Neue Marken wie Tesla, Nio, Byton oder Faraday Future haben es einfach. Sie setzen kurz nach der Geburt bereits einhellig auf das Thema Elektro. Zu groß ist der Rückstand in Sachen Verbrennertechnik und kaum jemand lässt international daran Zweifel, dass die automobile Zukunft langfristig elektrisch sein dürfte. Doch so langsam geht es bei der kommunikativen Positionierung der Marke nicht allein um die vermeintlichen Neulinge; auch bekannte und etablierte Hersteller wollen sich innovativ und zeitgemäß - wenn nicht visionär präsentieren. Zu groß ist der elektrische Sog, den eine Marke wie Tesla ausübt. Zu groß die Versuchung, alte Zöpfe abzuschneiden und die ein oder andere Schwäche unter den Teppich zu kehren und als neue Stärke in Szene zu setzen. Kein Wunder daher, dass BMW einst die Submarke BMW i kreierte und Mercedes mit EQ jetzt einen ähnlichen Weg geht, um sich von den normalen Modellen abzusetzen.

Wenn es um Elektroautos geht, dann eignet sich für den elektrifizierten Antrieb wohl kaum eine Marke derart wie Smart. Die Fahrzeuge werden ganz überwiegend im reinen Citybetrieb bewegt, wo nennenswerte Reichweiten keine Rolle spielen. Der Smart Forfour, der sich mit seinen vier Türen und vier Sitzen für etwas mehr eignen würde, ist für viele kein echter Smart. Nicht nur für eingefleischte Smarties hat ein Smart zwei Türen, zwei Sitzplätze und trägt den Namen Fortwo. So war es keine Überraschung, dass Smart-Chefin Annette Winkler auf der IAA verkündete, dass die Hambacher zukünftig zur reinen Elektromarke werden. Im Gegenteil: man hätte diese Aussage an sich ein bis zwei Jahre früher erwartet; doch hier stand die Positionierung der neuen Elektrogeneration von Fortwo und Forfour im Wege, die erst zu Ende gebracht werden sollte. Mittlerweile werden die drei Smart-Modelle durchaus erfolgreich als ed-Versionen (electric drive) angeboten. Kaum zu glauben, dass Smart vor Jahren ein breites Verbrennerspektrum hatte, zu dem selbst winzige Dieselmodelle gehörten. Bereits Ende Winter dieses Jahres wurde bekannt, dass Smart in den USA und Kanada zur reinen Elektromarke mutieren würde.

Ganz neu war das elektrische Gedankengut in Stuttgart, Böblingen und Hambach nicht. Bei den ersten Ideen war der Smart bzw. das mit ihm verwandte Swatch Auto von Entwickler Nicolas Hayek nicht nur von einem Hybridmotor, sondern ebenfalls einem Elektromotor angetrieben. Längere Strecken sollten auf einem eigens kreierten Transporter der Bahn zurückgelegt werden. Vor Ort ging es dann wieder per eigener Kraft quer durch die City. "Der Smart Fortwo ist ein Auto für die City", sagt Smart-Chefin Winkler, "das trifft mehr denn je auf unseren Smart Fortwo Electric Drive zu." In Nordamerika ist der elektrische Verkaufsanteil an Smart besonders hoch. In den USA waren es zuletzt über 30 Prozent; in Kanada gar mehr als die Hälfte. "Nahezu 100 Prozent unserer Kunden in Nordamerika wohnen in Städten", ergänzt Winkler, "daher haben wir uns entschieden, mit der neuen Modellgeneration von elektrisch betriebenen Smarts in beiden Märkten konsequent auf rein emissionsfreies Fahren zu setzen." Da ist es nur konsequent, dass Smart zum Jahrzehntewechsel weltweit auf Elektromotoren umstellt. Etwas zulegen müssten die elektrischen Smarts allerdings bei der Reichweite. 60 kW / 81 PS Leistung sollten für die meisten ausreichen, aber 160 km werden an kühlen Wintertagen kürzer und kürzer.

Mini an die Steckdose

Doch beim Transfer von der Verbrennermarke hin zum reinen Elektrogefährt dürfte es kaum nur bei Daimler-Ableger Smart bleiben. Die nächste Marke, die lautstark danach ruft, in eine rein elektrische Zukunft transformiert zu werden, ist Mini. Seit Ende der 90er Jahre hängt Mini in der BMW Group wie ein Annex, den eigentlich keiner will. Aus dem Rover-Desaster trennte sich Kernmarke BMW damals Mini heraus. Viele hätten lieber Land Rover / Range Rover für den zu erwartenden Offroad- und Lifestyle-Trend behalten, doch die fanden sich in der Ford-Familie und schließlich unter dem indischen Tata-Dach. Mini hat es in drei Modellgenerationen nie so recht geschafft, in den wohligen BMW-Schlafsack zu schlüpfen. Die Kosten sind zu hoch und die Erträge zu gering - wenn diese überhaupt vorhanden sind. In den vergangenen Jahren hat sich der Markenableger aus Oxford trotz deutlich verbesserter BMW-Technik von der Außenwirkung kaum weiterentwickelt, doch jetzt könnte die elektrische Chance kommen.

