Opel Financial Services

Mehr als die Hälfte aller in Europa verkauften Wagen werde über Finanzierungen an den Kunden gebracht. Bei Opel liegt der Anteil mangels eigener Bank bisher bei nur rund 40 Prozent. - Bild: Opel

Das sagte Finanzvorstand Michael Lohscheller. Die Finanzierungssparte sei ein wichtiges Element bei der geplanten Steigerung des Marktanteils und der Rückkehr in die Gewinnzone.

Nachdem die Rüsselsheimer in den vergangenen Jahren Kredite für den Autokauf und Leasing-Verträge nicht mehr im eigenen Haus vergeben konnten, spendierte die US-Mutter General Motors Opel Ende vergangenen Jahres wieder eine Finanzierungssparte. Im November übernahmen die Amerikaner das internationale Auto-Finanzierungsgeschäft von Ally Financial in Lateinamerika, Europa und China. Das gesamte Transaktionsvolumen lag seinerzeit bei 4,2 Milliarden US-Dollar, wovon 1,7 Milliarden Dollar auf den europäischen Teil entfielen, wie Lohscheller in Rüsselsheim erklärte. Am 1. April wurde die Transaktion weitgehend geschlossen.

Mehr als die Hälfe der Verkäufe laufen über Finanzierung

Ally Financial gehörte einst zum GM-Konzern – seinerzeit noch unter dem Namen GMAC – wurde aber 2006 mehrheitlich an den Finanzinvestoren Cerberus verkauft. Von der Immobilien- und Finanzkrise schwer gebeutelt, musste Ally in den USA mit mehreren Milliarden Staatshilfe vor der Pleite gerettet werden, wodurch die Regierung die Mehrheit übernahm und immer noch hält. Teile des Unternehmens, wie eben das internationale Auto-Finanzierungsgeschäft wurden verkauft, die Hypotheken-Tochter Residential Capital sogar unter Insolvenz anmelden.

In Europa – dem wichtigsten Markt von Opel – spielt die Finanzierung von Autos eine große Rolle. “Dass jemand zum Händler geht und sein Auto bar bezahlt, passiert immer seltener”, sagte Lohscheller, der seit September die Finanzen der Marke mit dem Blitz verantwortet. Mehr als die Hälfte aller in Europa verkauften Wagen werde über Finanzierungen an den Kunden gebracht. Bei Opel liegt der Anteil mangels eigener Bank bisher bei nur rund 40 Prozent.

Entsprechend viel Luft sieht Lohscheller nach oben: “Opel war in diesem Punkt, das müssen wir ehrlich zugeben, in den vergangenen Jahren nicht in der Lage, das beste Angebot zu machen.” Das werde sich nun allerdings ändern. “Bessere Finanzierungsmöglichkeiten – das ist mehr als nur ein Nebenaspekt im Automobilgeschäft”, sagte der Manager, der zuvor Finanzchef des US-Geschäfts des Rivalen Volkswagen war. Gerade in einem umkämpften Markt wie dem europäischen zählten nicht nur gute Autos, es gehe auch darum, Kunden ein gutes Angebot machen zu können. Neben beispielsweise Null-Prozent-Finanzierungen kann Opel nun auch günstige Versicherungstarife offerieren.

Opel-Händler sehen “Pluspunkt in Sachen Wettbewerbsfähigkeit”

Die Opel-Händler freuen sich über den wiedererlangten Spielraum: “Für uns ist das ein ganz entscheidender Pluspunkt in Sachen Wettbewerbsfähigkeit. Wir können nun maßgeschneiderte Finanzierungskonditionen bieten und während der gesamten Haltedauer des Fahrzeugs engeren Kontakt zu unseren Kunden halten”, sagte Jaap Timmer, Vorsitzender des europäischen Händlerverbandes Euroda. Momentan sind die Angebote von Opel Financial Services in acht europäischen Ländern, darunter Deutschland, Großbritannien, Italien und Belgien, verfügbar. Es sollen jedoch noch mehr werden, wie Lohscheller erklärte.

Finanzchef Lohscheller erkennt “Anzeichen für einen Aufwärtstrend”

Mit Blick auf die vergangene Woche vorgelegten Erstquartalszahlen zeigte sich der Finanzchef zufrieden: “Der Start ins Jahr 2013 ist uns gelungen”, sagte Lohscheller. “Es gibt Anzeichen für einen Aufwärtstrend”. Die seit Jahren defizitären Rüsselsheimer hatten den Verlust um rund 40 Prozent verringert und den Marktanteil in einem schrumpfenden europäischen Markt zumindest leicht gesteigert. Alles in allem trug Opel damit ein gutes Stück dazu bei, dass die US-Mutter GM besser abschnitt als erwartet.

Opel schreibt wegen des kriselnden europäischen Marktes seit etlichen Jahren rote Zahlen, die sich mittlerweile auf einen zweistelligen Milliardenbetrag aufgetürmt haben. Der Automobilmarkt im Kern des alten Kontinents ist mittlerweile im sechsten Jahr hintereinander auf Talfahrt und wird 2013 wohl auf das niedrigste Niveau seit Anfang der 1990er Jahre zurückfallen.

Bis zur Mitte des Jahrzehnts will der Mutterkonzern General Motors die Probleme allerdings in den Griff bekommen und wieder schwarze Zahlen in Europa schreiben. Allein die Fixkosten sollen mit umfangreichen Sparmaßnahmen um 500 Millionen Dollar sinken. Das Werk in Bochum soll 2015 geschlossen werden, um der Überkapazitäten Herr zu werden.

Eine groß angelegte Allianz mit dem französischen Wettbewerber PSA Peugeot Citroen soll außerdem mittelfristig mindestens zwei Milliarden Dollar jährliche Einsparungen bringen. Mit gleichzeitigen Milliardeninvestitionen in die Produktpalette will Opel wieder auf die Erfolgsspur zurückkehren. Alleine bis 2016 wollen die Rüsselsheimer 23 neue Modelle auf den Markt bringen.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke