August Markl ADAC

Erst Interimspräsident des ADAC, jetzt ganz offiziell: August Markl soll den krisengeschüttelten Autofahrerclub in die Zukunft führen. Bild: ADAC

Markl, der das Amt nach Meyers Abgang im Februar kommissarisch führte, hatte keinen Gegenkandidaten und bekam 180 von 218 abgegebenen Stimmen.

Der frisch gewählte Präsident muss nun dafür sorgen, dass schnellstmöglich ein Reformpaket umgesetzt wird mit dem Ziel, den 19-Millionen-Mitglieder-Club vom Ruch der Cliquenwirtschaft zu befreien. Der Münchner Arzt ist seit mehr als vier Jahrzehnten im ADAC und war zunächst kommissarisch an die Spitze gerückt. Nun verschiebt er seinen Ruhestand und die geplante Kreuzfahrt mit seiner Frau, um dem ADAC zur Genesung zu verhelfen. “Wenn man so lange in einem Verein tätig ist wie ich, ergibt sich daraus eine besondere Verantwortung”, sagte er. Seine Kritiker muss er nun davon überzeugen, dass er trotz seiner tiefen Verwurzelung im ADAC eine Erneuerung zustande bringt.

Trennung zwischen Unternehmen und Verein

Der dickste Brocken der Reform, die er angehen wird, ist eine Trennung der Wirtschaftsaktivitäten des ADAC vom Verein. Diese Geschäfte ? wie Versicherungsangebote oder Reiseführer – sollen künftig in einer eigenen Aktiengesellschaft gebündelt werden, mit einem Vorstand an der Spitze, der sich nichts von der Vereinsspitze sagen lassen muss. Die längst angemahnte Entflechtung ist eine Voraussetzung dafür, dass der Club seinen Status als eingetragener Verein (e.V.) behalten darf.

Der Vereinsstatus spart dem ADAC viele Millionen Euro Steuern im Jahr und ermöglicht ihm, die Pannenhilfe deutlich günstiger anzubieten als Versicherungskonzerne. Mit einem ersten Signal aus dem Münchner Amtsgericht, das den Fall seit Monaten prüft, ist noch vor Weihnachten zu rechnen. Ohne die Zustimmung zu der Reform hätte der ADAC wohl kaum Chancen gehabt, das Gericht zu überzeugen.

Eine außerordentliche Hauptversammlung hatte es beim ADAC seit 1948 nicht mehr gegeben. Aber die Lage war auch noch nie in der Geschichte des Clubs so dramatisch. Der Skandal um Fälschungen beim Preis für das Lieblingsauto der Deutschen, dem “Gelben Engel”, brachte im Januar einen Stein ins Rollen. Danach geriet der ADAC unter Generalverdacht. Fast täglich hagelte es neue Vorwürfe. Warum verkaufte der ADAC eigentlich lange Zeit Kindersitze, die er selbst getestet hatte? Warum bekamen Mitglieder Werbepost der Zeitschrift “Reader’s Digest”? Wohin fließen eigentlich die Mitgliedsbeiträge ganz genau? Warum polterte der ADAC in politischen Debatten jahrelang im Namen seiner Mitglieder einseitige Positionen heraus?

In dem neu aufgestellten ADAC soll es derartige Vermischungen nicht mehr geben. Monatelang hatten Heerscharen von Mitarbeitern an der Reform gearbeitet. In den vergangenen Wochen warben die Verantwortlichen auf allen Ebenen des ADAC und in der Öffentlichkeit um Zustimmung. Die öffentliche Debatte bei der Hauptversammlung in München fiel vielleicht auch deshalb weitgehend friedlich aus. Viele der Vertreter aus den Regionen engagieren sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich für den ADAC und hoffen, dass sie irgendwann wieder stolz sein können auf ihren Verein. Die Grundlage dafür ist nach Ansicht von Ralf Thiesing, der für den Regionalverband Weser-Ems nach München reiste, mit der Zustimmung zu der Reform geschafft. “Wir haben das Fundament gegossen, um darauf ein neues Haus zu bauen.”

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dpa/fv