| von Stefan Grundhoff

An sich ist der Konzern mit den Marken Renault, Nissan und Mitsubishi gut aufgestellt. Doch in Asien tun sich die beiden dortigen Marken Nissan und Mitsubishi schwerer als gewünscht und für Renault sieht es mit dem Fokus auf Europa, Afrika und Südamerika ebenfalls nicht gut aus. Zudem bleibt problematisch, dass sich der ganz überwiegende Teil der Fahrzeuge in unteren Segmenten ohne hohe Deckungsbeiträge verkauft. Im Premiumsegment gibt es von Nissan und dem Edelableger Infiniti, der sich 2019 aus Europa zurückzog, zu wenig, um die Konkurrenz ernsthaft zu gefährden. Dacia ist seit mehr als 15 Jahren zwar eine Erfolgsgeschichte, doch auch hier sind die zu erwirtschaftenden Gelder pro Fahrzeug vergleichsweise gering. Dazu kommt, dass das Invest in automatisiertes Fahren oder Elektroantriebe den japanisch-französischen Milliarden Euro kostet. Die Fehler der vergangenen Jahre sollen nun ausgemerzt werden. Hier hatten sich Daimler und Renault insbesondere bei Smart und Renault Twingo sowie Citan und Kangoo kräftig in den Arm genommen. Der Erfolg war ebenso überschaubar wie die Übernahme von Mitsubishi oder die fehlende Orientierung bei der Premiummarke Infiniti.

Mit einer strategischen Neuausrichtung will die Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi gegen Großkonzerne wie Volkswagen, FCA oder PSA bestehen und sich gerade in Asien und den USA mehr in Szene setzen. "Die Allianz ist eine einzigartige strategische und operative Partnerschaft in der Automobilwelt und verschafft uns einen starken Vorteil in der sich ständig verändernden globalen Automobillandschaft", sagt Jean-Dominique Senard, Vorsitzender des Alliance Operating Board und Renault Präsident, "das neue Geschäftsmodell wird es der Allianz ermöglichen, die Stärken und die Leistungsfähigkeit der einzelnen Unternehmen optimal zu nutzen und gleichzeitig auf ihren jeweiligen Kulturen und Traditionen aufzubauen. Die drei Unternehmen werden alle Fahrzeugsegmente und Technologien in allen Regionen ab-decken und ihre jeweilige Wettbewerbsfähigkeit, nachhaltige Rentabilität und soziale und ökologische Verantwortung ausbauen."

Deutlich mehr bisher sollen die Marken zusammenarbeiten, Plattformen und Module nutzen sowie Antriebe und Karosserieteile standardisieren. Dafür soll es pro Segment ein Mutterfahrzeug geben, von dem die anderen Modelle kostengünstiger als bisher abgeleitet werden. Dabei ist ebenfalls geplant, die Schwestermodelle gegebenenfalls auf einer gemeinsamen Linie oder zumindest in einem gemeinsamen Werk zu fertigen. Besser als bei den Pkw klappt dies nicht nur bei Renault-Nissan-Mitsubishi bereits bei den ertragreichen Nutzfahrzeugen. Das alles soll dazu führen, dass sich die Modellinvestitionen um bis zu 40 Prozent für neue Modelle reduzieren. Darüber hinaus sollen zukünftig verschiedene Regionen der Welt als sogenannte Referenzregionen für die einzelnen Partner definiert werden. In diesem Zusammenhang kümmert sich Renault zukünftig um Europa, Russland, Südamerika und Nordafrika, während Nissan in China, Nordamerika und Japan die Verantwortung trägt und Mitsubishi für den verbleibenden Teil der ASEAN-Staaten und Ozeanien die Geschicke leitet. Innerhalb der nächsten vier Jahre soll die Hälfte der Fahrzeuge nach der neuen Strategie entstehen.

Renault bringt kleine Elektroautos

Bezogen auf die einzelnen Modellfamilien soll Nissan ab 2025 die Erneuerung des C-SUV-Segments verantworten, während sich Renault in Europa um die kommende Generation der B-SUVs kümmert. In Lateinamerika werden die B-Segment-Plattformen von vier auf eine standardisiert, die Renault und Nissan lokal dann gleichermaßen verwenden. In Südostasien und Japan sollen gerade Nissan und Mitsubishi deutlich enger zusammenarbeiten, als sie es bisher getan haben. So soll auch eine gemeinsame Kleinwagenarchitektur der in Japan so beliebten Kei-Cars entstehen.

Zudem gibt es abseits der neuen Modelle geänderte Verantwortungen für die übergeordneten Bereiche. So wird Nissan den Bereich autonomes Fahren verantworten und gemeinsam mit Renault die Fahrzeug-Vernetzung vorantreiben. Renault konzentriert sich auf die Elektronik-Architektur der einzelnen Fahrzeuge und entwickelt die kleineren Elektroautos. Nissan steuert die größere Elektroplattform, während Mitsubishi die Plug-in-Hybriden im C- und D-Segment nach vorne bringen soll.

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