Navigationsgerät von Becker

Navigationsgerät von Becker: Ende September hatte der Hersteller beschlossen, die Fertigung von Infotainmentsystemen – vor allem für den Hauptkunden Daimler – aus Kostengründen nach Ungarn zu verlagern. Bild: Harman Becker

An einer Kundgebung in strömendem Regen vor dem Werkstor in Karlsbad (Kreis Karlsruhe) nahmen rund 200 Arbeiter und Angestellte teil. Das Unternehmen teilte am Montag mit, die Verlagerung der Produktion nach Ungarn solle “so schnell wie möglich erfolgen, um Klarheit für die betroffenen Mitarbeiter zu schaffen, die Belastungen auf allen Seiten so gering wie möglich zu halten und die Kundenforderungen zu erfüllen”.

Die Geschäftsführung hatte Ende September beschlossen, die Fertigung von Infotainmentsystemen – vor allem für den Hauptkunden Daimler – aus Kostengründen nach Ungarn zu verlagern. Davon sind 180 der noch etwa 1000 Arbeitsplätze betroffen.

“Wir werden uns nicht wie Lämmer vor die Schlachtbank führen lassen”, sagte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Rupp. Seit 2008 hätten mehr als 500 Beschäftigte ihre Arbeitsplätze verloren. Unter der Konzernführung von Dinesh Paliwal habe das Unternehmen “einen Wandel erlebt, wie er menschenverachtender nicht sein kann”. Die SPD-Landtagsabgeordnete Anneke Graner appellierte an die Geschäftsführung, sich ihrer sozialen Verantwortung zu stellen und die Arbeitsplätze zu erhalten.

Die Geschäftsführung will nach Angaben der Pforzheimer IG-Metall-Vertreterin Liane Papaioannou jetzt Gespräche über einen Sozialplan aufnehmen. “Wir wollen aber erst über anderes sprechen”, sagte Papaioannou der Nachrichtenagentur dpa. Die Entscheidung zur Produktionsverlagerung sei betriebswirtschaftlich nicht nachvollziehbar. Die geringfügige Verringerung von Lohnkosten bei einer Fertigung in Ungarn werde sich kaum bemerkbar machen, da Harman Becker Automotive Systems Daimler einen Preisnachlass in Aussicht gestellt habe.

Zu Einzelheiten der Gespräche mit dem Betriebsrat machte das Unternehmen keine Angaben. Harman betrachte das Werk in Karlsbad ebenso wie die anderen deutschen Standorte als wichtigen Teil seines europäischen Geschäfts, erklärte ein Sprecher. Mit insgesamt 1800 Mitarbeitern in Deutschland seien weitere Investitionen in Forschung und Entwicklung geplant.

Gegründet wurde das Unternehmen 1949 von Max Egon Becker, zunächst als Radio-Reparaturwerkstatt in Pforzheim. Später konzentrierte sich die Firma auf die Herstellung hochwertiger Autoradios für Marken wie Mercedes-Benz, Rolls-Royce und Porsche. 1995 wurde Autoradio Becker vom US-Konzern Harman übernommen. Der Jahresumsatz der GmbH liegt bei etwa 1,5 Milliarden Euro, der Gewinn in zweistelliger Millionenhöhe.

Alle Beiträge zum Stichwort Harman Becker

dpa-AFX/ks