• Mit angespannten Muskeln im Startblock 1

    Mit angespannten Muskeln im Startblock 1

  • Mit angespannten Muskeln im Startblock 2

    Mit angespannten Muskeln im Startblock 2

  • Mit angespannten Muskeln im Startblock 3

    Mit angespannten Muskeln im Startblock 3

  • Mit angespannten Muskeln im Startblock 4

    Mit angespannten Muskeln im Startblock 4

  • Mit angespannten Muskeln im Startblock 5

    Mit angespannten Muskeln im Startblock 5

  • Mit angespannten Muskeln im Startblock 6

    Mit angespannten Muskeln im Startblock 6

  • Mit angespannten Muskeln im Startblock 7

    Mit angespannten Muskeln im Startblock 7

  • Mit angespannten Muskeln im Startblock 8

    Mit angespannten Muskeln im Startblock 8

  • Mit angespannten Muskeln im Startblock 9

    Mit angespannten Muskeln im Startblock 9

  • Mit angespannten Muskeln im Startblock 10

    Mit angespannten Muskeln im Startblock 10

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Sielaff, in welcher Farbe schaut der A6 am besten aus?
Ich präferiere Silber. Weil unsere Designmodelle generell silber sind. Silber ist natürlich auch die Farbe, die Audi in der Assoziation mit Aluminium ganz stark verbindet. Beim neuen A6 ist das Silber authentisch, weil die Hang-on-Karosserieteile alle aus Aluminium sind. Außerdem wirkt das Fahrzeug in Silber sportlich und leicht. Leichtigkeit und Effizienz sind ein wichtiges Leitmotiv des neuen A6.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie würden Sie das Design des neuen A6 charakterisieren?
Beim Exterieur-Design haben wir die Themen Leichtigkeit und Effizienz mit einem sehnig muskulösen Athleten versinnbildlicht. Dazu gehören aber auch starke konkave Flächen. Diese Flächen haben wir in die Front, in die Seite und in das Heck des Fahrzeuges eingearbeitet. Schauen Sie sich einmal die sehr präzise Tornadolinie an. Das alles transportiert im Formenrepertoire der Karosserie sehr gut die Leichtigkeit, die sportliche Progressivität, die Hochwertigkeit ? also die Leitmotive der Marke Audi.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ein Audi definiert sich doch sehr stark durch die Front…
Deswegen haben wir den Singleframe-Kühlergrill horizontaler ausgeführt. Sehr prägnante Körperlinien laufen in der Motorhaube zu den Scheinwerfern hin. Das insgesamt generiert einen sehr energischen, dynamischen Blick wie bei einem 100-Meter-Läufer, der mit angespannten Muskeln im Startblock sitzt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Gibt es noch andere visuelle Merkmale, die den neuen A6 ausmachen?
Ja, der sehr flüssige Schwung der D-Säule, die fast schon coupéhaft verläuft. Das war auch schon ein Erkennungsmerkmal der Vorgänger des A6. Wenn Sie einen A4 daneben stellen, sehen Sie den Unterschied sofort: Wie lang die Kabine sich über die D-Säule nach hinten zieht und wie dynamisch die Seitenscheiben dadurch werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Lassen Sie uns jetzt über den Innenraum sprechen…
Im Innenraum haben wir ebenfalls die Themen Leichtigkeit und Effizienz erlebbar gemacht. Ein gutes Beispiel dafür ist die sehr schlanke Schalttafel. Diese Philosophie haben wir beim A8 und A7 begonnen und setzen sie jetzt beim A6 mit dem Wrap-Around-Konzept weiter konsequent fort. Uns war wichtig, dass die Schalttafel wie beim Vorgänger zum Fahrer hin orientiert ist. Wenn man im Fahrzeug sitzt, spürt man sofort, wie das Cockpit eine umfassende Geste zum Fahrer macht.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das Cockpit des A6 ähnelt dem des A7 wie ein Ei dem anderen…
Sie haben Recht, die Luftdüsen, der ausfahrbare Bildschirm und die Mittelkonsole sind identisch. Die Mittelkonsole muss ja immer auch für einen Rechtslenker konstruiert werden. Das ist eine ziemlich aufwendige Sache. Die Ersparnisse, die wir durch Synergien zwischen verschiedenen Modellen erzielen, können wir in die Wertigkeit des Innenraums investieren. Wichtig ist, dass die Mittelkonsole ergonomisch ist und zugleich gut aussieht.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und was sind die Unterschiede?
Der Unterschied zwischen dem Audi A6 und dem A7 ist größer als Sie denken. Die Schalttafeln sind zwei völlig unterschiedliche Werkzeuge. Die Applikationsleiste läuft beim A7 sehr großflächig über die gesamte Schalttafel. Beim A6 ist sie kürzer und lässt so einen kleinen Zwischenraum bis zur Luftdüse des Beifahrers.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Gibt es dafür einen Grund?
Es ist einfach so, dass Holz- und Aluminiumleisten nach Quadratmillimetern berechnet werden. Je mehr Fläche Sie haben, desto höher ist der Preis. Gemäß der Hierarchie in unserer Produktpalette hat der A7 eine größere Leiste als der A6. Der Scheibengrundzug und die unterschiedlichen Angliederungen der A-Säule zu den Türen verlangen ohnehin unterschiedliche Schalttafeln bei A6 und A7.

