| von Stefan Grundhoff

Viele Autohersteller rühmen sich, ebenso elegante wie emotionale Coupés im Programm zu haben. In der Realität sind die Modelle zwar schick, elegant und sehenswert, doch keine echten Sportcoupés mit zwei Türen, sondern viertürige Limousinen, die durch eine flache Dachlinie zu Pseudo-Coupés gemacht wurden, um höherer Verkaufspreise zu erzielen. Dagegen sind viele reale Coupés aus dem Modellangebot verschwunden. Mercedes hat jüngst sein S-Klasse Coupé eingestellt, es scheint zweifelhaft, ob BMW einen zweitürigen Nachfolger von seinem sportlichen 8er produzieren wird. Peugeot hat seine schicken Coupés wie 406 oder 407 schon vor Jahren ebenso einschlafen lassen wie Opel seinen coolen Astra GTC. Der Grund ist die geringe Kundennachfrage, denn insbesondere ältere Kunden mit entsprechenden finanziellen Möglichkeiten standen einst auf die Coupés. Viele sind im Laufe der Jahre auf kraftvoll motorisierte SUV umgestiegen - auch dem souveränen Sicherheitsgefühl und der hohen Sitzposition wegen.

Ähnlich schwer haben es die Cabriolets, denn auch sie werden aus den Modelllisten immer mehr zusammengestrichen. Jüngst stellte Volkswagen seinen Beetle ein, der insbesondere in den USA ein echter Imageträger war. Mercedes hat sich vom SLC/SLK ebenso verabschiedet wie von seinem S-Klasse Cabriolet und auf lange Sicht dürfte es wohl zwei so nah beieinander positionierte Sonnenanbeter wie C- und E-Klasse nicht mehr geben. Hier werden in der kommenden Generation wohl ein Coupé und Cabriolet ihren Platz abgeben müssen. Immerhin sind AMG GT Roadster und endlich auch ein neuer Mercedes SL im Angebot der Schwaben gesetzt. Manche Hersteller haben ihre Cabriolets gar komplett aus dem Programm geworfen. Ford (abgesehen vom US-Modell Mustang), Opel, Volvo, Nissan oder gerade Peugeot - lange Jahre mit Erfolgsmodellen wie Peugeot 306 Cabrio / 307 cc oder 206 / 207 cc die unangefochtene Cabriomarke Nummer eins - haben gar keine Sonnenterrassen mehr im Angebot. Und selbst ein Bestseller wie der offene VW Golf ist mittlerweile verschwunden. Kaum anzunehmen, dass die verschrobene Mischung aus Cabriolet und SUV wie das VW T-Roc Cabrio, der offene Nissan Murano oder das Range Rover Cabrio nennenswerte Stückzahlen generieren und das Segment damit ernsthaft beleben.

Schaut man sich das Klientel an, sind es oftmals Freiberufler und Selbstständige, die gerne ein Cabriolet in ihrer Garage haben. In keiner anderen Berufsgruppe ist der Anteil von Cabriolets an allen Kfz-Versicherungsabschlüssen größer. Das Vergleichsportal Check 24 verglich die eigenen Kunden und hier sind Ärzte, Architekten oder Anwälte mit einer Cabrioquote mit einer Versicherungsquote von 5,0 Prozent besonders gerne offen unterwegs. Selbstständige fahren immerhin zu 4,1 Prozent in einer offenen Pkw-Variante. Beide Werte liegen deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt, der aktuell bei gerade einmal 2,9 Prozent liegt. "Cabrios sind häufig als Zweitwagen versichert", sagt Dr. Tobias Stuber, Geschäftsführer Kfz-Versicherungen bei Check 24, "darum ist es wenig überraschend, dass diese Fahrzeuge besonders bei einkommensstarken Berufsgruppen beliebt sind."

Auch Premiummarken rudern zurück

Außer Premiummarken gibt es kaum noch Anbieter von Cabriolets. Jaguar bietet seinen F-Type auch als ebenso schicken wie leistungsstarken Roadster an, BMW lockt mit Z4, 8er und bald auch dem neuen 4er ebenso Kunden verschiedener Preisklassen wie Audi mit seinem A5 / S5. Und Porsche bietet seinen 718 ebenso als Boxster wie den Klassiker 911 auf Wunsch auch ohne Dach. Weitere Cabrios gibt es bei Nobelmarken wie Lexus (LC), Aston Martin (DB11 / Vantage), Ferrari (Portofino), Bentley (Continental GTC) oder Lamborghini (Huracan / Aventador). Groß und vergleichsweise günstig sind die beiden amerikanischen Exoten Ford Mustang und Chevrolet Camaro, die jeweils nicht nur als Cabrio, sondern auch als Coupé angeboten werden. Wer es ein paar Nummern kleiner und günstiger mag, der kann bei Smart mit dem offenen Fortwo zugreifen oder beim Mini Cabriolet.

Auf der Strecke geblieben sind in den letzten Jahren viele Modelle aus der Kompaktklasse - selbst bei den Premiummarken. Der Audi A3 hat offen ebenso wenig eine Zukunft wie der Audi TT Roadster, ein offener R8, das BMW 2er Cabrio oder ein VW Eos. Schon vor Jahren kam das Aus für die Cabrioversionen von Ford Focus, Mitsubishi CZC oder Nissan Micra und Mini, die mit dem Roadster zwischenzeitlich sogar einmal zwei offene Versionen im Programm hatten. Eine rühmliche Ausnahme kommt von Mazda. Nachdem die Japaner mit dem MX-5 im Jahre 1989 das Segment der kleinen Spaßroadster wiederbelebten, hat der offene Doppelsitzer seinen festen Platz im eigenen Modellprogramm und in jeder Cabriostatistik. Zwischenzeitlich gab es mit dem Abarth 124 einen technischen Zwilling des Mazda mit italienischem Design und weitgehend identischer Technik. Doch der offene Norditaliener ist mittlerweile klammheimlich wieder von den Fiat-Bestelllisten verschwunden.

So sehr die Cabriolets auch unter Druck sind - es gibt auch positive Tendenzen. Die alles andere als ansehnlichen Klappdach-Cabrios - ein Trend der 1930er Jahre, der in den 90ern mit Modellen wie dem Peugeot 206 cc und einem Mercedes SLK wiederauflebte - scheinen abgehakt. Als eines der letzten Modelle schickt BMW nach dem Z4 nunmehr auch sein 4er Cabriolet in die Klappdach-Rente und lässt ihn Ende des Jahres mit dem Nachfolger wieder auferstehen. Der hat wieder ein echtes Stoffdach und ist damit ein Cabrio, wie man es kennt. Leider wird auch das kaum verhindern, dass Cabriolets in den nächsten Jahren in ihrem Schattendasein verharren. Die jährlichen Verkaufszahlen von 70.000 bis 90.000 Fahrzeugen dürften schon angesichts des schrumpfenden Angebots weiter zurückgehen. Und da geht es den Coupés kaum besser. Daran ändern auch viertürige Pseudo-Coupés und SUV-Ableger mit abfallender Dachlinie nichts.