Drei Porsche Taycans in bunten Farben stehen hintereinander.

Mit rund 272.000 ausgelieferten Fahrzeugen liegt Porsche lediglich drei Prozent hinter seinem bislang stärksten Jahr 2019. Bild: Porsche

| von Fabian Pertschy

Während die übrigen Marken des Volkswagen-Konzerns für das Jahr 2020 erhebliche Einbußen oder gar operative Ergebnisse im Minusbereich verbuchen, erzielt Porsche einen Umsatzrekord. Mit 28,7 Milliarden Euro übertrafen die Zuffenhausener den Vorjahreswert um mehr als 100 Millionen Euro und stemmen durch ihr operatives Ergebnis von 4,2 Milliarden Euro rund 40 Prozent des gesamten Konzerns. „Porsche ist der Ertragskönig im Volkswagen-Konzern“, resümiert Lutz Meschke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender sowie Vorstand Finanzen und IT bei Porsche, hinsichtlich der operativen Umsatzrendite von knapp 15 Prozent.

Auch bei den Auslieferungszahlen musste der Premiumhersteller trotz sechswöchiger Produktionspause im Frühjahr 2020 kaum Verluste hinnehmen: Mit rund 272.000 Fahrzeugen liegt er lediglich drei Prozent hinter dem bislang stärksten Jahr 2019. Obwohl der Anlauf sowie diverse Marktpremieren des vollelektrischen Taycan in die Zeit des ersten Lockdowns fielen, konnte der OEM rund 20.000 Einheiten an seine Kunden ausliefern. Am stärksten nachgefragt war jedoch der Cayenne mit gut 92.800 Einheiten. China bleibt dabei insgesamt der größte Einzelmarkt. Etwa ein Drittel seiner Autos verkaufte Porsche im Reich der Mitte. Während dort sowie in den Regionen Asien-Pazifik, Nahost und Afrika leichte Zugewinne erzielt wurden, nahmen die Auslieferungen in Deutschland um 17 Prozent ab.

Porsche legt sich ein Sparprogramm auf

Dass trotz der Corona-Pandemie derartige Werte erreicht wurden, sei laut Meschke auf ein schnell aufgesetztes Kosten- und Liquiditäts-Management zurückzuführen. „In der Krise war unsere oberste Priorität: Liquidität. Es galt, alle nicht dringend erforderlichen Kosten herunterzufahren.“ Die langfristige strategische Ausrichtung habe das Unternehmen jedoch nicht aus den Augen verloren. „Bei den Zukunftsthemen haben wir keinen einzigen Cent gekürzt. Wir geben weiterhin Vollgas bei der Transformation, Digitalisierung und Elektrifizierung. Denn wer bei diesen Themen spart, wird bald nicht mehr wettbewerbsfähig sein“, so Meschke.

Demnach würden auch die verschärften Maßnahmen des „Ergebnisprogramms 2025“ nicht auf eine reine Kostenreduktion abzielen. „Es ist kein reines Sparprogramm, sondern auch ein Innovationsprogramm.“ Kein Angestellter müsse sich laut dem Finanzvorstand Meschke Sorgen machen. „Wir bauen keine Jobs ab und trennen uns von keiner Tochtergesellschaft“, betonte er. Auf diese Weise will der OEM auch 2021 wieder eine Umsatzrendite von 15 Prozent erreichen. Bis 2025 solle das Ergebnis kumulativ um zehn Milliarden Euro, danach um drei Milliarden Euro pro Jahr unterstützt werden. Eine Entscheidung zum Börsengang wurde jedoch noch nicht gefällt. Diese obliege dem Volkswagen-Vorstand und -Aufsichtsrat, erklärt Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG.