Audi A 6

Beim Exterieur sind die Proportionen sehr wichtig. - Bild: Audi

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die Türen sind ja auch unterschiedlich. Der A6 hat Rahmentüren, der A7 rahmenlose Türen…
Also haben Sie komplett unterschiedliche Konstruktionen. Das schlägt sich auch in unterschiedlich langen Türverkleidungen und den Übergängen zu den Schalttafeln nieder. Außerdem ist der Body, also die Außenbleche, des A6 schmaler als im A7.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sehr schränkt Sie der modulare Längsbaukasten bei Ihrer Arbeit ein?
Beim Exterieur sind natürlich die Proportionen sehr wichtig. Hier haben wir vom modularen Längsbaukasten stark profitiert. Durch die Verlagerung des Motors und der Lenkung nach vorne und des Abgangs zum Getriebe nach hinten, haben wir es geschafft, den vorderen Überhang zu reduzieren. Das tut der Gesamtproportion des Fahrzeugs gut: Wir konnten das so genannte Prestigemaß vom Radlauf bis zur vorderen Fuge der vorderen Tür verlängern.

Ansicht des Audi A6

Herausforderung für Designer. - Zeichnung: Audi

AUTOMOBIL PRODUKTION: Will ein Designer nicht möglichst frei und unbeschränkt mit den Proportionen spielen?
Ich genieße den modularen Baukasten. Ich sehe darin einen Vorteil für uns Designer. Das ist wie beim Kochen. Sie können auch nicht jedes Mal im Mörser alle Gewürze neu herrichten. Durch den Frontantrieb haben wir einen relativ dominanten Vorderwagen. In den letzten Jahren ist außerdem das Thema Fußgängerschutz hinzugekommen. Wenn wir das alles im Vorderwagen untergebracht hätten, wären wohl keine so schönen Autos entstanden. Durch den modularen Längsbaukasten konnten wir eine bessere Balance herstellen. Er ist die Grundmasse, um ein tolles Gericht zu kochen.

