ADAC Wolken breit

Der ehemalige ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter hat laut Untersuchungsbericht auf seinem PC verschiedene Szenarien für die Platzierung bei der Wahl zum "Gelben Engel" simuliert. - Bild: kru

Die Ergebnisse der Deloitte-Untersuchung bestätigen die Manipulation der Teilnehmerzahl bei der Wahl des “Lieblingsauto 2014″. Darüber hinaus belegt der Bericht, dass die Reihenfolge der Fahrzeugmodelle nicht mit den Ergebnissen der Preisverleihung am 16. Januar 2014 übereinstimmt. Gründe für die falschen Ergebnisse sind Deloitte zufolge sowohl vorsätzliche Veränderungen als auch eine technisch fehlerhafte Verarbeitung der Daten.

Nach Auswertung von Deloitte wurden insgesamt 45.202 Stimmen abgegeben. 3.271 Stimmen fielen auf den VW Golf, 1.703 Stimmen auf den BMW 3er, 1.664 Stimmen auf den Audi A 3, 1.320 Stimmen auf die Mercedes A-Klasse und 1.184 Stimmen auf den Skoda Octavia.

Zudem gibt es laut Deloitte klare Anhaltspunkte dafür, dass ähnliche Veränderungen auch in den Vorjahren vorgenommen worden sind. “Es gibt eindeutige Hinweise darauf, dass die Vorgehensweise bei der Ermittlung des ‘Lieblingsautos’ in den vergangenen Jahren ähnlich abgelaufen ist. Endgültige Aussagen können wir aber erst treffen, wenn unsere Untersuchungen der Vorjahre abgeschlossen sind”, so Marzluf. Die Prüfergebnisse der Wahl zum “Lieblingsauto” in den Jahren 2005 bis 2013 werden voraussichtlich nächste Woche kommuniziert.

In Abhängigkeit von den weiteren Ergebnissen der Deloitte-Untersuchung werden rechtliche Schritte gegen den ehemaligen Kommunikationschef des ADAC Michael Ramstetter vorbereitet.

“Unsere Untersuchungen haben Prozessschwächen, Fehler in der Datenverarbeitung sowie Manipulationen bei der Wahl zum ‘Lieblingsauto 2014′ offenbart. Der ehemalige ADAC-Kommunikationschef hat nach unseren Erkenntnissen am Vormittag des 28. November 2013, dem Tag der Ergebniskommunikation, auf seinem PC verschiedene Szenarien simuliert, bei denen sowohl die Stimmenzahl als auch die Zuordnung der Stimmen zu den einzelnen Modellen willkürlich verändert wurden. Die Simulationen erfolgten auf unvollständigen Zahlen”, sagte der Deloitte-Partner Frank Marzluf.

“Die Manipulationen bei der Leserwahl zum ‘Lieblingsauto 2014′ sind ein schwerer Schlag für den gesamten ADAC. Wir sind fassungslos, dass dies in unserem Haus passieren konnte”, so Dr. Karl Obermair, Vorsitzender der ADAC Geschäftsführung. “Wir verstehen den Unmut der Automobilhersteller und der Öffentlichkeit und bedauern zutiefst, dass wir mit den jetzt bewiesenen Manipulationen sehr viel Vertrauen verloren haben. Dafür möchten wir uns bei unseren Mitgliedern, den ADAC Mitarbeitern sowie den betroffenen Automobilherstellern in aller Form entschuldigen. Die Auszeichnung ‘Gelber Engel’ wird es in Zukunft definitiv nicht mehr geben”, so Obermair weiter. “Deloitte wird die Wahl zum ‘Lieblingsauto’ von 2005 bis 2013 sowie die übrigen ‘Gelber Engel’-Kategorien seit 2005 – wie öffentlich angekündigt – lückenlos analysieren.”

Daimler gibt Preis zurück

Daimler hat unmittelbar nach Bekanntwerden des Untersuchungsberichtes von Deloitte wie bereits angekündigt mitgeteilt, den “Gelben Engel” zurückzugeben. Die anderen Hersteller werden vermutlich gleichziehen. “Publikumspreise sind für Daimler grundsätzlich von hoher Bedeutung, da sie unmittelbar die Meinung der Öffentlichkeit widerspiegeln. Unabdingbare Voraussetzung hierfür ist, dass die Leserwahlen korrekt durchgeführt werden. Bei der Vergabe des ‘Gelben Engel’ war dies nicht der Fall”, so Daimler.

Deloitte war am 27. Januar 2014 vom ADAC beauftragt worden, die Wahl umfassend zu untersuchen, nachdem Ramstetter zugegeben hatte, die Anzahl der abgegebenen Stimmen verändert zu haben.

Das Prüfungsunternehmen hat im Rahmen der Untersuchungen 24 Interviews durchgeführt, 69.000 Dateien von IT-Geräten wiederhergestellt, aufbereitet und systematisch ausgewertet. Anhand der gesamten elektronischen Daten haben Datenbankexperten eine vollständige, neue Auszählung der Online-Stimmen vorgenommen und auf dieser Basis das korrekte Wahlergebnis ermittelt.

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ots/Daimler/Andreas Karius