Pachta-Reyhofen

Pachta-Reyhofen: Das von VW gemachte Pflichtangebot ist nicht angemessen, das belegen die Gutachten, die Vorstand und Aufsichtsrat unabhängig voneinander in Auftrag gegeben haben. - Bild: MAN

Und Pachta-Reyhofen hat gute Argumente. Der Lastwagenbauer sei mehr wert, als VW dafür biete, sagte der Manager der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. “Das von VW gemachte Pflichtangebot ist nicht angemessen, das belegen die Gutachten, die Vorstand und Aufsichtsrat unabhängig voneinander in Auftrag gegeben haben. Wer an einer weiteren Wertsteigerung von MAN teilhaben will, muss seine Aktien behalten.”

Das sind deutliche Worte in Richtung des VW-Patriarchen Ferdinand Piech. Deutlich wurde vergangene Woche auch Heiner Hasford, der als Mitglied des MAN-Aufsichtsrates aus Protest gegen die Volkswagen-Strategie kurz vor Ablauf seines Mandates zurücktrat.

VW hat 95 Euro je MAN-Aktie geboten, um diesen Wert pendelt die Aktie seither. “Der aktuelle Kurs spiegelt noch nicht die potenziellen Synergien wider, die durch eine engere Kooperation mit Scania und VW entstehen können», betonte Pachta-Reyhofen.

Das Geschäft im laufenden Jahr übertrifft nach Aussage des MAN-Chefs alle Prognosen. “Wir haben die Produktion enorm hochgefahren: 2009 haben wir in Deutschland 36 000 Lastwagen hergestellt, dieses Jahr werden es rund 80 000, dazu kommen noch 70 000 in Brasilien: 150 000 Stück insgesamt. Das ist ein Wort, deutlich über allen Plänen.”

Engere Zusammenarbeit mit Scania vorstellbar

Mitte Dezember 2010 hatte sich Pachta-Reyhofen für eine engere Kooperation mit dem schwedischen Wettbewerber Scania ausgesprochen, die letztlich zur Fusion beider Konzerne führen könnte. “Wer heute die Herausforderungen der Globalisierung stemmen will, ist deutlich stärker, wenn er sowohl bei der Technologie als auch beim Einkauf zusammenarbeitet”, sagte der Manager damals der “Welt am Sonntag. “Wir suchen dafür einen starken Partner; für MAN ist Scania der beste Partner”.

Lösung im Ferrostaal-Streit in Sicht

Im Streit um die ehemalige Tochter Ferrostaal, die MAN an den Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi verkauft hat, zeichnet sich nach dem Worten des Konzernchefs eine Lösung ab. “Wir werden wieder konstruktive Gespräche führen. Mit der Situation kann niemand auf Dauer leben.” Nachdem der Schmiergeldskandal bei Ferrostaal aufgeflogen war, hatte IPIC sich geweigert, Geld an MAN zu überweisen, es folgte eine monatelange Schlammschlacht und Funkstille zwischen den zerstrittenen Parteien.

“Mittlerweile zeigt IPIC wieder Verhandlungsbereitschaft?, ergänzte Pachta-Reyhofen. Nun hofft der MAN-Chef auf eine rasche Einigung: “Je schneller, umso besser”.

Der Rechtsstreit galt lange als große Hürde für den anvisierten Zusammenschluss von MAN und seinem Konkurrenten Scania unter dem Dach des gemeinsamen Großaktionärs VW. Nach der Vorlage des Übernahmeangebots von VW für MAN steht das Thema aber Verhandlungskreisen zufolge nicht mehr ganz oben auf der Agenda.

dpa-AFX/Dow Jones Newswires/kru