Automobilbranche

Das Geschäft brummt: Die Ratingagentur Moody's sieht die Automobilbranche im Aufwind. (Bild: VW)

Moody’s erwartet, dass sich der Aufwärtstrend bei den Automobilherstellern weiter fortsetzt. Allerdings träufelt die Ratingagentur auch etwas Wasser in den Euphorie-Wein.

Die Ratingagentur Moody’s erwartet für dieses und nächstes Jahr eine Fortsetzung des positiven Trends in der Automobilindustrie, rechnet auf globaler Ebene aber mit deutlich niedrigeren Absatzzuwächsen als noch 2010. Die Nachfrage in den USA, China und anderen Schwellenländern werde auch 2011 und 2012 zu Wachstum führen, sagte Falk Frey, Autoanalyst und Senior Vice President bei Moody’s, am Donnerstag in Frankfurt. Die deutschen Hersteller sieht er gut positioniert.

Für dieses Jahr rechnet Moody’s Investors Service mit einem weltweiten Absatzzuwachs von gut fünf Prozent auf mehr als 76 Mio Autos. 2012 sollte es ein Plus von knapp 7,5 Prozent auf dann gut 81,5 Millionen Einheiten geben. Die Aussichten für die Branche in den nächsten zwölf bis 18 Monaten beurteilt die Ratingagentur daher weiter positiv.

Getragen werden dürfte die positive Entwicklung erneut von den Märkten in China und den USA. Für 2011 erwartet Frey im Reich der Mitte ein Absatzplus von neun Prozent auf rund 18,8 Millionen Fahrzeuge, für 2012 in gleicher Höhe auf dann 20,4 Mio Einheiten. In den USA dürften die Neuzulassungen nach Einschätzung des Autoanalysten in den genannten beiden Jahren um zwölf Prozent und 15 Prozent auf 13 Millionen bzw. 15 Millionen Autos zulegen.

Der Boom in China wird sich nach Einschätzung der Ratingagentur damit in diesem Jahr – auch und vor allem wegen politischer Interventionen aus Peking – deutlich abschwächen. “Wir sind hier etwas vorsichtig, weil die vergangenen Jahre so gut gelaufen sind. So langsam könnte der Markt das Hoch erreicht haben und auch mal kippen”, sagte Frey.

Angesichts des drohenden Verkehrsinfarkts hatte die Stadtverwaltung der chinesischen Hauptstadt Ende Dezember angekündigt, in diesem Jahr nur noch 240.000 Autokennzeichen ausgeben zu wollen – rund zwei Drittel weniger als 2010. Dem Beispiel Pekings könnten noch andere Millionen-Metropolen folgen. Zudem laufen Subventionsprogramme aus, die zuletzt Millionen Autokäufer in die Verkaufshäuser gelockt hatten.

Im Jahr 2010 hatte die Volksrepublik der globalen Autoindustrie mit einem Absatzwachstum um ein Drittel auf gut 17 Millionen Autos ein starkes Comeback nach der schweren Krise beschert. China ist vor den USA damit zum zweiten Mal in Folge der weltgrößte Automobilmarkt gewesen.

Auch der amerikanische Markt erholte sich allerdings 2010 deutlich vom herben Einbruch der Jahre 2008 und 2009. Die Neuzulassungen stiegen um gut ein Zehntel auf etwas mehr als 11,5 Mio Fahrzeuge. Damit ist der US-Markt aber noch weit von den Vorkrisenniveaus entfernt: Vor vier bis fünf Jahren lagen die Zulassungen noch bei über 17 Millionen Wagen pro Jahr. Ob diese Höchststände jemals wieder erreicht werden, ist ungewiss. Weltweit stieg der Absatz 2010 um mehr als 13 Prozent auf fast 72,4 Millionen Autos.Sorgenkind war Europa – und wird es nach Einschätzung von Frey auch in diesem Jahr bleiben. 2011 wird der als weitgehend gesättigt geltende Markt in Westeuropa nach Einschätzung von Moody’s erneut um ein Prozent auf 14,2 Millionen Autos schrumpfen. 2010 hatte der Rückgang bei vier Prozent gelegen, nachdem in einigen Ländern – darunter Deutschland – die Abwrackprämien ausgelaufen waren. 2012, so schätzt der Autoanalyst, wird es in Westeuropa dann ein Zulassungsplus von vier Prozent auf knapp 14,8 Millionen Einheiten geben. Auch hier ist und bleibt die Industrie also weit von alten Rekorden entfernt.

Ein besonderes Problem in Europa sind die Überkapazitäten in der Autoindustrie, die Branchenexperten auf etwa 30 Prozent schätzen. Die zum Erreichen der Gewinnschwelle notwendige Auslastung werde in den europäischen Werken der Automobilhersteller mittelfristig nicht erreicht, sagte Frey.

In der Krise hätten es die Hersteller – unter anderem auch aufgrund politischen Drucks – versäumt, Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen. In den USA waren die dortigen Hersteller deutlich rigider vorgegangen, wobei GM und Chrysler sich dabei auch das flexible US-Insolvenzrecht (Chapter 11) zu nutze machen konnten.

Von dem erwarteten Marktzuwachs dürften laut Frey auch die Finanzkennzahlen der Hersteller profitieren. Es könne alles in allem mit einem weiteren positiven Ergebnistrend gerechnet werden, auch wenn sich das Tempo im Vergleich zum Jahr 2010 deutlich verlangsamen werde.

Für die deutschen Konzerne, BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen erwartet Frey steigende Gewinne. “Die Margen könnten allerdings ein bißchen zurückkommen”. Im Jahresverlauf hatten die Premiumhersteller zeitweise zweistellige Renditen erwirtschaftet. Auch die ungewöhnlich hohe Profitabilität haben die Konzerne vor allem den Chinesen zu verdanken, die vorrangig voll ausgestattete und damit teure Oberklassemodelle kaufen.

Schwieriger schätzt Frey die Lage der französischen Hersteller ein: “Ich bin mir nicht sicher, ob sie 2011 das Ergebnisniveau von 2010 erreichen können”. Als Gründe führte er den starken Fokus von Peugeot-Citroen und Renault auf den europäischen Markt sowie hohe Ausgaben für die Entwicklung von alternativen Antriebstechnologien an.

Als generelles Risiko für die Autoindustrie sieht der Autoanalyst die steigenden Rohstoffkosten, die auf der Profitabilität lasten dürften. Allzu große Negativwirkungen von Wechselkurseffekten für die Industrie erwartet Frey nicht. Die Hersteller haben nach seiner Einschätzung die Dollarschwäche genutzt, um sich ausreichend abzusichern und außerdem den Anteil der lokalen Wertschöpfung erhöht.

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