Das Segment der mittelgroßen SUV, dem die Marktexperten von PwC Autofacts in der Prognose Modelle wie den Audi Q5, Mercedes GLK, Volvo XC60, den in den Startlöchern stehenden Jaguar C-X17 und eben den Porsche Macan zurechnen, ist speziell für die Premium-Marken heiß.

Bereits in der jüngeren Vergangenheit ging ein ordentliches Stück am Absatzhöhenflug der deutschen Auto-Elite darauf zurück, dass diese frühzeitig das Thema SUV und Crossover in das mittlere Fahrzeugsegment getragen haben und inzwischen auch darunter. Den Anfang dabei machte im Jahr 2003 BMW mit dem X3, gefolgt von Mercedes-Benz und Audi. Wobei die Ingolstädter den Drang zum automobilen Hochsitz inzwischen am konsequentesten durchdeklinieren. Zusammen sind die deutschen Premium-Hersteller führend im Bereich der mittleren SUV, deren besonderer Reiz in einem attraktiven Mix aus Volumen und hoher Marge liegt.

Deutsche Premiummarken dominieren das mittlere SUV-Segment

Produktionsprognose Premium-SUVs

Nun kommt mit dem Macan von Porsche ein prominenter Neuzugang in den Kampf um die Kunden hinzu. Dabei fiel die Aufnahme der fünften Baureihe von Porsche, die im April in den Verkaufsstart geht, geradezu euphorisch aus. Hatte es vor der Markteinführung des Cayenne noch kontroverse Debatten gegeben, ob ein großkalibrigeres SUV überhaupt ein Porsche sein könne, sind die Diskussionen längst verstummt. Der Cayenne war auch 2013 mit weltweit 84"000 verkauften Fahrzeugen klarer Absatzkönig des Sportwagenherstellers. Zwar ist der 911 immer noch unangefochtene Markenikone, beim Verkauf hat ihn der Cayenne aber auf die Ränge verwiesen. Bemerkenswert: Beim Cayenne haben es die Zuffenhausener geschafft, bereits mit der zweiten Generation ihr Profil als Hersteller luxuriös-sportlicher SUV zu schärfen.

Macan treibt Volumen beim SUV-Absatz von Porsche

Premium-SUVs - Deutsche Marken

Erfolgversprechende Prognose

Entsprechend dreht es sich im Vorfeld des Marktstarts Anfang April nicht darum, ob der Macan ein Erfolg wird, sondern wie groß sein Anteil am Gesamtwachstum ausfallen wird. Bei Porsche selbst rechnet man mit einem jährlichen Absatz von ca. 50"000 Fahrzeugen. Damit würde der Mittelklasse-SUV perspektivisch noch deutlich über dem Cayenne liegen, von dem in den neun Verkaufsjahren der ersten Generation (2002–2010) knapp 280"000 Fahrzeuge produziert wurden. Geht die Rechnung von auf, könnte der sportlich-knackige, aber auch mit den Attributen der Familientauglichkeit gesegnete Macan eine tragende Rolle dabei spielen, dass der Sportwagenhersteller das im Rahmen der Strategie „2018“ ausgerufene Absatzziel von 200"000 verkauften Autos deutlich vor der Zeit erreicht.

Christoph Stürmer, PwC Autofacts

"Das Segement kompakterer Premium-SUV wird weiter stark wachsen", sagt Christoph Stürmer, PwC Autofacts. Bild: Volk

Die Voraussetzungen für eine Markteroberung ähnlich den Beschleunigungswerten eines 911 sind günstig. Wie Christoph Stürmer, Marktexperte bei PwC Autofacts sagt, “ist das Segment kompakter Premium-SUV eines der am stärksten wachsenden Bereiche”. Laut einer Analyse, die PwC Autofacts exklusiv für AUTOMOBIL PRODUKTION erstellte, hat sich die Zahl der im Premium-Segment produzierten SUV und Crossover-Modelle von knapp 250"000 auf 750"000 Einheiten verdreifacht und gehört damit zu den Wachstumstreibern im Premium-Segment.
Damit ist die Reise laut Felix Kuhnert, Automotive Leader Europe bei PwC, aber längst nicht beendet: Bis 2020 sieht er ein weiteres Wachstum von 50,8 Prozent auf dann 1,2 Millionen produzierte Einheiten.

 

Hohes Wachstum bis 2020

Ein Selbstläufer wird der Erfolg für den Macan dennoch nicht. Der Trend zu kleineren Premium-SUV hat Begehrlichkeiten bei allen Herstellern geweckt, die sich auf diesem Feld tummeln. Das Angebot an neuen Modellen ist breit und attraktiv wie nie zuvor. PwC rechnet damit, dass nicht nur die deutschen Hersteller durch das Ausrollen weiterer Modellreihen das Wachstum aufrecht halten. Ausblicke auf kommende Designlinien gab es Mitte Januar in Detroit. Außer Porsche mit dem Macan, gab dort Volvo mit dem XC Concept einen Ausblick auf das Design nicht nur des nächsten XC90. Auch am Start in Detroit war Jaguar mit seinem SUV Concept C-X17. Der elegante Brite, der etliche Komponenten mit dem Verkaufsschlager Land Rover Evoque teilt, könnte sich mit seinem Auftritt, Ausmaß und dem angekündigten Leistungsvolumen zum direktesten Konkurrenten des Macan entwickeln. Allerdings kommt die Serienversion des Jaguar frühestens in 18 bis 24 Monaten. Bis dahin dürfte der Macan seine Position als „erster Sportwagen im kompakten SUV-Segment“ im Markt besetzt haben.

Jaguar Land Rover in Position

Generell aber trauen die Experten von PwC Jaguar Land Rover im SUV-Segment einiges zu – und das sowohl bei Jaguar wie der Offroad-Ikone LandRover. So legen die britischen Marken bis 2020 mit einem satten durchschnittlichen jährlichen Produktionsplus von 36,6 Prozent die höchste Wachstumsdynamik an den Tag. Dagegen nimmt sich das Wachstum der deutschen Marken mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 5,6 Prozent geradezu bescheiden aus. Allerdings findet dieses Wachstum auf sehr viel höherem Niveau statt, was dazu führt, dass die deutschen Premiums ihre starke Position noch weiter ausbauen.

Unter den deutschen Marken wiederum wird Audi mit einem Absatzanteil von 45 Prozent seine führende Position weiter ausbauen, gefolgt von den ziemlich gleichauf liegenden BMW und Daimler. Dagegen ist Porsche mit einem Anteil von 8,5 Prozent ein kleiner Fisch. Allerdings ein putzmunterer.

“Der Anteil der Zuffenhausener besteht allein aus dem Macan und seinen drei Modellvarianten”, sagt Christoph Stürmer. Nach den Prognosen von PwC Autofacts ist neben den von Sechszylinder-Motoren befeuerten Macan S, Macan S Diesel und Macan Turbo die Entwicklung einer Einstiegsversion mit einem Vierzylindermotor geplant. Als Basis dafür soll ein 2-Liter-TFSI-Motor von Audi dienen. Diese – mit einem Einstiegspreis von unter 50 000 Euro günstigste Fahrzeugvariante – könnte die Absatzprognosen noch mal verwirbeln; zugunsten des 2018er-Ziels des Sportwagenherstellers.

Frank Volk