zipse steinmeier vorstand bmw

Der 55-jährige Ingenieur Zipse (hier im Gespräch zwischen Bundespräsident Steinmeier und Sachsens Ministerpräsident Kretschmer im BMW-Werk Leipzig) war bisher als Produktionschef für die weltweit 31 BMW-Werke verantwortlich. Wer nach Zipse das Produktionsressort im Führungsgremium übernehmen wird, ist offen. Bild: BMW

Der neue BMW-Chef Oliver Zipse tritt an diesem Freitag (16. August 2019) sein Amt im Münchner Vierzylinder-Hochhaus an. Der 55-jährige Ingenieur war bisher als Produktionschef für die weltweit 31 BMW-Werke verantwortlich. Der Aufsichtsrat des Autobauers hatte Zipse im Juli zum Nachfolger von Harald Krüger berufen, der nach vier Jahren an der Spitze seinen Vertrag nicht mehr verlängern wollte. „Mit Oliver Zipse übernimmt ein führungsstarker Stratege und Analytiker den Vorstandsvorsitz“, hatte Aufsichtsratschef Norbert Reithofer erklärt. Er werde für „zusätzliche Impulse bei der Gestaltung der Mobilität der Zukunft“ sorgen.

Zipse werde nicht von heute auf morgen alles über den Haufen werfen, hieß es aus dem Unternehmen. Aber er dürfte nach innen und außen deutlicher machen, dass BMW mit rund 130.000 Mitarbeitern die richtige Strategie habe. Der Konzern setzt stark auf Kooperationen und auf einen Mix von Verbrenner-, Hybrid- und Elektroautos.

Unter Krüger bewahrte BMW eine saubere Weste im Dieselskandal und schloss wichtige Partnerschaften bei Mobilitätsdiensten und beim autonomen Fahren. Doch Kritiker warfen ihm vor, dass Mercedes BMW bei den Verkaufszahlen überholt und BMW seine Führungsrolle bei der Elektromobilität eingebüßt habe - eine große Aufgabe für Zipse. Der 55-jährige Manager gilt als uneitel, ruhig, sachlich, aber auch als durchsetzungsstark. Die Internationale Automobilausstellung (IAA) Anfang September wird sein erster großer Auftritt als Chef werden.

Zipse wurde 1964 in Heidelberg geboren, hat in den USA Informatik und Mathematik sowie in Darmstadt Maschinenbau studiert und 1991 als Ingenieur bei BMW angefangen. Nach Stationen in München und Südafrika leitete er bis 2008 das Mini-Werk Oxford, er war Chef der Technischen Planung, der Konzernplanung und der Produktstrategie und rückte im Mai 2015 in den Vorstand auf.

Brexit stellt besonders BMW vor Probleme

Auf den neuen Konzernchef warten nun etliche Baustellen. Wie andere Autobauer kämpft auch BMW mit der weltweit schwächeren Nachfrage und neuen Zollhürden. Der im Oktober anstehende Brexit stellt besonders BMW vor Probleme. Großbritannien ist für BMW der viertgrößte Markt, zudem baut der Konzern dort den Mini und den Rolls-Royce. Weil BMW Milliarden in E-Mobilität, Mobilitätsdienste und selbstfahrende Autos investiert, rechnet das Unternehmen mit einem Gewinneinbruch.

Alle Hersteller müssen viel Geld in E-Autos und die Umrüstung von Fabriken investieren, um die Vorgaben in China und der EU einzuhalten und Strafen zu vermeiden. Dazu kommen Investitionen in selbstfahrende Autos und Mobilitätsdienste, um nicht in naher Zukunft als bloßer Zulieferer der finanzstarken IT-Konzerne dazustehen.

Anders als der VW-Konzern setzt BMW nicht voll auf das Batterieauto, sondern auch auf Benzin-, Diesel- und Hybridautos. Diese Flexibilität erfordert zwar zusätzliche Milliarden an Investitionen, aber BMW kann damit besser auf die Entwicklung der Nachfrage in allen Regionen reagieren. Gegenwärtig plant BMW, bis 2023 mindestens 13 vollelektrische Modelle und ein Dutzend Hybride anzubieten.

Die Berufung von Zipse an die Spitze hat eine Lücke im Vorstand gerissen. Wer nach Zipse das Produktionsressort im Führungsgremium übernehmen wird, ist offen. Darüber dürfte der Aufsichtsrat voraussichtlich im Herbst entscheiden.