Karl-Thomas Neumann Opel

Volkswagens Ex-China-Chef Neumann übernimmt zum 1. März den Vorstandsvorsitz bei Opel - vor ihm werden harte Wochen und Monate liegen, den Turnaround zu stemmen. - Bild: GM

Der Weg ist lang, und er dürfte steinig werden. Denn Opel steckt seit Jahren tief in der Krise. Der Markt ist schwach, der Absatz bröckelt. Die Werke sind nur zur Hälfte ausgelastet, berichtet die IG Metall und malt ein tristes Bild: “Die wirtschaftliche Situation des Unternehmens ist so schlecht wie noch nie und hat existenzbedrohende Ausmaße angenommen.”

Tatsächlich sind die jüngsten Zahlen ernüchternd: 2012 schrieb GM in Europa einen operativen Verlust von 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Millarden Euro). Allein im Schlussquartal wurden auf dem schwierigen europäischen Markt rund 700 Millionen Dollar in den Sand gesetzt – so viel wie im gesamten Jahr 2011. GM produzierte in Europa 927.000 Fahrzeuge – nach 1,1 Millionen im Vorjahr. Der Absatz sank von 1,22 Millionen auf 1,05 Millionen, der Marktanteil von 8,7 auf 8,5 Prozent.

Neumann muss die Arbeitnehmervertreter ins Boot holen

Es ist offensichtlich: Als Vorstandschef der Adam Opel AG muss der frühere VW-Manager Neumann schnell Ergebnisse liefern. Doch das Wendemanöver wird ohne Einigung mit den Arbeitnehmervertretern auf einen neuen Sparkurs kaum gelingen. Und die verlangen langfristige Garantien.

“Eine Lösung kann es nur mit schriftlich zugesicherten Standort- und Beschäftigungsgarantien geben”, sagte der Erste Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, Ende Januar. Die Tarifkommission der IG Metall bei Opel fordert, dass alle Standorte und eine möglichst große Zahl von Arbeitsplätzen über 2016 hinaus gesichert werden.

Seither laufen die Gespräche weiter, bisher ohne Ergebnis. Stattdessen wird der Ton rauer, vor allem Bochums Betriebsratschef Rainer Einenkel schießt scharfe Wortsalven in alle Richtungen. Er kämpft mit aller Macht um den Standort. Dabei ist das Aus der Autofertigung im Ruhrgebiet längst beschlossen. Es geht nur noch um die Frage, ob sie Ende 2014 ausläuft oder erst zwei Jahre später.

Bittere Einschnitte scheinen notwendig

GM will die seit Monaten stockenden Verhandlungen noch im Februar abschließen, also vor Neumanns Start. Dem Vernehmen nach will das Management unbedingt vermeiden, dass der neue Steuermann gleich zum Amtsantritt bittere Einschnitte verkünden muss. Der frühere Conti-Chef soll die ersten Schlagzeilen in neuer Funktion auf angenehmerem Terrain bekommen: bei der Präsentation des Cabriolets Cascada auf der Automesse in Genf.

Denn Thomas Sedran, der in März wieder ins zweite Glied rückt und Strategievorstand bleibt, hat in seinen Monaten als Interims-Chef den Boden bestellt. Er hat den Wachstums- und Sparplan “Drive Opel 2022″ präsentiert, unter seiner Führung kamen neue Wagen auf den Markt, mit denen Opel in zuvor vernachlässigte Wachstums-Segmente vorstößt: Der City-Flitzer Adam und der kleine Sportgeländewagen (SUV) Mokka. Das Cascada-Cabrio soll im Frühjahr folgen.

Branchenexperten setzen auf den Ex-China Mann

Auf dieser Basis müsse der 51 Jahre alte Neumann nun die Weichen für morgen stellen, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer: “Damit Opel die Kunden mit guten Produkten überzeugen kann, wenn der Markt wieder besser ist.” Der Experte traut Neumann das durchaus zu: “Denn alles, was er bisher gemacht hat, war sehr erfolgreich. Er hat oft Dinge gedreht, die kaum möglich erschienen.”

Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler setzt ebenfalls große Stücke auf den Ex-VW-China-Chef: “Das ist ein absolut guter Mann mit einer starken Vision, wohin sich das Autogeschäft entwickeln wird.” Selbst die Arbeitnehmervertreter freuen sich: Endlich wieder ein Top-Manager mit Benzin im Blut, heißt es – und ein gutes Gesicht für die zuletzt ramponierte Marke.

Zumindest nach außen ist die Zuversicht bei Opel und GM groß, den Heilsbringer gefunden zu haben. “Neumann hat intensive Kenntnisse der Automobilindustrie. Er hat bewiesen, dass er profitables Wachstum und Turnarounds umsetzen kann”, sagt Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky, der für Neumann den Posten als GM-Europachef räumt: “Neumann … wird das Unternehmen zu einem der erfolgreichsten Turnarounds in der europäischen Automobilgeschichte führen.”

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dpa/Guido Kruschke