Die Energie-Partnerschaft von Volkswagen mit dem Hamburger Ökostrom-Unternehmen LichtBlick AG

Die Energie-Partnerschaft von Volkswagen mit dem Hamburger Ökostrom-Unternehmen LichtBlick AG mündete in eine Auseinandersetzung, in der Lichtblick schwere Vorwürfe gegen den Autoriesen erhebt. Pikant ist, dass die Partner noch zwei weitere gemeinsame Projekte vorantreiben. Bild: VW

Die Wolfsburger hätten “wesentliche wirtschaftliche Vertragsvereinbarungen” verletzt und am Ende die Zusammenarbeit mit angeblich realitätsferner Preistreiberei vor die Wand gefahren, erklärte Lichtblick in einer Mitteilung. Die 1998 gegründete Firma mit 470 Mitarbeitern bangt nun nach eigenen Angaben um Jobs “im höheren zweistelligen Bereich”. Für das entgangene künftige Geschäft will sie Schadenersatz fordern. “Letztendlich wollte VW uns Bedingungen diktieren, die vollkommen inakzeptabel sind”, sagte Lichtblick-Chef Heiko von Tschischwitz.

Volkswagen sprach von Schwierigkeiten bei Vertragsverhandlungen und bedauerte das Ende der Kooperation für die kleinen Kraftwerke, die dezentral über Gasmotoren Häuser, kleine Firmen, Kitas, Kirchen oder Hotels versorgen. Die Wolfsburger setzten nun auf ihre “bestehenden alternativen Vertriebspartner”. Laut Lichtblick hätte man nur zu gern weitergemacht. Doch alle Rettungsversuche seien gescheitert.

Pikant ist, dass die Partner noch zwei weitere gemeinsame Projekte vorantreiben. Ob auch sie durch den Streit in Gefahr geraten, war zunächst unklar. VW glaube weiter an den Erfolg der laufenden übrigen Projekte mit Lichtblick, sagte ein Sprecher. Und Lichtblick ließ wissen: “Wir würden die Kooperationen gern fortführen.”

Lichtblick und Volkswagen arbeiten auch bei Ökostromtarifen für die Elektroautos der Marken VW-Pkw, Audi und Porsche zusammen. Außerdem testen sie seit kurzem in Berlin mit einem Feldversuch, inwieweit batteriebetriebene Wagen aus E-Fahrzeugflotten während der Standzeit als intelligente Stromspeicher taugen. Der Weg weg von den großen Atom- oder Kohlemeilern und hin zur dezentralen Versorgung über alternative Quellen wie Sonne und Wind gilt als eine der größten Herausforderungen bei der Energiewende.

Zum Start der Kooperation hatte es vor fünf Jahren nicht an großen Zielen gemangelt. Satte 100 000 dezentrale “Zuhause-Kraftwerke”, so der Name für das von Gasautomotoren betriebene BHKW-Produkt, wollte Lichtblick langfristig verkaufen und dabei zu Deutschlands größtem virtuellen Gaskraftwerk vernetzen. Ganze zwei Atomkraftwerke sollten damit überflüssig werden, hieß es Ende 2010 zum Startschuss der ersten Installationen bei Privat- und Gewerbekunden. Nach aktuellem Stand sind bisher aber nur 1500 Mini-Kraftwerke verkauft worden.

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dpa/Marina Reindl