“Das ist einer der wichtigsten Tage in der Unternehmensgeschichte”, sagte JLR-Chef Ralf Speth, als die Queen in einer der neuen Hallen Platz genommen hatte. Die Einweihung und Inbetriebnahme des Werks in Wolverhampton (bei Birmingham) erforderte ein Investitionsvolumen von 500 Millionen Britischen Pfund (rund 634 Millionen Euro) und ist wesentlicher Punkt des globalen Investitionsprogramms von Jaguar Land Rover. Damit produziert Jaguar Land Rover erstmals seit 1947 wieder Motoren im eigenen Werk. Speth kommentiert: “Das Motorenwerk steht für all das, was an britischer Ingenieurskunst großartig ist.”

Bei seinem Rundgang durch das Werk wurde das Königspaar, die Queen war zusammen mit ihrem Gatten, dem Herzog von Edinburgh, gekommen, von Ralf Speth und dem Chairman der Tata-Stiftung, Ratan Tata, begleitet. Gemeinsam besichtigte die Gruppe die 14 Fussball-Felder großen Bearbeitungs- und Montagehallen und traf sich mit einer Reihe von Mitarbeitern.

Der Leiter des Werks, Trevor Leeks, sagte anlässlich der Eröffnung: “Unser neues Motorenwerk ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, die Wettbewerbsfähigkeit des britischen Automobilsektors zu stärken. Die Produktion hauseigener Motoren wird den Ausbau der britischen Zuliefererkette befördern, indem er den inländischen Investments eine kritische Masse verleiht.”

Premiere im Mittelklasse-Modell Jaguar XE

Im Werk in Wolverhampton läuft aktuell die Produktion der Ingenium-Motorenbaureihe an, die im neuen Mittelklasse-Modell Jaguar XE Premiere feiern werden. Den Anfang macht ein 2-Liter-Dieselmotor. Die in den JLR Entwicklungszentren Whitley und Gaydon tätigen Ingenieure wählten als Basis für die neuen Vierzylinder-Benzin- und Dieselmotoren extrem steife und zugleich kompakte Motorblöcke aus Aluminium. Um die Entwicklung der zukünftigen Motoren auch im Whitley Engineering Center zu erweitern und zu verbessern, hat JLR zusätzlich 40 Millionen Pfund investiert.

Bei den Ingenium-Triebwerken sind die Maße für Bohrung und Hub ebenso identisch wie der Zylinderabstand und das Zylindervolumen von 500 ccm. Die modulare Architektur fördert die Konfigurierbarkeit und Flexibilität, um auch künftige neue Gesetzesvorschriften oder Wettbewerbskriterien schnell erfüllen zu können. Alle Ingenium-Motoren kommen in den Genuss moderner Abgasturbolader. Die Verdichter steigern speziell im unteren Drehzahlbereich die Leistungsabgabe und senken parallel Verbrauch und CO2-Emissionen.

Modulare Architektur

Die modulare Architektur erlaubt einen hohen Anteil an Gleichteilen, was eine geringere Komplexität zur Folge hat, wie auch eine vereinfachte Montage und kürzere Reaktionszeiten bezüglich Änderungen bei der weltweiten Nachfrage. Sobald neue Technologien fertig erprobt sind, können sie sofort in die Motorenfertigung einfließen. Aber auch für schärfere Abgasgesetze oder weitere Steigerungen der Leistung sind die Triebwerke vorbereitet.

“Weltweit wünschen sich immer mehr Kunden abgasärmere und effizientere Fahrzeuge, jedoch werden nach wie vor dieselben Attribute für robuste Geländewagen oder leistungsstarke Sportwagen erwartet. Unsere Ingenium Motoren erfüllen diesen Performance-Anspruch und heben ihn zugleich auf ein neues Niveau”, ist Wolfgang Ziebart, Direktor Engineering bei Jaguar Land Rover überzeugt. “Indem wir unsere Motoren in Eigenregie entwickeln und fertigen, können wir schneller auf Schwankungen in der Nachfrage, neue Gesetze und die Verfügbarkeit neuer Technologien reagieren”, ergänzt Ziebart.

Interne Reibung beim neuen Diesel um 17 Prozent reduziert

Ganz oben auf der To-Do-Liste der Antriebsstrangexperten von Jaguar Land Rover stand die Verringerung der internen Reibung der Aggregate. Beim ersten in die Großserienfertigung gehenden Ingenium-Motor ? dem 2,0-Liter-Diesel mit internem Code AJ 200D ? sank die Reibung im Vergleich zum aktuellen Selbstzünder um 17 Prozent.

Trotz zusätzlicher Funktionen und angehobener Leistung seien die neuen Ingenium Triebwerke im Schnitt 80 Kilogramm leichter als vergleichbare Motoren aus heutiger Produktion. “Wir hatten die Gelegenheit, das ganze Ingenium Projekt mit einem weißen Blatt Papier beginnen zu können. Es gab keinerlei Restriktionen, die zu Kompromissen bei der Entwicklung geführt hätten. Denn wir mussten weder auf existierende Werkzeuge zurückgreifen noch vorhandene Motorarchitekturen übernehmen. Und erst recht nicht Bänder eines bestehenden Werkes für die Montage der Ingenium Motoren umrüsten”, betont Ron Lee, Direktor Powertrain Engineering bei Jaguar Land Rover.

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Aus Wolverhampton berichtet Bettina Mayer.