Noch belasten Porsche Milliardenschulden: Aber die Netto-Liquidität  von minus 11,4 Milliarden Euro

Noch belasten Porsche Milliardenschulden: Aber die Netto-Liquidität von minus 11,4 Milliarden Euro (31. Juli 2009) verbesserte sich auf minus 6,0 Milliarden Euro am 31. Juli 2010. - Bild: Porsche

Dabei waren die eingenommenen 3,9 Milliarden Euro aus dem Einstieg von Volkswagen zum Großteil in den Schuldenabbau geflossen. Ende Juli 2009 hatten die Stuttgarter noch 11,4 Milliarden Euro Schulden. Bei der Entschuldung habe die Porsche SE aber einen großen Schritt nach vorne gemacht habe, meinte Hans Dieter Pötsch, Finanzvorstand der Porsche SE. So verbesserte sich die Netto-Liquidität von minus 11,4 Milliarden Euro (31. Juli 2009) auf minus 6,0 Milliarden Euro am 31. Juli 2010.

Die beiden Beteiligungen der Porsche SE, die Volkswagen AG und die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG (Porsche AG), konnten im Geschäftsjahr 2009/10 (31. Juli) eine sehr gute operative Entwicklung verzeichnen. „Wir blicken auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück“, sagte Matthias Müller, der neue Vorstandsvorsitzende der Porsche AG. Mit einem weltweiten Absatz von insgesamt 81.850 Fahrzeugen wurde der Vorjahreswert um 8,8 Prozent übertroffen. Der Umsatz, der um 17,9 Prozent stieg, erreichte mit 7,792 Milliarden Euro den höchsten in der Unternehmensgeschichte. Das operative Porsche-Ergebnis betrug 1,185 Milliarden Euro.

Die Porsche SE erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 (31. Juli) ein Konzernergebnis nach Steuern von minus 454 Millionen Euro. Das Ergebnis fiel damit besser aus als noch bei der Veröffentlichung des Halbjahresfinanzberichts erwartet. Das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres bestimmten im Wesentlichen die Effekte aus der im Dezember 2009 vorgenommenen Entkonsolidierung des Volkswagen Konzerns und des Porsche Zwischenholding GmbH Konzerns, zu dem die operativ tätige Porsche AG gehört, der Einbeziehung der beiden Beteiligungen an der Volkswagen AG und der Porsche Zwischenholding GmbH nach der Equity-Methode sowie der Verwässerungseffekt aus der Nichtteilnahme der Porsche SE an der Kapitalerhöhung von Volkswagen im März 2010.

Für das laufende Rumpfgeschäftsjahr bis zum 31. Dezember 2010 erwartet Hans Dieter Pötsch, Finanzvorstand der Porsche SE, ein zumindest ausgeglichenes Konzernergebnis. Im Geschäftsjahr 2011 rechnet Pötsch mit einem positiven Konzernergebnis.

Der Abbau der Schulden ist eine Voraussetzung dafür, dass Porsche im kommenden Jahr als zehnte Marke unter das Dach von Volkswagen schlüpfen kann. Deshalb sollen die Aktionäre der Porsche Automobil Holding SE am 30. November die geplante Kapitalerhöhung beschließen.

Porsche hatte sich bereits 51 Prozent an Volkswagen gesichert, doch mitten in der Finanzkrise brach der Plan, Europas größten Autohersteller zu übernehmen, in sich zusammen. Im Sommer 2009 stimmte Porsche nach dramatischen Verhandlungen schließlich der Übernahme zu. Diese erfolgt in mehreren Schritten: Im Dezember hatte VW nach einer milliardenschweren Kapitalerhöhung für 3,9 Milliarden Euro zunächst 49,9 Prozent an Porsches Sportwagengeschäft übernommen.

Im ersten Halbjahr 2011 will sich die Porsche Dachgesellschaft, unter der neben dem Sportwagengeschäft auch die Beteiligung an Volkswagen gebündelt ist, fünf Milliarden Euro frisches Kapital über die Ausgabe neuer Stamm- und Vorzugsaktien besorgen. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piech könnten den Autohändler Porsche Salzburg Holding an VW verkaufen, um mit den Erlösen an der Kapitalerhöhung teilzunehmen.

Mit dem Erlös aus der geplanten Kapitalerhöhung soll die erste Tranche des Konsortialkredits in Höhe von 2,5 Milliarden Euro zurückgeführt werden. Ein darüber hinaus gehender Erlös soll zur weiteren Entschuldung verwendet werden.

