass J.D. Power sich nur um die Automobil-Industrie kümmert, täuscht sich. Das Marktforschungs-Institut beleuchtet unter anderem auch die Gesundheits-Industrie, Reise-Unternehmen und die Versicherungsanbieter.