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Ungewohnte Entwicklung beim Sportwagenhersteller: Porsche-Chef Oliver Blume schließt selbst einen Rückgang des Gewinns nicht aus. Bild: Porsche

Blume erwarte angesichts hoher Investitionen in den nächsten Jahren lediglich Überschüsse auf dem Niveau der Vorjahre, sagte der Porsche-Chef bei der Automesse in Detroit. Selbst einen Gewinnrückgang schloss er nicht aus. Blume ist seit Anfang Oktober Nachfolger des an die Spitze der Konzernmutter Volkswagen gewechselten früheren Porsche-Chefs Matthias Müller. Wie Müller muss sich Blume derzeit um die Aufarbeitung des Abgasskandals bemühen: Nach Ansicht von US-Behörden hat auch Porsche mehrere Tausend Dieselfahrzeuge mit einer illegalen Software ausgeliefert. Blume sagte, er rechne noch für den Januar mit einer Entscheidung der zuständigen US-Behörden über den Vorschlag für einen Umbau der betroffenen Autos.

Die eigene Marke sieht der Porsche-Chef durch den Skandal nicht in Mitleidenschaft gezogen. Der Sportwagenhersteller habe bislang keinen Imageschaden erlitten, sagte er. “Wir gehen auch für die Zukunft davon aus, dass da nichts hängenbleiben wird”, fügte er hinzu. Die betroffenen Drei-Liter-Dieselmotoren stammten schließlich von Audi, nicht von Porsche. Der Sportwagenhersteller stehe in der Angelegenheit gleichwohl gegenüber Behörden und den Kunden in der Verantwortung und kümmere sich um die Aufarbeitung, sagte Blume.

Auf Porsches Gewinn haben vor allem die Ausgaben für neue Technologien großen Einfluss. Unter anderem die Investitionen in elektrisch angetriebene Sportwagen werden sich nach Darstellung des Porsche-Chefs in der Gewinnentwicklung niederschlagen. Erst im Dezember hatte der Porsche-Aufsichtsrat Investitionen von rund 1 Milliarde Euro in die Produktion des Elektroautos “Mission E” genehmigt. Im Sommer war zudem ein Paket zur Standortsicherung über gut 1 Milliarde Euro abgeschlossen worden.

Die Investitionen seien nötig, um das Unternehmen auf die Zukunft vorzubereiten, sagte Blume. Für den Porsche-Chef steht vor dem Hintergrund aber fest: Bei der Ergebnisentwicklung werde es bei Porsche in den nächsten Jahren eine “Konsolidierung” geben. Gefragt nach konkreten Gewinnerwartungen für die nächsten Jahre sagte Blume: “Gehen Sie mal von dem Niveau aus, das wir in den letzten zwei Jahren erzielt haben.” Die Erwartung könne Porsche abhängig von der Markt- und Währungsentwicklung auch “über- oder untertreffen”.

Selbst einen Rückgang des Gewinns schloss Blume also nicht aus – und bereitete damit auf eine ungewohnte Entwicklung bei Porsche vor: Der Sportwagenhersteller hatte seinen operativen Gewinn noch im Jahr 2014 um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert. In den ersten neun Monaten des Jahres 2015 steigerte Porsche den Gewinn sogar um fast ein Drittel auf 2,55 Milliarden Euro.

Das Jahr 2015 habe Porsche “sehr positiv” abgeschlossen, sagte Blume denn auch im Interview bei der Detroiter Automesse. Porsche hatte für das Gesamtjahr im Herbst prognostiziert, die Vorjahreswerte beim Umsatz und dem operativen Ergebnis “deutlich” übertreffen zu wollen. Angesichts der schon gemeldeten Verkaufszahlen dürfte das gelungen sein: Der Absatz ist im Jahr 2015 um rund 19 Prozent auf etwa 225.000 Autos gestiegen. Für das angefangene Jahr geht Blume nach eigenen Worten von einem moderaten Absatzwachstum im mindestens einstelligen Prozentbereich aus.

Am Dieselantrieb will Blume derweil trotz der Kritik an dem Schadstoffausstoß der Selbstzünder-Motoren festhalten. “Ich halte Diesel für eine absolut wichtige Technologie, gerade für die nächsten Jahre”, sagte der Porsche-Chef. Dieselmotoren seien entscheidend, um die EU-Vorgaben zur CO2-Reduzierung zu erfüllen.

Dow Jones Newswires / ks