Ferdinand Piech

VW-Patriarch Ferdinand Piech rechnet damit, daß sich der Streit um den Beherrschungsvertrag ein juristisches Nachspiel haben wird. - Bild: dpa

“Wir werden uns noch länger vor Gericht sehen”, sagte der 76 Jahre alte Automanager in Richtung einiger Aktionärsvertreter, die auf der Hauptversammlung am Donnerstag dutzende Fragen zu den Umständen des Vertragsschlusses gestellt hatten. Später kritisierten sie, die Fragen seien falsch oder unvollständig beantwortet. Das könnte nun eine Grundlage sein, um möglicherweise mit Anfechtungsklagen die Eintragung des Vertrags ins Handelsregister verhindern oder zumindest verzögern zu können.

Die Abstimmung selbst ist wegen der VW-Mehrheit von mehr als 75 Prozent eine Formsache. Die Wolfsburger hatten 2011 die Mehrheit an MAN übernommen.

MAN verliert seine Eigenständigkeit

Mit der Bestätigung des mit VW geschlossenen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrags verliert MAN seine Eigenständigkeit und unterstellt sich Volkswagen komplett. “Alles andere tritt davor in den Hintergrund”, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Sie kritisierte vor allem die aus ihrer Sicht zu niedrige Abfindung, die VW im Gegenzug für den Beherrschungsvertrag den übrigen Aktionäre für ihre Aktien bieten muss. Mit gut 80 Euro liegt der gebotene Preis unterhalb des aktuellen Aktienkurses von rund 84 Euro. “MAN kann viel, aber anscheinend nicht, die Aktionäre anständig zu behandeln”, sagte Bergdolt in Anlehnung an den Werbeslogan des Lkw-Herstellers. Kleinaktionäre traten aber kaum ans Rednerpult.

Volkswagen will die beiden Nutzfahrzeughersteller künftig weiter verzahnen

MAN muss künftig Weisungen aus Wolfsburg erfüllen. Pachta-Reyhofen verteidigte das Vorgehen des Mutterkonzerns. Ohne diesen Schritt sei es kaum möglich, die Vorteile der engen Verflechtung mit Volkswagen zu nutzen. “Ein Beherrschungsvertrag schafft hingegen die rechtliche Basis für eine deutlich unbürokratischere und effektivere Zusammenarbeit.” VW will MAN und die zweite Lkw-Tochter Scania enger zusammenführen und damit unter anderem Kosten senken.

Die Eigenständigkeit der Marke MAN solle dabei auf jeden Fall erhalten bleiben. “MAN wird auch weiterhin für das operative Geschäft verantwortlich zeichnen”, sagte der Manager. Für MAN habe die Zusammenarbeit vor allem Vorteile. Vorteile, die der Konzern angesichts der schwachen Märkte aus Sicht von Pachta-Reyhofen gut gebrauchen kann. Erst am Dienstag hatte MAN die Prognose für 2013 nach unten geschraubt.

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dpa/Guido Kruschke