Viktor Orbán (rechts), Premierminister von Ungarn und Opel-Geschäftsführer Fertigung Reinald

Viktor Orbán (rechts), Premierminister von Ungarn und Opel-Geschäftsführer Fertigung Reinald Hoben geben während einer gemeinsamen Pressekonferenz in Budapest die Erweiterung der Motorenproduktion im südungarischen Werk Szentgotthárd bekannt. - Bild: Opel

Der Autohersteller Opel investiert massiv in den Ausbau seines ungarischen Komponentenwerkes. In dem Werk nahe der österreischischen Grenze werden Motoren und Getriebe hergestellt. Um drei neue Motorenfamilien in Szentgotthárd herstellen zu können, wollen die Rüsselheimer eine halbe Milliarde Euro ausgeben, wie die Adam Opel GmbH mitteilte.Aktuell sind rund 600 Menschen in dem 1990 gegründeten Motoren- und Getriebewerk beschäftigt. Durch die Erweiterung soll die jährliche Kapazität bis 2014 auf rund 750.000 Motoren von aktuell rund 250.000 steigen. Die Produktion der neuen Motoren soll Ende 2012 starten.

Bei den Motoren handele es sich um verbrauchsarme Benzin- und Dieselmotoren, die trotz kleiner Hubräume hohe Leistungen erbringen sollen, erläuterte ein Unternehmenssprecher. Die Aggregate sollen in die Opel-Modelle vom Kleinwagen Corsa bis zur Mittelklasselimousine Insignia einfließen. Gegenwärtig sei es nicht geplant, Motoren aus der Produktion in Szentgotthárd für andere General-Motors-Marken zu verwenden, sagte der Sprecher.

Die Fertigung werde in einem Maß flexibilisiert, wie es bislang im Motorenbau noch nicht verwirklicht werden konnte, erklärte Opel-Produktionschef Reinald Hoben auf einer Pressekonferenz in Budapest. Das ermögliche es Opel, ohne Verzögerung auf Nachfrageschwankungen reagieren zu können. “Seine moderne Technologie und seine hohe Flexibilität machen Szentgotthárd künftig zu einem der modernsten Motorenwerke weltweit”, so Hoben. Seine Investitionsentscheidung gab Opel bei einer Pressekonferenz mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán im Parlament in Budapest bekannt.

Nach Angaben des ungarischen Wirtschaftsministeriums will Opel Szentgotthard zum Zentrum der europäischen Motorenproduktion ausbauen. 2012 soll die neue Fertigungslinie für die neuen Motoren in Betrieb gehen. Die fertigen Motoren werden von Szentgotthárd aus per Bahn zu den Automobilwerken von Opel/Vauxhall in Deutschland, Großbritannien, Polen und Spanien transportiert. Die ungarische Regierung entscheidet noch über Subventionen in Höhe von 30 Millionen Euro.

Opel stärkte zuvor auch Kaiserslautern

Erst in der vergangenen Woche hatte der Rüsselsheimer Traditionskonzern angekündigt, die Motorenproduktion in Kaiserslautern zu erweitern. Ab 2014 sollen in dem rheinland-pfälzischen Werk jährlich 230.000 statt bisher 150.000 Dieselmotoren für die Modelle Insignia und Zafira produziert werden, die der EU-Umweltnorm 6 entsprechen. Zusätzlich sollen neue Pressenstraßen angeschafft werden, in denen Karosserieteile gefertigt werden. Laut Betriebsratsangaben liegen die Investitionen in den Standort in der Westpfalz bis 2014 bei insgesamt mindestens 100 Millionen Euro.

Mit den Investitionen erfüllt die Adam Opel GmbH Teile ihres im Februar vorgelegten Zukunftsplans. In den nächsten fünf Jahren wollen die Rüsselsheimer 11 Milliarden Euro investieren, um die Modellpalette zu erneuern und sich für das schwierige Marktumfeld in Westeuropa zu wappnen.

Opel-Absatz weiter rückläufig

Im bisherigen Jahresverlauf verkaufte Opel europaweit nur noch 660.517 (Vorjahr 718.079) Autos, der Marktanteil schmolz auf nur noch gut sieben Prozent. Besonders schwer litt das Traditionsunternehmen auf dem deutschen Heimatmarkt unter dem Wegfall der Abwrackprämie. Hierzulande brachen die Opel-Neuzulassungen zwischen Januar und August um fast 40 Prozent auf 147.024 Autos ein.

Ungarn boomt

Im Sommer hatte bereits die VW-Tochter Audi ihr Werksgelände im westungarischen Györ verdoppelt. Audi wird das Montage- und Motorenwerk voraussichtlich zu einer kompletten Fabrik für die Fahrzeugproduktion ausbauen.

Bosch Ungarn hat angekündigt, dass in diesem Jahr 1.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Daimler arbeitet an der Fertigstellung seiner neuen Fabrik südlich von Budapest, wo 2.500 Mitarbeiter beschäftigt werden.