Klimaanlage breit

Zu möglichen Konsequenzen, die drohen, wenn Daimler sich nicht durchsetzt, wollte sich der Stuttgarter Premiumautobauer nicht äußern. - Bild: gk

Das teilte die EU-Kommission am Mittwochabend in Brüssel mit. Die französischen Behörden hatten einen Zulassungsstopp für bestimmte Wagentypen des Stuttgarter Premiumautobauers Daimler verhängt, weil er das inzwischen für viele Neuwagen verbotene Kühlmittel weiter verwendet. Damit erkennen sie eine vom Kraftfahrtbundesamt erteilte erweiterte Typgenehmigung für Wagen der A-, B- und SL-Klasse vorerst nicht an.

“Die Mitgliedsstaaten haben anerkannt, dass bezüglich der Wagen, die nicht konform mit EU-Gesetzgebung sind, Korrekturmaßnahmen ergriffen werden sollen, um die Wagen konform zu machen”, schrieb die EU-Kommission. “Eingeschlossen das Zurückziehen von jenen nicht-konformen Fahrzeugen, die bereits auf dem Markt verkauft wurden, wie das bereits von einem Mitgliedsstaat getan wurde.” Die EU-Kommission erläuterte, eine endgültige Entscheidung stehe noch aus – diese werde die Brüsseler Behörde selbst treffen. Nach bisheriger Einschätzung sehe sie die Sache aber ähnlich.

Daimler sieht KBA-Zulassung weiterhin als europaweit gültig an

Ein Sprecher des Autoherstellers sagte am Abend, zu dem Statement lägen ihm noch keine Informationen vor. Bislang vertrete der Autohersteller die Auffassung, dass die Zulassung des Bundesamts europaweit gültig sei und einer Zulassung in den EU-Mitgliedsstaaten stehe nichts im Wege stehe.

Ob und inwiefern eine Entscheidung aus Brüssel sich auf die deutsche Typgenehmigung auswirken würde, konnte eine Sprecherin des Kraftfahrtbundesamtes am Mittwoch im Vorfeld der Gespräche zunächst nicht sagen. Am Abend war bei der deutschen Behörde niemand zu erreichen.

Für die meisten Neuwagen sind eigentlich seit Jahresbeginn klimaschonendere Kältemittel vorgeschrieben. Das Mittel R1234yf erfüllt die EU-Auflagen, das von Daimler weiterhin genutzte R134a nicht. Daimler schließt den Einsatz seit Herbst 2012 aus und verweist auf eigene Tests, die Hinweise auf Sicherheitsrisiken des EU-konformen R1234yf ergeben hätten. Bei simulierten Unfällen habe sich R1234yf im Motorraum entzündet.

Antonio Tajani

Antonio Tajani: "Einige Fahrzeuge von Daimler stehen nach der vorläufigen Analyse der Kommission nicht in Einklang mit ihrer Typgenehmigung." - Bild: European Commission

Stuttgarter befürchten negative Auswirkungen auf die Kosten

Zu möglichen Konsequenzen, die drohen, wenn Daimler sich nicht durchsetzt, wollte sich der Daimler-Sprecher nicht äußern. Im Geschäftsbericht heißt es dazu: “Sollte uns dies nicht rechtzeitig gelingen, könnten sich negative Auswirkungen auf die Herstellungskosten der betroffenen Fahrzeuge infolge der Vornahme technischer Anpassungen sowie auf die Absatzentwicklung ergeben.”

“Im Allgemeinen kann das neue Kältemittel R1234yf nicht ohne weiteres in Fahrzeugen eingesetzt werden, die dafür nicht ausgelegt sind”, erklärte Carsten Graf vom Technikzentrum des ADAC in Landsberg am Lech. Die Dichtungswerkstoffe und der Schmierstoff müssen auf das neue Kältemittel abgestimmt werden, außerdem müssen Einfüllstutzen ausgetauscht werden. Der Schritt zurück zum alten Mittel R134a sei dagegen, zumindest was die Dichtungen und den Schmierstoff angeht, technisch kein Problem.

Volkswagen nutzt Schlupflöcher für den R134a-Einsatz

Andere Hersteller wie etwa VW haben Schlupflöcher genutzt, um die Autoklimaanlagen zunächst weiterhin mit dem Mittel R134a befüllen zu können, gerieten aber im Gegensatz zu Daimler nicht mit der EU-Richtlinie in Konflikt. Das Kältemittel soll 2017 endgültig aus den Autoklimaanlagen verbannt werden, bis dahin sollen klimaneutrale Klimaanlagen mit dem natürlichen Kältemittel CO2 serienreif sein.

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dpa/Guido Kruschke