Mahle-Chef Heinz Junker hat Behr ein Angebot für eine Minderheitsbeteiligung unterbreitet. (Bild:

Mahle-Chef Heinz Junker hat Behr ein Angebot für eine Minderheitsbeteiligung unterbreitet. (Bild: Mahle)

Die Wirtschaftskrise verändert auch die Landschaft bei den Zulieferern. Wie das “Handelsblatt” berichtet, steht der  Autozulieferer Mahle nach Abschluss der Buchprüfung unmittelbar vor dem Einstieg beim benachbarten Kühlerhersteller Behr. „Wir haben ein Angebot für eine Minderheitsbeteiligung an Behr“, sagte Mahle-Chef Heinz Junker bei der Vorstellung der Bilanz. Der Aufsichtsrat von Mahle habe den Schritt bereits genehmigt. „Von uns aus kann es jetzt schnell gehen“, betonte Junker. Ein Abschluss sei noch im Mai möglich.

Der Kolben – und Zylinderspezialist strebt mindestens eine Sperrminorität an. Die Anteile für Mahle sollen aus einer Kapitalerhöhung bei Behr kommen. „Die Übernahme von Anteilen der Altgesellschafter macht keinen Sinn, weil Behr unbedingt eine Stärkung des Eigenkapitals braucht“, sagte Junker. Der auf Klimageräte und Kühler spezialisierte Zulieferer Behr steckt tief in den roten Zahlen, ist mit einer halben Mrd. Euro verschuldet und sucht seit fast einem Jahr neue Mitgesellschafter.

Trotz wochenlanger Verhandlungen fehlt bislang noch die Zustimmung von Behr. Laut Branchenkreisen prüft das Unternehmen angeblich noch andere Angebote. Auch haben die drei Familiengesellschafter, denen 77,4 Prozent der Anteile an Behr gehören, noch nicht zugestimmt. Die restlichen Anteile hält die Beteiligungsgesellschaft BWK. „Mahle wäre als industrieller Investor ein guter Partner“, hieß es gestern lediglich bei Behr. Heute wird Vorstandschef Markus Flik auf der Jahrespressekonferenz von Behr konkreter Stellung nehmen müssen.

Junker sieht in der Verbindung des Kühlerspezialisten mit dem Motorteilespezialisten Mahle „erhebliche Potenziale für Synergien“. Mit Behr könne Mahle sein Angebot als Systemlieferant auf Abgasrückführung und Ladeluftkühlung erweitern. Diese Technologien werden bei der Verbrauchsreduzierung durch turboaufgeladene kleinere Motoren immer wichtiger.

Thermomanagement werde aber nicht nur für den Antriebsstrang immer wichtiger. Selbst bei der Elektrifizierung werde häufig vergessen, wie die Kühlung oder Heizung eines Elektroautos funktionieren soll, wenn die Leistung nicht über den Verbrennungsmotor komme. Junker sieht den Verbrennungsmotor noch für lange Zeit als dominierendes Antriebsaggregat für Autos. Strategisch hat er das Unternehmen auf den Trend zu kleineren Motoren (Downsizing) unter anderem durch ein Gemeinschaftsunternehmen mit Bosch für Turbolader ausgerichtet.

Ergänzend dazu soll jetzt die Verbindung zu Behr ausgebaut werden. Als ersten Schritt hatte Mahle im Februar bereits 60 Prozent des Industriegeschäfts von Behr mit 200 Mio Euro Umsatz für geschätzte 125 Mio. Euro übernommen. Das Kühler- und Filtergeschäft von Mahle soll als eigene neue Sparte rund 500 Mio. Euro Umsatz erzielen.

Trotz der eigenen massiven Probleme sieht sich Mahle mit einer Eigenkapitalquote von 33 Prozent stark genug für den Einstieg bei Behr. Nach dem Umsatzeinbruch um 23 Prozent auf 3,8 Mrd. Euro und Verlust von 379 Mio. Euro sieht sich Junker zu einem massiven Sparkurs gezwungen. 1400 Jobs sollen wegen der anhaltenden Überkapazitäten in Europa gestrichen werden, 800 davon in Deutschland.

2010 soll durch Kostenreduzierungen sowie Kapazitätsanpassungen die Rückkehr in die schwarzen Zahlen erreicht werden. Junker rechnet nach einer Erholung in den ersten Monaten für 2010 mit einem Umsatzanstieg auf 4,5 Mrd. Euro.