VW will 2018 elf Millionen Autos verkaufen. (Bild: VW)

VW will 2018 elf Millionen Autos verkaufen. (Bild: VW)

Martin Winterkorn lässt seinen Worten Taten folgen: Bis 2018 soll Volkswagen elf Millionen Autos verkaufen. Damit dieses ehrgeizige Ziel erreicht wird, müssen die Niedersachsen vor allem in den USA Boden gutmachen. Deswegen wird das VW-Werk im mexianischen Pubela gestärkt.

Nach einem Produktionseinbruch von fast 30 Prozent im vergangenen Jahr will VW de México laut dem “Handelsblatt” 2010 mit der USA-Offensive des Konzerns wieder auf Wachstumskurs einbiegen. Seit Mitte April fertigt das größte Einzelwerk Volkswagens auf dem amerikanischen Kontinent die ersten Einheiten des neuen Modells NCS (New Compact Sedan), das besonders auf den strategisch wichtigen nordamerikanischen Markt ausgerichtet ist.

Von dem Fahrzeug, das perspektivisch das Erfolgsmodell Jetta ablösen soll, würden mittelfristig 1200 Stück pro Tag gebaut, sagte der Vorstandsvorsitzende von VW de México, Otto Lindner, dem “Handelsblatt”. Damit nehme das Werk in Puebla eine wichtige Rolle in der Nordamerika-Strategie des Konzerns ein und werde eng mit der Fabrik in Chattanooga kooperieren, betonte Lindner. Das Werk im US-Bundesstaat Tennessee soll im Frühjahr 2011 die Produktion starten. Bis spätestens 2018 will Volkswagen seine Position in den USA verbessern, wo die Wolfsburger im ersten Quartal des Jahres einen Marktanteil von 2,3 Prozent erreichten.

VW muss mindestens 80 Prozent der Komponenten für die in den USA gebauten VW-Modelle im Dollar-Raum einkaufen, damit sich die Produktion in Chattanooga rechnet. Das Werk in Puebla spielt dabei eine wichtige Rolle, etwa als Lieferant von Motoren.

Die Wolfsburger fahren in den USA seit Jahren hinterher, den Marktanteil von 2,9 Prozent im Jahr 2009 will der Konzern bis 2018 auf sechs Prozent erhöhen.

Das Kompaktauto NCS ist Teil eines Investitionspakets von einer Milliarde Dollar für das Werk in Puebla, das VW-Vorstandschef Martin Winterkorn vor zwei Jahren bei seinem Besuch in Mexiko verkündet hatte. Mit dem Geld werden zudem die Fertigungsanlagen in Puebla erweitert und modernisiert. Noch in diesem Jahr soll die Kapazität der Fabrik auf rund 550 000 Einheiten jährlich anwachsen.

Der NCS wird Mitte Juli in San Francisco der Öffentlichkeit vorgestellt und zwei Wochen später in Mexiko in den Markt eingeführt. In Puebla, 125 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt, werden für den Weltmarkt die Modelle Jetta/Bora A5, Golf Variant und New Beetle zusammengesetzt. Zudem wird vor allem für den lokalen und südamerikanischen Markt der Jetta A4 produziert.

Nach der Rekordfertigung von 450 000 Einheiten im Jahr 2008 fiel die Produktion bedingt durch die Schwäche der Märkte in Mexiko und den USA vergangenes Jahr auf 320 000 Einheiten. 2010 peilt das mexikanische Werk die Marke von 400 000 Einheiten an. Traditionell ist Mexiko für VW ein Exportstandort. Gut acht von zehn Fahrzeugen werden ins Ausland verkauft – auch nach Europa, Asien und Lateinamerika.

Das Exportpendel werde künftig wieder stärker nach Nordamerika ausschlagen, sagte Lindner. “Wir sind als kostengünstiger Standort auch ein Komponentenstandort und werden daher viele Teile in die USA liefern”, bekräftigte Lindner. Das Werk in Chattanooga wird zunächst den so genannten New Midsize Sedan (NMS) fertigen, ein Auto der gehobenen Mittelklasse. Geplant sind 150 000 Einheiten pro Jahr. VW will damit endlich den japanischen Rivalen Toyota und Honda preislich Konkurrenz machen. Der Zeitpunkt ist günstig: Toyotas Image leidet auf dem wichtigsten Markt der Japaner unter einer einzigartigen Rückrufserie.

Für die Zukunft stehe in Mexiko die Entwicklung eines lokalen Kleinwagens auf der Agenda, sagte VW-Chef Lindner. Dieses Auto müsse die Leerstelle schließen, die das Auslaufen des Käfers im Jahre 2003 gelassen habe. In die Lücke seien Hersteller wie GM und Nissan gestoßen, die in Mexiko Fahrzeuge zum Preis von 100 000 Peso anbieten (rund 6000 Euro). Volkswagen hat in diesem Segment kein Fahrzeug. Das preisgünstigste Auto ist der Jetta A4 mit einem Preis von rund 140 000 Peso (rund 8500 Euro). In Mexiko belegt die Volkswagen-Gruppe mit einem Marktanteil von 15,6 Prozent den dritten Platz hinter GM und Nissan.