Luca di Montezemolo

Luca di Montezemolo: nimmt seinen Hut. – Bild: Dgtmedia/Simone

Montezemolos Zeit als Ferrari-Chairman endet am 13. Oktober und damit am selben Tag, an dem die Aktie von Fiat Chrysler Automobiles an der New York Stock Exchange debütieren wird. Fiat Chrysler Automobiles – eine Gesellschaft nach niederländischem Recht mit steuerlichem Sitz in Großbritannien – ist das Ergebnis der Übernahme des US-Autoherstellers Chrysler durch Fiat.
Fiat hält rund 90 Prozent an Ferrari. Die Sportwagen-Schmiede ist ein Kronjuwel im Portfolio der Italiener. Entsprechend hatte Marchionne Mühe, sich gegen die immer lauter werdende Forderung, einen Teil der Ferrari-Beteiligung zu Geld zu machen, zu Wehr zu setzen. Fiat verfolgt den ambitionierten Plan, in den kommenden fünf Jahren 48 Milliarden Euro zu investieren, und braucht entsprechend Geld. Einen Börsengang von Ferrari schloss Marchionne am Mittwoch für die nahe Zukunft aus. Die endgültige Entscheidung darüber habe aber der Fiat-Board zu treffen.

Welche Pläne Marchionne für Ferrari hegt, ist noch nicht bekannt. Einen strategischen Umschwung halten Beobachter jedoch für äußerst unwahrscheinlich. Insbesondere die Entscheidung des Unternehmens, zur Wahrung der Exklusivität die jährliche Produktion auf rund 7.000 Fahrzeuge zu begrenzen, dürfte Bestand haben. Marchionne, der im Mai gesagt hatte, Ferrari könnte seine Produktion auf 10.000 Fahrzeuge erhöhen, ohne der Marke zu schaden, ließ am Mittwoch auf einer Pressekonferenz am Ferrari-Stammsitz im italienischen Maranello Fragen zur Produktionsmenge offen.

“Eine Ära des Unternehmens ist zu Ende und eine andere startet, die – wie ich hoffe- noch wichtiger für das Unternehmen sein wird”, sagte Montezemolo auf der Pressekonferenz, wo er teils zu Scherzen aufgelegt war, teils Tränen in den Augen hatte und vielen Leuten dankte, auch dem ehemaligen Ferrari-Fahrer Michael Schumacher, der nach mehr als acht Monaten im Krankenhaus gestern nach Hause zurückgekehrt war.

Zwischen den langjährigen Weggefährten Montezemolo und Marchionne kriselte es schon seit Längerem. Am Wochenende eskalierte die Situation jedoch, als Marchionne wenige Stunden vor dem Heim-Grand-Prix in Monza öffentlich erklärte, es sei inakzeptabel, dass Ferrari seit sechs Jahren keinen Titel mehr gewonnen habe. Zudem sei niemand in der Unternehmensspitze unersetzlich, fügte Marchionne hinzu.

“Die sportlichen Erfolge sind fundamental wichtig für Ferrari, das weiß Luca so gut wie ich”, sagte Marchionne am Mittwoch. “Gewinnen ist Teil der DNA des Unternehmens und das muss so bleiben.”

Montezemolo sagte, das schwache Abschneiden auf der Rennstrecke habe die Finanzergebnisse von Ferrari nicht beeinträchtigt. “Sie hängen nicht zusammen”, sagte der Manager auf den Hinweis, dass Ferraris größter Absatzmarkt die USA sind, wo die Formel 1 nur ein Nischendasein fristet.

“Und sie hängen doch zusammen”, widersprach Marchionne, der Montezemolo auf der Pressekonferenz mehrmals korrigierte. “Wenn ich mich mit Händlern in den USA unterhalte, wissen sie immer genau Bescheid, was Ferrari in der Formel 1 macht.” Er sagte noch, dass er den Chairman-Posten nicht nur temporär übernehme. Er habe aber nicht die Absicht, Ferraris CEO Amedo Felisa abzulösen. Ferrari werde auch weiterhin unabhängig vom Rest des Fiat-Konzerns agieren.

Die Gerüchte über einen Abgang Montezemolos hatte Ferraris Heimrennen am Wochenende in Monza überschattet. Der Manager wurde von zahlreichen Pressevertretern auf Schritt und Tritt verfolgt, als er seine Fahrer umarmte und eine improvisierte Pressekonferenz auf den Stufen des Ferrari-Motorhomes abhielt.

Auf Italienisch und Englisch bekannte er seine Liebe zu Ferrari, teilte seine liebsten Monza-Erinnerungen und wich Fragen über seinen Ausstieg aus. Er sagte jedoch, er sei bereit für weitere drei Jahre auf seinem Posten, was darauf hindeutet, dass er wohl noch Hoffnung hatte, weitermachen zu können. “Wir stehen vor dem wirtschaftlich und finanziell besten Jahr in der Geschichte von Ferrari”, sagte er bereits vor dem Qualifying am Samstag.

Ferrari hatte noch vor einigen Jahren die Formel 1 dominiert, in den letzten Saisons aber schwere Zeiten durchgemacht. Obwohl Michael Schumacher Ferrari von 2000 bis 2004 fünf Mal in Folge die Weltmeisterschaft sicherte, brachte der Rennstall seit 2007, als Kimi Räikkönen den Titel holte, keinen Weltmeister mehr hervor. Seitdem hat Ferrari viel Geld ausgegeben, um sich Talente wie Fernando Alonso zu sichern, hat aber nicht an alte Erfolge anknüpfen können.

Ferrari hat in dieser Saison von 13 Rennen noch keines gewonnen und ist nur zwei Mal auf dem Podium gelandet. Letztes Jahr hat Ferrari nur zwei Siege mit einem so schwachen Auto eingefahren, dass Alonso seinem Ärger öffentlich Luft machte, um dann von Montezemolo zurechtgewiesen zu werden. Im April wurde der seit 2007 amtierende Teamchef Stefano Domenicali abgelöst, was auch nicht viel half. An dem Rennwochenende in Monza – bei dem Alonso nicht im Ziel ankam und Räikkönen neunter wurde – fiel Ferrari in der Konstrukteurswertung auf Rang vier von elf Teams zurück, hinter Red Bull, Mercedes und Williams.

“Es wird auch weiterhin ein schwieriges Jahr für Ferrari bleiben, lasst uns das akzeptieren”, sagte Marchionne und machte damit alle Hoffnungen der Fans auf eine wundersame Kehrtwende zunichte. Montezemolo führt Ferrari als Chairman schon seit 1991. Er fing dort in den Siebzigerjahren an, wo er mit Unternehmensgründer Enzo Ferrari zusammenarbeitete. Montezemolo hatte lange einen guten Draht zur Agnelli-Familie, die Fiat vor 115 Jahren gründete und immer noch einen großen Anteil an dem Konzern besitzt. Montezemolo zog 2003 in den Fiat-Board ein, am selben Tag wie Marchionne, und wurde ein Jahr später Chairman.

Montezemolo war außerdem Vorsitzender der italienischen Industrielobbygruppe Confindustria und ist Mitgründer von Nuovo Trasporto Viaggiator, einem privaten Unternehmen für Hochgeschwindigkeitszüge, das mit der nationalen Bahn Italiens konkurriert. Er war auch als Chairman für Alitalia im Gespräch.

gp / Quelle: Dow Jones Newswires