Leoni-Kabel

Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz von Leoni dank einer hohen Nachfrage der Autoindustrie um 7 Prozent auf 1,33 Milliarden Euro. Bild: Leoni

| von Andreas Karius

Im zweiten Halbjahr soll das operative Ergebnis wegen Anlaufkosten für neue Projekte in der Bordnetzsparte schwächer ausfallen als in den ersten sechs Monaten, wie der MDax-Konzern am Mittwoch (15. August) in Nürnberg mitteilte. Trotz leicht erhöhter Umsatzaussichten wegen des gestiegenen Kupferpreises bleibt das Unternehmen bei seiner Ergebnisprognose für das Gesamtjahr. Leoni gibt den höheren Einkaufspreis für Kupfer zum größten Teil an seine Kunden weiter.

Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz von Leoni vor allem dank einer hohen Nachfrage der Autoindustrie um 7 Prozent auf 1,33 Milliarden Euro. Ohne Wechselkurseffekte, Änderungen beim Kupferpreis sowie Zu- und Verkäufe hätte der Erlös um fast 9 Prozent zugelegt.

"Im ersten Halbjahr haben wir vor allem wegen des höheren Kupferpreises mehr Umsatz erwirtschaftet, als wir zu Jahresbeginn erwartet hatten", sagte Interimschef und Finanzvorstand Karl Gadesmann. Vor allem in der Kabelsparte, die vorwiegend Kupferkabel für die Autobranche und andere Industrien fertigt, spielt der Kupferpreis eine große Rolle.

Nun geht der Konzern von einem Jahreserlös von mindestens 5,1 Milliarden Euro aus, vorher standen mindestens 5 Milliarden im Plan. Analysten hatten bereits mit dem jetzt angepeilten Wert für 2018 gerechnet.

Bei der Ergebnisprognose bleibt Leoni bei der ursprünglichen Bandbreite von 215 bis 235 Millionen Euro. Experten rechnen bisher mit einem Wert am oberen Ende der Spanne. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern ging im zweiten Quartal um über ein Viertel auf 62 Millionen Euro zurück, im Vorjahr waren aber auch 25 Millionen Euro aus einem Spartenverkauf enthalten. Um Sondereffekte bereinigt ergab sich ein Minus von 2 Prozent auf 64 Millionen Euro.

Die Aktie notiert zum Handelsstart mit 1,3 Prozent im Minus. JPMorgan-Experte Jose Asumendi sprach davon, dass die Zahlen etwas unter den Erwartungen von ihm und dem Markt gelegen hätten. Die solide Entwicklung bei Bordnetzen habe Schwächen in der Kabelsparte abgefedert. Allerdings bleibe es schwer, das Jahresziel eines positiven freien Barmittelzuflusses zu erreichen.

Im zweiten Halbjahr dürften unter anderem Anlaufkosten in der Bordnetzsparte das Ergebnis gegenüber dem ersten Halbjahr trüben, hieß es von Leoni. Die traten auch im zweiten Quartal schon auf, weil Leoni in China und Amerika die Produktion von Kabelsätzen und Bordnetzsystemen für das neue Fahrzeugmodell eines US-Kunden hochfuhr. Die um Sondereffekte bereinigte Marge der Sparte ging von 6 Prozent im Vorjahresquartal auf 5,6 Prozent zurück.

In dieser Sparte produziert Leoni komplette Systeme für die Bordnetze von Autos und Nutzfahrzeugen und erzielt höhere Margen als in der Kabeldivision. Im April hatte Leoni in Serbien ein neues Werk eingeweiht, in China nahm das chinesische Gemeinschaftsunternehmen im zweiten Quartal zudem eine zweite Produktionsstätte in Betrieb.

In der Kabelsparte lief es im Bereich mit Spezialleitungen für Autoindustrie und für die Fabrikautomation gut. Das Geschäft mit der Solar- und der Ölindustrie blieb schwächer als gedacht. Das schlug zusammen mit Anlaufkosten in Indien auch auf die bereinigte Marge durch, die um 0,5 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent sank.

Unter dem Strich stand ein Gewinn von 41 Millionen Euro, ein drittel niedriger als im Vorjahresquartal. Neben dem Sonderertrag, der den Gewinn im Vorjahr aufgebläht hatte, fielen auch höhere Kosten für Forschung, Entwicklung und Verwaltung ins Gewicht.