Soll in die Rolle des “Game Changers” schlüpfen und den Lexus-Absatz in Europa

Soll in die Rolle des “Game Changers” schlüpfen und den Lexus-Absatz in Europa beflügeln: Lexus NX 300h. Bild: Volk

Wo immer derzeit neue Premium-Modelle vorgestellt werden, gehört es quasi zum Nachweis ökologischen Fortschritts-Geistes, das Portfolio um einen Plug-in-Hybriden zu erweitern, also jene Modelle die sich auch extern laden lassen und so auf eine rein elektrische Reichweite von rund 60 Kilometer kommen.

Lexus plant ohne Plug-in-Hybrid-Modelle

Ausgerechnet Pionier Toyota gibt sich hier konservativ und setzt weiter auf die bewährte Hybridtechnik, bei der der E-Motor „nur“ zur Unterstützung des Verbrenners zum Einsatz kommt. Damit erreicht der neue NX eine rein elektrische Fahrstrecke von zwei Kilometern, die im Stop-and-Go-Verkehr in den Städten deutlich höher liegt. Verpasst nun ausgerchnet Toyota den nächsten Innovationsschritt zur Elektrifizierung des Antriebsstrangs?

Nein, sagt Lexus-Chef Alain Uyttenhoven bei der europäischen Fahrpräsentation in Wien gegenüber der AUTOMOBIL PRODUKTION. Zum einen werde die Mehrzahl der verkauften Lexus als Langstreckenfahrzeug eingesetzt. Zum anderen könne aufgrund der bislang schwachen Ladeinfrastruktur nur der Teil der Käufer den Plug-in-Hybriden sinnvoll nutzen, der über eine entsprechender Lademöglichkeit zu Hause verfüge. Dem stünden etwa 10.000 Euro Mehrkosten für die Batterie entgegen. Bislang, so Uyttenhoven, stimme hier die Kosten- Nutzenrechnung nicht. Auch die Nachfrage nach Plug-in-Hybriden sei in Europa noch zu wenig ausgeprägt, als dass man bereits in der Breite ein ein entsprechendes Modellangebot benötige.

Uyttenhoven: Basis für neuen Wachstums-Schub

Gleichwohl behalte man das Thema im Blick. Ziehe der Bedarf an, könne man sehr schnell reagieren und entsprechende Modelle in den Markt schieben. Über genügend Erfahrung mit der Hybridtechnologie verfüge man und mit dem Pris Plug-in-Hybrid hat Toyota ein Steckdosenmodell im Sortiment.

Lexus-Chef Alain Uyttenhoven sieht nach der Neustrukturierung des Vertriebs und mit dem NX die Basis für Wachstum in Europa geschaffen. Bild: Volk

Lexus-Chef Alain Uyttenhoven sieht nach der Neustrukturierung des Vertriebs und mit dem NX die Basis für Wachstum in Europa geschaffen. Bild: Volk

Und so muss der NX 300, das erste Kompaktmodell als “klassischer” Hybrid in die Rolle des “Game Changers” in Europa schlüpfen. Nichts Geringeres ist die Aufgabe des brandneuen Modells, dessen Hauptwettbwerber in Deutschland BMW X3 und Audi Q5 sind, der sich mit Blick auf das Volumen wohl eher mit dem Volvo XC60 messen wird.

Zwar hat die Toyota-Premiumtochter in den ersten acht Monaten weltweit um 13 Prozent auf 374.300 Einheiten und in Westeuropa um 19 Prozent auf 31.250 Fahrzeuge zugelegt und segelt damit sowohl global wie auch in Europa auf Rekordkurs. Allerdings hat die Marke speziell in Westeuropa nie die vor 10 Jahren gesteckten Erwartungen erfüllt. Damals, räumt Uyttenhoven ein, sei man „zu optimistisch“ ans Werk gegangen. Inzwischen wurde das Vertriebsnetz in Deutschland radikal zusammengestutzt. Von ehemals 100 Händlern die auch oder ausschließlich Lexus im Angebot hatten, sind nach der Restrukturierung im Frühsommer 38 sogenannte Ansprechpartner übrig geblieben, darunter bundesweit gerade mal 10 reine Lexushändler.

