Mercedes C 260 L in der China-Version. Bild: Daimler

Hersteller wie Mercedes (Foto) können laut einer PwC-Prognose in China weiter mit steigendem Absatz rechnen. Der Abtaucher in diesem Jahr werde eine kurze Episode bleiben, meinen die Marktexperten. Bild: Daimler

Das Abrutschen des vor allem für die deutschen Autohersteller wichtigen China-Marktes bleibt nach Einschätzung von PwC Autofacts, Automotive-Sparte der Unternehmensberatung, nur eine kurze Episode. Nachdem der weltgrößte Automarkt im Oktober und im November die Wende schaffte, wird der Absatz von Neufahrzeugen laut einer am Montag, 14. Dezember, veröffentlichten Prognose im Jahr 2016 um 7,7 Prozent steigen – nach lediglich 5,2 Prozent in diesem Jahr. Der wesentliche Grund hierfür seien die Steuererleichterungen für „Eco-Fahrzeuge“ mit weniger als 1,6-Liter-Hubraum, die die chinesische Regierung zum 1. Oktober 2015 eingeführt hat. „Die Sorge, die Lage in China könne sich dauerhaft eintrüben, ist aus unserer Sicht unbegründet. Davon profitieren vor allem die deutschen Hersteller – schließlich sind sie auf dem chinesischen Markt besonders stark vertreten. Gerade im Premium-Bereich gibt es weiterhin große Potentiale, die Vertriebsnetze breiter und effizienter aufzustellen“, sagt Felix Kuhnert, Partner und Leiter des Bereichs Automotive bei PwC in Europa.

Die Aussicht auf eine Stabilisierung in China kommt für die Branche zum richtigen Zeitpunkt. Denn 2015 war für die Autobauer zwar ein erfolgreiches, aber auch schwieriges Jahr mit unerwartet kräftigem Wachstum in den westlichen Industriestaaten – und einem regelrechten Einbruch in manchen Schwellenländern. Am stärksten entwickelten sich die Absatzzahlen für Autos und leichte Nutzfahrzeuge ausgerechnet im krisengeplagten Europa. Hier wird die Zahl der Neuanmeldungen laut PwC Autofacts zum Jahresende bei voraussichtlich 15,8 Millionen liegen – was nach 14,58 Millionen Fahrzeugen im vergangen Jahren einem satten Plus von 8,3 Prozent entspricht.

„Im vierten Quartal dürfte der Absatz noch einmal richtig anziehen, gerade in Deutschland und Frankreich, aber auch in Spanien und Italien“, sagt Christoph Stürmer, Leiter und globaler Lead Analyst von PwC Autofacts. „Für 2016 bedeutet das einen Schub, der die Branche in die Lage versetzen dürfte, sich der schleppenden europäischen Konjunktur ein weiteres Mal zu entziehen.“ Mit einer Wiederholung der diesjährigen Wachstumszahlen rechnet Stürmer zwar nicht. Ein Plus von 4,3 Prozent auf insgesamt 16,48 verkaufte Neuwagen sei aber drin. „Ein wesentlicher Absatztreiber werden aus unserer Sicht auch im kommenden Jahr die niedrigen Zinsen und günstigen Treibstoffkosten sein. Zudem sind die Pkw in der Europäischen Union mit durchschnittlich 9,7 Jahren vergleichsweise alt und müssen erneuert werden. Das spricht ebenfalls für eine starke Nachfrage“, so Stürmer.

USA steuert auf Rekordwert zu

Auf einen möglichen Rekordabsatz steuert in diesem Jahr der US-Markt zu. „Die bisherige Bestmarke von 17,35 Millionen Fahrzeugen stammt noch aus dem Jahr 2000. Falls die Neuanmeldungen im Dezember stabil bleiben, könnte der Rekord endlich fallen oder wenigstens eingestellt werden“, erklärt Kuhnert. Den Berechnungen von PwC Autofacts zufolge dürfte das Absatzplus in den USA starke 5,5 Prozent erreichen. Für das kommende Jahr bleibt Kuhnert trotzdem zurückhaltend. „Anders als im Euroraum steht in Amerika die Zinswende unmittelbar bevor – was die Finanzierung von Fahrzeugen entsprechend verteuert. Darum rechnen wir für 2016 auf dem US-Markt mit einer Stagnation.“

Sorgenvoll blicken die Hersteller unterdessen auf Krisenmärkte wie Russland, wo der Autoabsatz infolge von Ölpreisverfall und westlichen Sanktionen in diesem Jahr um rund ein Drittel eingebrochen ist. „Die Moskauer Regierung hat mit verschiedenen Maßnahmen wie zum Beispiel subventionierten Krediten gegensteuert – ansonsten wäre der Absatz sogar noch heftiger zurückgegangen“, so Stürmer. „Vor diesem Hintergrund rechnen wir für das kommende Jahr mit einem neuerlichen Minus von etwa zehn Prozent.“

Ähnlich pessimistisch blickt PwC auf das unter politischen wie wirtschaftlichen Turbulenzen leidende Brasilien. Einem Absatzrückgang von gut 20 Prozent in diesem Jahr könnten im kommenden Jahr weitere Verluste von rund fünf Prozent folgen. Besser als von vielen Experten befürchtet schlägt sich die Branche hingegen in Indien. Dort geht PwC in diesem Jahr von einem Zuwachs von gut fünf Prozent aus – und 2016 scheint sogar ein Plus von über zehn Prozent durchaus möglich.

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fv