Auf der Frankfurter IAA 2017 zeigte Mini die seriennahe Studie eines Elektromodells und auch das Zukunftsfahrzeug, mit dem Mini die Konzernmutter BMW vergangenes Jahr zum 100. Firmenjubiläum beschenkte, lud an der Steckdose nach. Nicht der erste elektrische Versuch, denn bereits 2008 / 2009 brachten die Briten den Mini in einer Kleinserie von 600 Fahrzeugen auf den Markt. Im Kleid eines Mini Cooper S gab es einen 200 PS starken Elektromotor, die über ein mächtiges Batteriepaket gespeist wurden, das sich dort befand, wo sonst die Rücksitze sind. Auch wenn der Mini E einige Schwächen hatte; erstmals seit der Erstinstallation von Mini-Begründer Sir Alec Issigonis in den späten 50er Jahren zeigte sich Mini wieder innovativ. Selbst wenn Minis erwachsener und mittelstreckentauglicher als Smart-Modelle sind, bieten auch sie sich für den Umstieg auf einen reinen Elektroantrieb an. Das wäre nicht nur beim Kernmodell, dem zwei- / viertürigen Mini, sondern auch bei den größeren Brüdern Countryman und Clubman machbar. Aktuell gibt es aufgeladene Benzin- und Dieselmotoren mit drei und vier Zylindern in einem Leistungsspektrum von 75 bis 231 PS. Gerade die Dieselmotoren erscheinen mit 95, 116, 150 und 170 PS angesichts der kleinen Palette überrepräsentiert.

Maserati wird elektrisch - wie andere auch

Ein erster Schritt in eine elektrische Zukunft ist bereits gemacht. Seit kurzem ist der Mini Countryman mit dem Plug-In-Hybridmodul des BMW 220 xe Active Tourer verfügbar. Während ein 1,5 Liter großer Dreizylinderbenziner die Vorderachse antreibt, bekommt die Hinterachse elektrische Energie (65 kW / 88 PS) und somit eine Gesamtleistung von stattlichen 165 kW / 224 PS und ein maximales Drehmoment von 385 Newtonmetern. Der Basispreis liegt mit stattlichen 36.500 Euro auf dem Niveau des 190-PS-Diesels. Durch die 7,6-kWh-Akkus im Unterboden schrumpft das Kofferraumvolumen um rund zehn Prozent auf 405 Liter bis 1.275 Liter (Countryman: 450 Liter bis 1.390 Liter). Die elektrische Reichweite liegt je nach Fahrweise zwischen 25 und 40 km. Im Juli hatte die BMW Group die Erweiterung ihres Angebots an Fahrzeugen mit elektrifiziertem Antrieb zu einer zentralen Säule der aktuellen Unternehmensstrategie erklärt. In diesem Zusammenhang wurde der Produktionsstart für das erste rein elektrisch angetriebene Modell der Marke MINI im Jahr 2019 angekündigt. Das auf der Basis des MINI 3-Türer konzipierte Elektrofahrzeug wird im MINI Werk Oxford vom Band laufen. Sein Antriebsstrang soll an den hauseigenen Elektro-Kompetenzzentren Dingolfing und Landshut entstehen.

Mal abwarten, welcher Konzern eine seiner Marken ebenfalls noch zur Elektromarke umbaut. Der FCA-Konzern will Maserati zu seinem elektrisierten Aushängeschild machen. Die Marke mit dem Dreizack soll ab 2019 / 2020 auf elektrisierte Modelle setzen. Das sieht bei der Premiumkonkurrenz jedoch nicht anders aus. Auch hier sollen bei Herstellern wie Audi, BMW, Mercedes, Volvo, Porsche oder Jaguar Land Rover in den nächsten Jahren alle neuen Modelle elektrifiziert werden. Der Grad der Elektrifizierung ist dabei jedoch höchst unterschiedlich und geht vom einfachen 48-Volt-Bordnetz und Startergeneratoren über Plug-In-Hybriden bis hin zu Elektrofahrzeugen.