VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann

VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann beim Jahresabschlussgespräch vor Journalisten. Bild: Volkswagen

Ein Blick in die Zukunft ist ohne das Auge und richtige Augenmaß für die Gegenwart wertlos. Das hat man auch beim Volumenhersteller Volkswagen erkannt. Nach jahrelangen rechtlichen Auseinandersetzungen und Rekordstrafen in Sachen Diesel, richtet der größte Autobauer der Welt mittlerweile seinen Blick nach vorn: „Unsere Industrie ist im Umbruch. Wir müssen unser Transformationstempo deutlich erhöhen“, betont Ralf Brandstätter, COO der Marke Volkswagen.

Der Rendite soll dieses erhöhte Tempo keinen Abbruch tun – ganz im Gegenteil: Bereits im Jahr 2022 und damit drei Jahre früher als geplant, will der OEM sein Renditeziel von mindestens sechs Prozent erreichen.

Als wichtige Zukunftsfelder habe man in Wolfsburg die Themenfelder Elektromobilität und Digitalisierung ausgemacht. Ab 2025 möchte VW jährlich eine Million Stromer absetzen. Dafür investiert der Hersteller in den kommenden vier Jahren neun Milliarden Euro in die Elektromobilität. Weitere zwei Milliarden fließen in die Ladeinfrastruktur und digitale Ökosysteme. „Wir wollen bei der Elektromobilität ein Branchenstandard setzen“, betont Arno Antlitz, VW-Vorstandsmitglied für Controlling und Rechnungswesen.

Die Werke in Zwickau, Hannover und Emden werden dafür auf die Produktion von E-Autos ausgerichtet. Auch in China entstehen entsprechende Werke in den Großgemeinden Anting und Foshan. Die E-Modelle sollen auf Basis des Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) produziert werden. Ab 2019 rechnen die Wolfsburger konzernweit mit einer Jahresproduktion von bis zu 15 Millionen MEB-Fahrzeugen.

Auch der Anteil der auf den Modularen Querbaukastens (MQB) produzierten konventionellen Pkw soll bis zum Jahr 2020 sukzessive auf 80 Prozent steigen. Derzeit basieren etwa 60 Prozent der Fahrzeuge auf diesem Prinzip.

Die finanziellen Mittel für Zukunftsinvestitionen in Antriebe und Produktion sollen aber nicht nur aus den ehrgeizigen Renditezielen sondern auch aus dem aktuellen Kerngeschäft generiert werden. Doch rückläufige Verkaufszahlen besonders auf dem Heimatmarkt Deutschland und dem Wachstumsmarkt China setzen den Autobauer unter Druck. Durch verzögerte WLTP-Verfahren habe man in der Bundesrepublik in den Monaten September und Oktober einen deutlichen Verkaufseinbruch verkraften müssen. China stehe zurzeit stark unter dem Eindruck des Handelskonflikts mit den USA. Das führe zu einer deutlichen Zurückhaltung der chinesischen Kunden.

In Summe hat Volkswagen 2018 weltweit bisher 5,7 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Das sind 1,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Es wird nun vom Dezember abhängen wie wir das Geschäftsjahr abschließen. Uns fehlen noch 530.000 Auslieferungen, um das Rekordergebnis aus 2017 einzustellen. Das könnten wir schaffen“, zeigt sich VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann überzeugt.