| von Stefan Grundhoff

Der Genfer Salon im März 2020 wäre als Automesse ein Trauerspiel geworden - selbst wenn die Veranstaltung auf dem Gelände Palexpo stattgefunden hätte. Mehr als 15 wichtige Autohersteller hatten sich vom europäischen Saisonauftakt am Genfer See bereits frühzeitig abgemeldet. Ungewiss, ob die Messe im kommenden Frühjahr noch einmal als solche stattfinden wird. Fest steht aber bereits jetzt, dass noch weitere Autohersteller dem einstigen Großevent fernbleiben werden. Dabei hat die Coronakrise kaum eine Entwicklung hervorgebracht, die nicht auch sonst gekommen wäre. Doch hätte es ohne Covid-19 wohl noch einige Jahre gedauert - die Pandemie wurde zu einem Brandbeschleuniger für die Autoindustrie und die Umsetzung neuer Formate sowie Arbeitsweisen. Nahezu alle geplanten Veranstaltungen fielen aus und die Substitute fanden zumeist rein virtuell statt. Alles andere als ein Selbstläufer; aber besser als nichts und das zu überschaubaren Kosten.

So tut sich auch die für den Spätsommer 2021 geplante internationale Automobilausstellung schwer, die nach dem 2019er Zusammenbruch in Frankfurt erstmals in München stattfinden soll. Und wer hinter die Kulissen der Vorplanung schaut, in Organisatoren und Autohersteller hereinhört, weiß, dass man die IAA vielleicht schon im Vorfeld abgestellt hätte, wären die Auswirkungen des Coronavirus bereits abzusehen gewesen. Zudem gab es in München - weitgehend unbeachtet von der bundesdeutschen und europäischen Öffentlichkeit - einen Regierungswechsel. Zwar blieb der alles andere als autofreundliche Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) im Amt, doch wurden die Grünen etwas überraschend stärkste Fraktion im Rathaus der Stadt München. Und so hat es das Auto in München zukünftig noch schwerer als in den vergangenen Jahren ohnehin schon. Bestehende Parkplätze und Straßen werden zu Hunderten aus der Millionenmetropole an der Isar verbannt. Rote Ampelphasen werden künstlich verlängert, um das Autofahren in der Heimat von BMW unattraktiver denn je zu machen.

Das macht auch die Planungen für die einst wichtigste Automesse der Welt - die IAA - schwieriger denn je. Viele Verbände, Organisationen und Firmen wünschen sich bereits jetzt, man hätte sich niemals für München entscheiden. Die politische Großwetterlage und der Coronavirus machen die begehrteste Metropole Deutschlands für einen Event wie eine internationale Autoausstellung wenig ideal. Dazu kommen die wankenden Autoriesen. Gaben große deutsche Marken wie Audi, BMW, Mercedes, Porsche oder Volkswagen alle zwei Jahre einst 50 oder mehr Millionen Euro für die knapp zweiwöchige Leistungsschau unter dem Frankfurter Messeturm aus, kalkulieren die Marken heute für einen alles andere als aufsehenerregenden Mobilitätsevent in München nicht einmal mehr ein Zehntel der einstigen Budgets ein. Die Restriktionen durch Terminlage (Oktoberfest), Örtlichkeiten und politische Situation vor Ort machen das Ganze zu einem Risiko, das viele nicht tragen wollen.

China bleibt gesetzt

Für die anderen weltweiten Messen sieht es nicht viel besser aus. Mercedes verabschiedete sich frühzeitig von den einst so wichtigen Automessen in Detroit, New York und Los Angeles. Paris oder Genf scheinen angesichts einer angespannten Finanzlage ebenso unwahrscheinlich und so bleiben nicht viel mehr als die Consumer Electronic Show Anfang des Jahres in Las Vegas sowie die chinesischen Großmessen in Peking, Guangzhou und Shanghai. Auch BMW hat sich von den meisten internationalen Messen längst verabschiedet und will - alternierend mit einer etwaigen IAA - auf eine Hausmesse am Standort in der BMW Welt setzen. CES und China sind für die Marken mittelfristig nur schwer zu umschiffen; so hört man auch aus dem Volkswagen-Konzern. Doch jüngst hat sich zum Beispiel Lamborghini von allen weltweiten Leistungsschauen verabschiedet.

Auch Konzerne wie Jaguar Land Rover, PSA oder Ford sind den meisten Messen längst ferngeblieben. Die Gründe liegen auf der Hand, denn die Ausstellungsflächen sind teurer denn je, der Kostenaufwand für Planung, Messebau und Personal gigantisch. Dabei lässt sich der Erfolg der ausgestellten Produkte nur schwer in Imagegewinn und Verkäufen berechnen. In den Vorstandsetagen hat zudem längst eine neue Generation von Topmanagern das Sagen, die die millionenschweren Ausgaben nicht einfach ohne kritisches Hinterfragen durchnicken. Zudem gelingt es mit den Messen speziell in Europa kaum, ein neues, jüngeres Publikum anzulocken. Das klappt allenfalls noch in China. Auch die einst so heiß gehandelten Messen wie die CES in Las Vegas oder der Mobile World Congress dürften es mittelfristig schwer haben, als feste Kommunikationsplattform für die internationalen Autohersteller gesetzt zu sein. Was fehlt, sind neue Formate. Unwahrscheinlich, dass diese in Messezentren stattfinden werden.