Bei Elektromobilität mangelt es an Konsequenz

Die Eckpfeiler der Unternehmensstrategie markieren dabei Elektromobilität, Nachhaltigkeit, Digitalisierung sowie zusätzliche Innovationen durch Startup-Beteiligungen. Bis 2025 sollen 15 Milliarden Euro in Zukunftstechnologien investiert werden. Porsche setzt zwar weiterhin auf den Antriebsdreiklang aus Verbrennern, Hybriden und Elektromodellen, mit der bevorstehenden Produktion des elektrischen Macan sollen die aktuellen Erfolge jedoch nahtlos weitergeführt werden. Denn im vergangenen Jahr waren bereits ein Drittel aller in Europa ausgelieferten Fahrzeuge voll- oder teilelektrisch angetrieben, weltweit waren es 17 Prozent. 2025 sollen die Hälfte, im Jahr 2030 schließlich mehr als 80 Prozent der Neufahrzeuge elektrifiziert unterwegs sein.

Der OEM strebt im Zuge dessen nach weiterentwickelten Batterien mit hoher Energie- und Leistungsdichte, baut parallel zu den 330 Ionity-Ladestationen seine eigene Schnelladeinfrastruktur aus und möchte bis 2030 gar so viel Ökostrom bereitstellen, wie seine Kunden mit den Fahrzeugen verbrauchen. Darüber hinaus soll zu Beginn des neuen Jahrzehnts die ganze Wertschöpfungskette bilanziell CO2-neutral sein. Während derartige Bestrebungen zum guten Ton beim Gros der Autohersteller gehören, scheut Porsche auch die Sonderstellung nicht: Benziner werden konsequent weiterentwickelt sowie an synthetischen Kraftstoffen geforscht. Rund 20 Millionen Euro investiert das Unternehmen in eFuels und baut dafür aktuell eine Pilotanlage im südlichen Chile auf. Mit den ersten Ergebnissen sei im kommenden Jahr zu rechnen, so Blume.

Die Suche nach neuen Ideen und Geschäftsmodellen

Auf der Jahrespressekonferenz hat Porsche zudem die Bedeutung der Digitalisierung betont – nicht nur für das Unternehmen, sondern auch das Produkt. Bis 2025 soll ein zweistelliger Prozentsatz des Umsatzes mit digitalen Diensten verdient werden. Automobilmarken würden sich künftig vor allem durch digitale Lösungen von der Konkurrenz abgrenzen, meint Lutz Meschke. Software mache den Unterschied. Mit der an acht Standorten weltweit vertretenen Porsche Digital sowie jährlichen Investitionen von einer Milliarde Euro soll den Ansprüchen an Konnektivität genüge getan werden. Gerade die durchschnittlich jüngeren Kunden in China würden laut Meschke die Marschroute bei der digitalen Lebenswelt vorgeben: „China setzt die Trends für den Weltmarkt.“ Teil der Innovationsstrategie ist im Zuge dessen die Beteiligung an Startups. 150 Millionen Euro der besagten Milliarde fließen direkt in den Zugang zu neuen Technologien und Geschäftsmodellen.

„Make or buy?“ – Je weiter sich Porsche von seinem Kerngeschäft entfernt, desto stärker setzt das Unternehmen auf externe Kompetenzen. Aber auch bei naheliegenden Themen vertraut es auf ein breites Portfolio an Beteiligungen: Das Joint Venture FlexFactory beschäftigt sich mit hochindividualisierten Produkten für die Kleinserienfertigung. Wayray soll holographische Headup-Displays in die Fahrzeuge bringen und mit der Aufstockung der Rimac-Anteile auf 24 Prozent erkauft sich der OEM zusätzliche Kompetenzen bei Hochleistungsbatteriesystemen und E-Antrieben. Erste Aufträge zur Entwicklung von Serienkomponenten wurden bereits an den kroatischen E-Sportwagenspezialisten vergeben. Aktuell ist Porsche damit an 21 Startups direkt beteiligt – das Ende der Fahnenstange ist allerdings noch nicht erreicht. Mittlerweile gerät das Zukunftsthema Smart City in den Fokus, so dass auch zukünftig in der Startup-Szene nach Ideen und Geschäftsmodellen gescoutet wird.

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