Innenraum Audi A6

Innenraum Audi A6. - Bild: Audi

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie sagten einmal, dass für einen Designer ein weißes Blatt Papier die beste Voraussetzung sei, ein Auto zu entwickeln. Das ist beim A6 nicht der Fall. Wie geht man als Designer an so eine erfolgreiche Limousine ran?
Man muss den Vorgänger würdigen. Was sind die Stärken, was ist der genetische Code, den man nicht verlassen sollte? Auf diese Elemente bauen wir natürlich auf. Ganz wichtig sind die Grundproportionen ? wie lang ist das Fahrzeug, wie lang sind die Überhänge und der Radstand? Hinzu kommen neue Gesetze und Vorgaben, wie der Fußgängerschutz. Wir haben fünf Jahre am A6 gearbeitet. Da darf man den roten Faden nicht verlieren. Wir geben natürlich nicht nur einen Schuss ab, sondern haben mindestens fünf Designrichtungen ausgearbeitet. Zum Schluss hat sich ein Entwurf herauskristallisiert, der umgesetzt wurde.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was gab den Ausschlag für diesen Entwurf?
Die guten Proportionen, die wir zusammen mit den Ingenieuren erarbeitet hatten, waren ausschlaggebend. Außerdem hat er besser als die anderen vier Entwürfe die Genetik des A6 getroffen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie fügt sich der A6 in die Audi-Formensprache ein?
Jeder neue Audi geht wieder einen Schritt weiter, ohne einen harten Bruch in unserer Design-Entwicklung zu verursachen. Der bisherige A6 war als Business-Limousine sehr beliebt, weil er ein moderates, aber sehr klares Statement abgibt. Mit dem neuen A6 wollten wir keinen überladenen Papagei abliefern, sondern ein sehr klares, aufgeräumtes Design, das Leichtigkeit und Effizienz widerspiegelt und ein zeitloses Statement ist.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was sind für Sie die Highlights am Design des neuen A6?
Die Proportionen sind sehr wichtig: Der A6 hat eine schlankere Kabine und eine breite Schulter. Der Body steht gut auf den Rädern. Es ist unser Ziel, dass der Kunde unbewusst merkt, ob das Design stimmig ist. Wie beim goldenen Schnitt in der Malerei merkt der Betrachter sofort, ob eine Komposition stimmig ist oder nicht. Ein weiteres Highlight ist das Lichtdesign mit der LED-Technologie. Dank unseres markanten Lichtdesigns erkennen Sie einen Audi bei Tag und bei Nacht.

LED am Audi A6

Die LED-Technologie schafft größere Spielräume als die bisherigen Leuchtmittel. - Bild: Audi

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie differenziert Audi sich beim Licht-Design?
Die LED-Technologie schafft größere Spielräume als die bisherigen Leuchtmittel. Mehr Elemente können anders arrangiert werden. Das hat positive Auswirkungen auf die Kontur der Scheinwerfer. Generell arbeiten wir an schlankeren Scheinwerfern. Wir verbinden die physikalische Funktion der Lichtbrechung mit der Ästhetik: Weg von einzelnen, pünktchenartig erscheinenden LED-Dioden hin zu homogeneren Leuchtbändern. Bei der Voll-LED-Ausstattung besteht das Abblendlicht mittlerweile aus relativ großen LED-Bausteinen. Beim A6 haben wir es geschafft, die Voll-LED-Technologie stärker zu komprimieren. Das Ergebnis: Der Scheinwerfer ist elegant und schlank.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie geht es weiter?
Die nächste Technologiestufe der LED-Scheinwerfer-Entwicklung ist der Matrix-Beam. Daran arbeiten wir massiv. Die Scheinwerfer und die Heckleuchten werden von Sensoren gesteuert. Sie sorgen dafür, dass immer das richtige Licht eingeschaltet ist. Mit dieser Technologie ergeben sich interessante neue Möglichkeiten in der Optik und der Ästhetik. Wir arbeiten zum Beispiel an wischenden Blinkern, die eine Wischbewegung von außen nach innen machen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Kritiker bemängeln, dass sich das Audi-Design nicht wirklich weiterentwickelt…
Ich stimme der Denkphilosophie von Dr. Martin Winterkorn, Rupert Stadler, Michael Dick und Walter de Silva zu: Der Betrachter muss auf den ersten Blick erkennen, dass es ein Audi ist und erst auf den zweiten Blick, um welches Modell es sich handelt. Eine andere Möglichkeit ist, das Auto als markante Einzelpersönlichkeit zu inszenieren. Es kommt vor, dass Sie denken: interessantes Auto, aber welche Marke ist das eigentlich? Unser Credo ist: Erst die Marke und dann die Einzelpersönlichkeit.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo geht beim Design die Reise hin? Wird es noch jünger?
Wir setzen Verjüngung in unserem Design sehr bewusst ein. Dies muss allerdings zum jeweiligen Produkt und vor allem zum Kunden passen. Wir arbeiten gerade am Nachfolger des TT und des R8. Bei den beiden Modellen betonen wir die Produktpersönlichkeit stärker und setzen auf jüngeres Design.

Das Interview führte Wolfgang Gomoll

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