Fusion von Volkswagen und Porsche könnte sich verzögern

Die geplante Fusion der Volkswagen AG mit der Porsche Automobil Holding SE könnte sich verzögern. Ursprünglich sollte sie im Jahr 2011 abgeschlossen werden: Montage im Kofferraum des 911 Carrera. - Bild: Porsche

Die geplante Fusion der Volkswagen AG mit der Porsche Automobil Holding SE könnte sich jedoch verzögern. Es seien noch nicht alle juristischen und steuerlichen Fragen geklärt, sagte Finanzvorstand Pötsch am Dienstag bei der Vorlage der Bilanz des Sportwagenbauers in Stuttgart. Wörtlich heißt es dazu vonseiten der Porsche SE: “Nach Durchführung der Kapitalerhöhung soll die Porsche SE gemäß der Grundlagenvereinbarung auf die Volkswagen AG verschmolzen werden. Allerdings ist es aus heutiger Sicht nicht auszuschließen, dass der in der Grundlagenvereinbarung für die Verschmelzung vorgesehene Zeitplan nicht eingehalten werden kann. Die gemäß der Grundlagenvereinbarung vorzunehmende rechtliche und steuerliche Prüfung der Transaktion ist noch nicht abgeschlossen.”

“Unser erklärtes Ziel ist und bleibt die Verschmelzung”, betonte der Vorstandsvorsitzende der Porsche-Dachgesellschaft und von Volkswagen, Prof. Dr. Martin Winterkorn. Die Fusion beider Unternehmen sollte laut bisherigem Plan im Jahr 2011 abgeschlossen werden.

Prof. Dr. Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Porsche Automobil Holding SE (Porsche SE), sieht die Holdinggesellschaft von Porsche und Volkswagen trotzdem auf gutem Kurs: Große Etappen auf dem Weg zur angestrebten Verschmelzung der Porsche SE auf die Volkswagen AG seien im Geschäftsjahr 2009/10 bereits gemeistert worden, sagte Winterkorn anlässlich der Präsentation des Konzernabschlusses der Porsche SE in Stuttgart. Allerdings müssten noch wichtige Aufgaben – allen voran die geplante Kapitalerhöhung bei der Porsche SE – erfolgreich ins Ziel gebracht werden, so der Vorstandsvorsitzende.

Noch ist jedoch neben steuerlichen Fragen unklar, wie sich auch das juristische Tauziehen mit Investoren in den USA entwickelt. Zahlreiche Investmentfonds verklagen Porsche sowie den früheren Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking und Ex-Finanzvorstand Holger Härter vor einem Bundesgericht in Manhattan auf mehr als 2 Milliarden US-Dollar Schadenersatz. Porsche und den beiden Managern wird vorgeworfen, Investoren beim Versuch zur Übernahme von Volkswagen getäuscht und belogen zu haben.

Die Schwaben haben stets betont, sich an die geltenden Kapitalmarktgesetze gehalten zu haben, auch wenn Experten hier von einer Regelungslücke sprechen.

Als die Stuttgarter am 26. Oktober 2008 bekannt gaben, wie viele Aktien des Wolfsburger Konzerns sie tatsächlich direkt und indirekt besaßen, ließ dies den Kurs der VW-Aktie rasant ansteigen und machte Volkswagen kurzzeitig zum teuersten Unternehmen der Welt.

Investoren hatten allerdings auf fallende Kurse gewettet und geliehene VW-Aktien in der Hoffnung verkauft, sie später günstiger zurückkaufen und die Differenz einstreichen zu können. Tatsächlich mussten sie nun kräftig draufzahlen. Dass deutlich weniger Aktien frei handelbar waren, als zur Erfüllung der Geschäfte benötigt wurden, trieb den Preis zusätzlich.

Die Erfolgsaussichten der Klage amerikanischer Hedgefonds gegen Porsche minderte zuletzt ein Urteil des Obersten Gerichtshofs in den USA. Die Richter urteilten, dass das US-Wertpapiergesetz selbst dann nicht greife, wenn die Kläger darlegen könnten, dass angebliche Manipulationen Auswirkungen in den USA haben.

Im Heimatland ermitteln Strafverfolger gegen Porsche: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft seit August 2009 den Verdacht auf Marktmanipulation und unbefugte Weitergabe von Insiderinformationen beim Übernahmekampf zwischen VW und Porsche.

Im Zuge der Finanzkrise war Porsches Plan einer Übernahme von Volkswagen gescheitert. Letztlich willigten die Stuttgarter ein, als zehnte Marke unter das Dach der Wolfsburger zu schlüpfen.

gw/mit Material von Dow Jones Newswires