Von dieser reduzierten Basis aus, will man nun zur zweiten Wachstumsstory ansetzen. In Westeuropa will man nach 43.000 im vergangenen Jahr verkauften Autos in diesem Jahr auf 50.000 Einheiten wachsen, 2015 auf 65.000 und zur Ende des Jahrzehnts soll dann die Marke von 100.000 Autos fallen. Die Initialzündung für den Wachstumsschub soll der NX 300h bringen.

Hat er nun das Zeug dazu? Beim ersten Fahreindruck fällt auf:
Optisch ist der NX eine sattes Statement. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, gewiss ist aber, dass das Auto auf den Straßen auffällt wie ein bayrischer Trachtler in Yokohama. Die Linie ist scharf gezeichent, fast schon spektakulär ist die seitliche Linienführung von hinten betrachtet. Mit ihren Kanten und scharfen Liniene steht der Konpakt -SUV da wie ein Athlet vor dem Sprung. Im Innern setzt sich die Modernität der äußern Schale fort, wenngleich dort die Sportlichkeit zugunsten des Komforts in den Hintergrund rücktt. Knöpfe und Schalter sind dort, wo man sie vermutet, das Gestühl ist bequem und auch auf der Rückbank gibt’s genügend Platz. Alleine die ab dem Business-Paket serienmäßige Navigation verheddert sich bisweilen.

Leise Ernüchterung macht sich beim Fahren breit. Innig versprochen wird von der Presseabteilung ein hohes Maß an Fahrdynamik und das zielt natürlich auf die deutsche Premium-Konkurrenz. Nur: auch der NX 300h ist ein Lexus und hat seine Stärken eindeutig im entspannten Dahingleiten, im souveränen Auftritt.

Rasch zeigt sich, dass der 1,7 Tonnen schwere Fünfsitzer trotz seiner Systemleistung von 145 kW / 197 PS nicht annähernd so dynamisch vom Fleck kommt, wie es sein Äußeres suggerieren möchte. Von Null auf 100 müht sich der mit einem 2,5-Liter-Benziner ausgestattete Lexus in 9,2 Sekunden. Auch das dünne maximale Drehmoment von 210 Newtonmetern steht stellvertretend für den im positiven Sinne lässig-souveränen Gesamtauftritt des Lexus NX.

Lässig-souverän ja, aber wo ist die Fahrdynamik?

Positiv wirkt sich dies auf den Verbrauch aus. Zwar stammen die fünf Liter Verbrauch, die der Fronttriebler mit dem Elektromotor an der Vorderachse laut Herstellerangaben verbraucht, aus dem Reich der Mess-Theorie, mit 6 bis 6,5 Litern dürfte sich der NX aber im Alltag bewegen lassen. Die Fahrt selbst verläuft Dank der neuen Generation des adaptiven variablen Fahrwerks komfortabel. Die Lenkung des in einer Preisrange von knapp unter 40.000 Euro bis 60.000 Euro angebotenen NX 300 h gibt dem Fahrer ausreichend Rückmeldung. Für die Sicherheit stehen Assistenten wie das Pre-Crash Safety-System, eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, sowie Spurhalte- und Totwinkelassistent zur Verfügung.

Ob das in Summe allerdings zum “Game Changer” reicht, wird sich in der Zeit nach dem Verkaufsstart – in Deutschland am 18. Oktober – zeigen. Ein kritischer Punkt ist weniger die Abriegelung der Höchstgeschwindigkeit bei 180 km/h, an der sich derzeit vor allem die Gasfußfraktion unter den Autotestern ereifert, als vielmehr das zum sehr überschaubare Motorenprogramm, mit dem Lexus seinen Kompakt-SUV 2015 ins erste volle Verkaufsjahr schickt. Zum Start des NX300 h gibt es einen 2,5-Liter Benziner, im Frühjahr kommt 2-Liter-Turbo-Benziner hinzu. Das war´s dann erst Mal. Ein Dieselaggregat fehlt im Programm. Bei den Verbrauchswerten, die der NX300 h mit den Benzinern erzielt, glaubt man auf den Diesel verzichten zu können.

Alle Beiträge zu den Stichwörtern Lexus Lexus NX

Frank Volk