Wer sich einen US-Streifen aus den 50er oder 60er Jahren anschaut, der verliebt sich bisweilen wohl nicht nur die Hauptakteure, sondern verfällt nicht selten auch den Autos, denen viel mehr als eine Nebenrollo zukam. Spektakuläres Design, ein gigantisches Platzangebot und ein Reisekomfort, von dem man bis dahin nur träumen konnte charakterisierten die Limousinen in den USA noch etwas opulenter als in Europa oder Japan. Doch wenn es so weiter geht, könnte es ihnen ebenso ergehen wie den Dinosauriern - sie sterben aus. Denn die Welle der Crossover, Geländewagen oder SUV ist seit Jahren eben keine solche mehr - es ist weit mehr als das. In nahezu jedem Segment haben sie zugeschlagen und dabei nicht selten die Limousinen-Platzhirsche verdrängt. Doch wie hätte es ausgesehen, wären Karl Malden und Michael Douglas als unermüdliche Kämpfer für das Gute in den Straßen von San Francisco nicht aus einem Ford Galaxie 500 gesprungen, um die Schurken zu jagen? Wie hätte es ausgeschaut, wären Horst Tappert und Fritz Wepper in den immergrünen Straßen von Grünwald nicht aus einem 7er BMW gestiegen, um die scheinbar trauernde Witwe ins Kreuzverhör zu nehmen?

Auf den Straßen von Japan, Frankreich, Italien oder selbst dem zur Autonation Nummer eins aufgestiegenen China rollten jahrzehntelang in erster Linie klassische Limousinen. Sie hießen je nach Landessprache auch Sedan oder Berline und standen bei den Menschen hoch im Kurs. Wer es sich leisten konnte, belächelte Klein- oder Kompaktmodell und stieg in eine Limousine der Mittel-, Ober- oder gar Luxusklasse. Eine Limousine charakterisiert sich als Fahrzeug für vier bis sechs Personen in zwei Sitzreihen mit festem Dach. Zumeist verfügt das Modell über vier Türen sowie Motor- und Heckklappe. Allen gemein ist, dass ihnen die Fahrbahn unter den schwarzen Reifen in den vergangenen Jahren immer dünner wird, denn aus der einstigen SUV-Welle ist viel längst mehr als nur ein Fahrzeugtrend geworden. Egal ob Kleinwagen oder Luxusmodell - scheinbar jeder steht mittlerweile auf einen SUV. Das macht nicht nur den klassischen Limousinen das Leben schwer, sondern insbesondere auch den Schrägheck-Limousinen und Coupés, deren Bedeutung in den vergangenen Jahren trotz viertüriger Designeskapaden immer kleiner wurde. Ohnehin nur auf einigen wenigen Märkten gefragt waren und sind Kombis und Caravans. Sie erfreuen sich in Ländern wie England, Deutschland, Schweiz, Österreich und Italien einer nach wie vor nennenswerten Beliebtheit; sind in den USA jedoch längst von den Straßen verschwunden. Ihr Platz wird von multifunktionalen Crossovern eingenommen, die ein nahezu gleiches Platzangebot bieten, gepaart mit einer höheren Sitzposition und bisweilen vorgetäuschten Offroad-Qualitäten.

Wurde das Straßenbild in Europa, Asien und Amerika von den 40ers bis in die frühen 2000er-Jahre von Limousinen bestimmt, so sieht dies mittlerweile anders aus. So überrascht es nicht, dass Hersteller in Japan oder den USA nunmehr weitere Modelle vom Markt genommen haben. Auch in unseren Breiten sucht man einen Ford Granada, einen Fiat 131, den coolen Opel Senator oder einen VW Jetta längst vergeblich. Fahrzeuge mit dem einst so charakterstarken Drei-Box-Design tun sich beim Kunden schwerer denn je und es scheint, als könnte der Trend niemals wieder zurückkommen. Wenn überhaupt lassen sich Limousinen nur noch ertrag- und volumenreich verkaufen, wenn das Markenlogo eines Premiumherstellers auf Motorhaube und Radnaben prangt. Ein Siebener BMW, eine Mercedes E-Klasse oder ein Audi A4 verkaufen sich mit ihrem klassischen Design trotz einer steigenden Zahl von Coupé-Heranziehungen nach wie vor exzellent. Doch selbst einst so erfolgreiche Limousinenmarken wie Fiat, Toyota, Honda, Mazda oder Peugeot haben damit zu kämpfen, Volumenmodelle wie eine Tipo Limousine, einen 508 oder einen Avensis an Mann und Frau zu bringen.

Neues Luxussegment - multifunktional

Viel leichter tun sich die Interessenten damit, sich für einen Crossover zu erwärmen, der geschlechtsneutral längst zu Eier legenden Wollmilchsau auf breiten Rädern und umsäumt von rustikal anmutenden Plastikschürzen geworden ist. Wieso dann nicht gleich auf einem rollenden Hochsitz wie dem Toyota RAV4, einem BMW X3, dem weltweit überaus erfolgreichen Honda CR-V oder einem VW Tiguan unterwegs sein? Wer hat Zweifel daran, dass der VW T-Roc der kommende Golf sein wird, der BMW X3 dem normalen 3er das Wasser abgräbt und ein Mercedes GLA auf lange Sicht mehr Kunden finden wird, als die normale A-Klasse? Selbst Marken wie Porsche, Jaguar, Maserati oder Lamborghini - einst nur Sportwagen, Coupés oder Limousinen verpflichtet - setzen ihre höchsten Verkaufserwartungen an die allgegenwärtigen SUV jeder Preisklasse. Toyota denkt ebenso darüber nach, seinen erfolglosen Avensis einzustellen, wie General Motors darüber grübelt, wie man mit der wegbrechenden Limousinennachfrage umgehen kann. Chevrolet Impala, Ford Fusion / Taurus und wohl auch der Chrysler 300 stehen in den USA längst zur Disposition. In Europa sind die Volumenlimousinen bereits verschwunden oder zunehmend in Gefahr. US-Klassiker wie den Ford 500 oder den Chrysler New Yorker / Intrepid gibt es nicht mehr und auch der Polizei- und Taxi-Dauerläufer Ford Crown Victoria hat als Limousine längst das zeitliche gesegnet. Die Zahlen sind alarmierend: bei den großen US-Limousinen fiel die Zahl von zumindest noch 442.000 Neufahrzeugen im Jahre 2010 auf zuletzt gerade noch 261.924 Einheiten - dies noch gestützt durch gigantische Rabatte.

Dabei wird sich in den kommenden 10 bis 15 Jahren ein weiteres Segment etablieren. Die derzeit noch übermächtigen und imageträchtigen Luxuslimousinen von Mercedes, Cadillac, Lexus, Audi, Jaguar oder BMW werden im Zuge einer immer größer werdenden Automatisierung von Fahrfunktionen von völlig neuen Fahrzeugkonzepten übertrumpft, die mit den klassischen Limousinen ebenso wenig zu tun haben, wie mit Geländewagen oder Crossovern. Wie so etwas aussehen könnte, zeigte Mercedes bereits vor drei Jahren mit der Zukunftsstudie des F 015 oder Audi auf der IAA 2017 mit dem Aicon. Zwei Sitzreihen und vier Türen dürfte es dann nur noch selten geben und selbst das wichtigste im Auto fehlt dann ohnehin: das Steuer.