Ernst & Young Studie Innovationskraft

Deutschland ist in puncto Innovationskraft und Qualität nach wie vor weltweit führend. - Bild: Ernst&Young

Deutschland verliert aus Sicht der europäischen Autobranche wegen steigender Produktionskosten an Wettbewerbsfähigkeit. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young hervor.

Demnach sehen die befragten Automanager den Standort insgesamt zwar weltweit vorne. Bei den hiesigen Produktionskosten sieht das allerdings anders aus: Bewerteten bei der vorherigen Untersuchung noch 47 Prozent der Befragten Deutschland hier als führend, waren es aktuell nur noch 29 Prozent. Für die Studie waren 300 Unternehmen aus der europäischen Autoindustrie befragt worden.

Damit liegt die Bundesrepublik bei einem wichtigen Wettbewerbsfaktor lediglich im unteren Mittelfeld. Zum Vergleich: Dem Standort China bescheinigten satte 71 Prozent der Automanager Wettbewerbsfähigkeit bei den Produktionskosten. Deutschland liegt in der Studie hier noch hinter Russland und der Türkei. Nach Einschätzung von Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young, sind dabei die Kosten der Energiewende ein wesentlicher Faktor.

Deutschland ist nach wie vor weltweit führend

An die Spitze als weltweit attraktivster Standort für europäische Automanager schaffte die Bundesrepublik es aber dennoch. “Deutschland ist in puncto Innovationskraft und Qualität nach wie vor weltweit führend”, betonte Fuß. Auch bei der Produktivität hatten Automanager den Standort vorne gesehen. “Allerdings dürfen trotzdem die Kosten nicht aus dem Ruder laufen.”

Auf Platz zwei und drei der Gesamtschau liegen Japan und China. Schlusslicht ist die Türkei. Im Vergleich zur vorausgegangenen Erhebung fiel der Standort Frankreich den Angaben zufolge am stärksten zurück. Nach Einschätzung der Automanager hat Frankreich massiv an Innovationskraft, Produktqualität und Produktivität verloren. Bei den Produktionskosten belegte das Land sogar den drittletzten Platz vor Italien und Großbritannien.

Frankreich fällt deutlich zurück

Die höchsten Zugewinne bei der Standortattraktivität kann im Vergleich zur letzten Befragung 2011 der Standort Südkorea verzeichnen. Das Land liegt nun mit 66 Prozent Zustimmung auf Platz drei vor China. Der große Verlierer im Standortranking ist der Standort Frankreich, der noch 2011 in allen Bereichen einen Platz in der Spitzengruppe belegte und nun nur noch im Mittelfeld liegt. Nach Einschätzung der europäischen Automanager hat Frankreich massiv an Innovationskraft, Produktqualität und Produktivität verloren.

“Frankreich ist nach wie vor einer der bedeutendsten Automobilstandorte der Welt – aber der Standort steht derzeit vor erheblichen Herausforderungen”, sagte Fuß. Die französische Autoindustrie müsse künftig noch stärker als andere Länder an ihrer weltweiten Positionierung arbeiten.

Insgesamt dürfte sich die Absatzkrise in Westeuropa der Studie zufolge noch weiter verschärfen. Nach einem Rückgang um acht Prozent im vergangenen Jahr wird die Zahl der Pkw-Verkäufe 2013 nach Einschätzung europäischer Automanager um weitere zwei Prozent sinken. In China und Indien rechnen die Befragten indes mit spürbaren Zuwächsen.

Zulieferer leiden stärker unter der Krise als Hersteller

Weiteres Ergebnis der Erhebung: Zulieferer leiden wesentlich stärker unter der Absatzkrise als Hersteller. Während europaweit 56 Prozent der Manager von Autobauern ihre Geschäftslage als gut bezeichnen, sind es bei den Zuliefern nur 29 Prozent. “Bei vielen Zuliefererunternehmen war die Lage schon vor der aktuellen Krise kritisch”, sagte Fuß. “Und wenn jetzt fast alle Hersteller einen harten Sparkurs fahren, erhöht sich der Druck auf die Zulieferer weiter.”

Diese Studie finden Sie im Archiv von Ernst&Young!

dpa/Ernst & Young/Guido Kruschke