Winterkorn Stadler breit

VW-Chef Martin Winterkorn und Audi-Chef Rupert Stadler können sich freuen - der Volkswagen-Konzern übertraf dank der Premium-Töchter Porsche und Audi den stattlichen operativen Gewinn aus dem Vorjahresquartal. - Bild: Audi

Umsatz, Absatz, Gewinn – die Hersteller haben in den ersten sechs Monaten neue Bestmarken aufgestellt oder alte Rekorde nur knapp verfehlt. Das zweite Halbjahr, hoffen die Konzernlenker, könnte sogar besser werden.

“Dabei setzen wir jedoch voraus, dass sich die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in der Welt nicht wesentlich verschlechtern”, sagt BMW-Chef Norbert Reithofer.

Bisher ist von der Not anderer europäischer Hersteller wie Peugeot oder Fiat in Wolfsburg, München und Stuttgart wenig zu spüren. Auf den ersten Blick zumindest. Es sind die guten Geschäfte in Übersee, die die hässlichen Kratzer in den Bilanzen überdecken.

Belastungen aus der Eurokrise erscheinen bislang beherrschbar

Dennoch gibt es sie: Im ersten Halbjahr schrumpfte der operative Gewinn in der Autosparte von BMW um mehr als 14 Prozent auf gut 3,3 Milliarden Euro. Der Umsatz ging trotz neuer Verkaufsrekorde leicht zurück. Auch beim Verfolger Audi zeigen sich ähnliche Dellen. Das hat mehrere Gründe. Einer davon lautet Europa. Hier werden in vielen Ländern wenige Autos verkauft. So hat beispielsweise der Automarkt Italiens wieder das Niveau der 1970er Jahre erreicht. Um die wenigen Kunden buhlen die Hersteller mit Rabatten. Das drückt die Preise – und den Gewinn.

Zugleich investieren die deutschen Hersteller in neue Modelle und den Ausbau ihrer Produktion in den boomenden Ländern in Übersee. Das kostet viel Geld. Angesichts der prall gefüllten Konzernkassen dürfte es wohl der richtige Zeitpunkt für solche Ausgaben sein. “Um auch in der Zukunft erfolgreich und wettbewerbsfähig zu sein, investieren wir jetzt in großem Umfang”, sagt Reithofer. Die Belastungen aus der Eurokrise erscheinen bislang beherrschbar.

Allen voran Europas Branchenprimus Volkswagen steht zur Halbzeit 2013 gut da: Nachdem Beobachter die Jahresziele der Wolfsburger wegen eines verkorksten Starts in höchster Gefahr wähnten, legte VW im zweiten Jahresviertel ein Comeback hin. Der Konzern übertraf den stattlichen operativen Gewinn aus dem Vorjahresquartal – dank der Premium-Töchter Porsche und Audi.

Norbert Reithofer

Auch BMW-Chef Reithofer muß den Konzern für die Zukunft aufstellen. Um weiter erfolgreich und wettbewerbsfähig zu sein, investieren die Münchener Milliardenbeträge. - Bild: BMW Group

PSA steckt weiter tief im roten Bereich

Während in Wolfsburg die Krise eher in den vorsichtigen Statements der Manager herauszulesen ist, steckt Europas Nummer zwei – PSA Peugeot Citroen – weiter tief in den roten Zahlen. Renault konnte sich dank eines drastischen Sparprogramms etwas berappeln, der Rivale Fiat hält sich nur dank der US-Tochter Chrysler über Wasser. Während die in Übersee mit schweren und teuren Geländelimousinen punkten, muss Fiat bei der Modellpalette sparen und hat kaum Neuheiten zu bieten.

Aber was Fiat durch seine Tochter gelingt, nutzen auch die deutschen Hersteller: Sie profitieren vom Aufschwung des US-Marktes, der nach der tiefen Krise von 2008 und 2009 wieder zu alter Form kommt. Bei BMW und Daimler liegt der Absatz bisher mit rund zehn Prozent im Plus, VW feiert die zweistellige Zuwachsraten bei Audi und Porsche. Einzig die Kernmarke VW liegt in den ersten sieben Monaten leicht im Minus. Auch auf dem weltgrößten Markt China sieht es ähnlich aus.

Erfolg in China ist kein Selbstläufer

Die Niedersachsen verkaufen dort mittlerweile jedes vierte ihrer Autos und gleicht scheinbar spielend die Schwächen in Europa aus. Auch für BMW und mit Abstrichen Daimler gilt das. Doch die Stärke in China ist zugleich ein Risiko. Denn es mehren sich die Zeichen, dass das Wachstum im Reich der Mitte an Tempo einbüßt. Laut der Unternehmensberatung Ernst & Young ging der Umsatz der neun Dax-Konzerne , die Zahlen für China oder die Region Asien-Pazifik ausweisen, von April bis Juni in der Region um zwei Prozent zurück.

“Erfolg auf dem chinesischen Markt ist kein Selbstläufer mehr”, sagt Thomas Harms, Partner bei EY. Die chinesische Wirtschaft stecke im Umbruch. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat kürzlich seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr gesenkt. Das Wachstum in Schwellenländern wie China, Russland, Brasilien oder Indien lasse spürbar nach, so die Begründung der Experten. Für die deutschen Autobauer, die ihre Kapazitäten in China ausbauen, sind das erste Warnzeichen.

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dpa/Guido Kruschke