Karl-Thomas Neumann breit

Karl-Thomas Neumann: "Ich bin optimistisch, dass wir jetzt die Talsohle in Europa durchschritten haben. Jetzt können wir uns ganz auf den alten Kontinent konzentrieren." - Bild: GM

Die konzernweiten Verkäufe auf dem Riesenmarkt Russland werden ab 2014 von Rüsselsheim statt aus Schanghai gesteuert. Zudem soll der sportliche Geländewagen Mokka künftig in Spanien statt in Korea vom Band laufen. Das verringert die Überkapazitäten der Opel-Werke.

Chevrolet räumt das Feld in Europa

Keine Frage: Das Verhältnis zur US-Mutter General Motors ist so gut wie nie. Das sehen auch Betriebsräte und Gewerkschafter so. Nun kann Neumann nach Treueschwüren und Investitionsversprechen aus Detroit einen weiteren Erfolg verbuchen: Die Schwestermarke Chevrolet zieht sich Ende 2015 aus Europa zurück und überlässt der deutschen Traditionsmarke Opel das Feld. Damit wird der konzerninterne Markenkannibalismus beendet. “Wir haben immer mehr Vertrauen in Opel in Europa und konzentrieren unsere Ressourcen in diese Marke”, betont GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky. Die Amerikaner vollenden damit eine harte Wende.

Vertrauensbeweis für die Marke mit dem Blitz und ihrem Chef

“Das ist ein Vertrauensbeweis für Opel und Neumann, dass Detroit den internen Wettbewerber nicht mehr braucht”, sagt Experte Stefan Bratzel. GM habe sich ohnehin schwer damit getan, die Marken Opel und Chevrolet scharf getrennt voneinander zu positionieren. “Die Idee war, Chevrolet als Billigmarke auftreten zu lassen. Aber in den Augen der Leute ist Opel auch keine Premiummarke.” Bratzel ist überzeugt: Der Rückzug von Chevy wird das Leben von Opel erleichtern, auch wenn nicht jeder Chevy-Kunden sich künftig einen Opel kaufen werde.

Stefan Bratzel

Stefan Bratzel: "Das ist ein Vertrauensbeweis für Opel und Neumann, daß Detroit den internen Wettbewerber nicht mehr braucht." - Bild: Center of Automotive

Chevrolet konnte in Europa nie begeistern

Chevrolet in Europa war nie eine Erfolgsgeschichte. Die meist in Korea gebauten Kleinwagen kamen Mitte der 1990er Jahre zunächst unter dem Namen Daewoo nach Europa – die GM-Tochter versuchte ihr Glück mit Kopien alter Opel-Modelle wie dem Kadett, der Dawoo Nexia hieß und in Südkorea vom Band lief. 2005 bekam die Marke das Emblem der ur-amerikanischen Marke Chevrolet verpasst. Analyst Frank Schwope von der NordLB hält dies für einen Riesenfehler: “Europäer denken bei dem Namen Chevrolet an Dickschiffe.”

Die Massen begeistern konnte Chevy auf dem alten Kontinent jedenfalls nie. Der Marktanteil stieg kaum über ein Prozent. In den ersten zehn Monaten 2013 verkaufte Chevrolet in Europa (EU und Efta) knapp 26.000 Fahrzeuge – gut 17 Prozent weniger als im Vorjahr. Opel setzte immerhin 697.000 Autos ab. Mit dem Minus von drei Prozent konnte die Marke ihren Marktanteil von 6,7 Prozent halten.

Auch wirtschaftlich scheint die Lage der viertgrößten Automarke der Welt verheerend. “Die Finanzergebnisse sind inakzeptabel”, sagt Girsky und fügt hinzu: “Der Ausblick ist nicht hinnehmbar.” Deshalb zieht GM die Reißleine. Nach Überzeugung von Experte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler eine gute Entscheidung: “Man öffnet den Weg für Opel und zieht zurück, was ohnehin erfolglos ist.”

Chevrolet-Händler sind stocksauer auf den Mutterkonzern

Leidtragende sind die Chevrolet-Händler, die schockiert auf die Nachricht reagieren. “Die Auswirkungen auf den Verkauf von Chevrolet-Modellen sind verheerend”, sagt Thomas Bieling, Sprecher des Verbandes Deutscher Opel- und Chevrolet-Händler in Deutschland. “Das hat eine Sofort-Wirkung auf die Kunden. Sobald diese Meldung draußen ist, kauft ja kein Mensch mehr einen Chevy – oder nur noch mit sehr hohen Rabatten.”

Befreiungsschlag für Neumann

GM hat die einschneidende Entscheidung erst in der Nacht zum Donnerstag getroffen. Neumann war nach Detroit gereist, wie zu hören war. Zwar kann nur spekuliert werden, inwieweit er die strategische Entscheidung beeinflusst hat. Aber intern gilt der frühere VW-Manager als kompetenter Experte und zielstrebiger Verhandler.

Nach außen gibt sich Neumann konsequent als PR-Mann. “Wir werden unserer Marke wieder den Glanz verleihen, den sie verdient”, verspricht er: “Wir müssen nur den Staub vom Opel-Blitz fegen und die Marke jünger, moderner und damit noch attraktiver machen. Der Blitz muss wieder glänzen.” Diese Rhetorik hat einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund: Neumann hat das schlechte Image als ein Haupthindernis für den Erfolg der Marke ausgemacht. Gute Nachrichten kommen da gelegen.

Chevrolets Rückzug dürfte die beste Nachricht für Karl-Thomas Neumann seit seinem Amtsantritt im März dieses Jahres sein. Der Manager hat damit aus der Detroiter Zentrale ein klares Bekenntnis zur traditionsreichen deutschen Automarke erhalten ? und genau das richtige Signal in einer Phase des Markenumbaus bei Opel.

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dpa/Guido Kruschke