Gilles Normand, SVP Electric Vehicles Renault Group: "Große Elektroautos sind nicht unser Weg. Unser Ziel ist eine starke Position bei erschwinglichen Fahrzeugen".

Gilles Normand, SVP Electric Vehicles Renault Group: "Große Elektroautos sind nicht unser Weg. Unser Ziel ist eine starke Position bei erschwinglichen Fahrzeugen". Bild: Renault

AUTOMOBIL PRODUKTION: Monsieur Normand, mit dem Zoe kommen Sie laut dem neuen WLTP auf eine Reichweite von 300 Kilometer. Warum ist die Marke so wichtig?
Mit dieser Marke ist man nicht mehr nur für Tech-Enthusiasten interessant oder nur für besonders umweltbewusste Menschen. Damit sind wir endgültig bereit für den Volumenmarkt. Aber nicht die 300-km-Marke ist das Wichtige, sondern dass man tatsächlich auf diese Reichweite kommt. Damit muss ein Pendler, der ein Elektroauto dazu nutzt, um 50 Kilometer zur Arbeit zu fahren, nicht täglich laden, sondern nur noch ein oder zwei Mal die Woche. Zudem kann man fast alle Alltagsziele mit diesem Fahrzeug zuverlässig erreichen. Dadurch wird Elektromobilität bequemer und einfacher. Das sehen nicht nur wir so, sondern offenbar auch die Kunden. Die Verkaufszahlen des Zoe sind im vergangenen Jahr um 41 Prozent gestiegen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Stehen die stärkeren Verkaufszahlen nach Ihren Erkenntnissen in direkter Relation zur Erhöhung der Reichweite?
Eindeutig. Aktuell ist der Zoe das meistverkaufte EV im europäischen Pkw-Markt. Je mehr Reichweite der Wagen hat, umso mehr werden verkauft. Das, obwohl der Wagen schon relativ lange im Markt ist. Dieselbe Entwicklung sehen wir beim Renault Kangoo Z.E. Bei diesem haben wir die Reichweite um 50 Prozent auf echte 200 Kilometer elektrische Reichweite erhöht. Parallel dazu steigen die Absatzzahlen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Der Kangoo Z.E. ist ein Fahrzeug, das sich explizit an Handwerker wendet, die ja viel in Städten unterwegs sind. Inwieweit wird im Kaufverhalten bereits die Sorge um Dieselfahrverbote in Städten sichtbar?
Das ist definitiv ein Thema. Gerade aus Handel, Handwerk und von Betreibern kleinerer Geschäfte in Städten wie Paris, London, Rom oder Stuttgart registrieren wir eine deutlich höhere Nachfrage nach unserem EV-Angebot. Und dementsprechend eine geringere Nachfrage nach Dieselfahrzeugen. Die Menschen sind verunsichert. Das lässt das Interesse an E-Fahrzeugen steigen.

Um seinen Elektro-Bestseller herum will Renault eine führende Rolle bei kompakten Stromern aufbauen.
Um seinen Elektro-Bestseller herum will Renault eine führende Rolle bei kompakten Stromern aufbauen. Bild: Renault

AUTOMOBIL PRODUKTION: Renault ist sehr erfolgreich mit dem Zoe und das hat erheblich zum positiven Image der Marke als EV-Hersteller beigetragen. Aber wann werden wir das nächste echte Massenmarkt-Auto von Renault sehen und was wird das für ein Auto sein?
Auf einzelne Modelle möchte ich nicht eingehen, gerne aber auf unsere Segmentstrategie. Wir haben Ende 2017 angekündigt, dass wir bis 2022 von vier reinen Elektroautos auf acht hochgehen werden. Das betrifft Pkw und Nutzfahrzeuge. Der neue Renault Master Z.E. ist ein wichtiges Modell für uns, denn die LCVs spielen aufgrund ihres Nutzungsprofils eine Schlüsselrolle in unsere EV-Strategie. Die andere wichtige Säule sind Pkw. Hier werden wir, ausgehend von unserer starken Position mit dem Zoe im B-Segment,weitere Modelle im A-, B- und C-Segment ausrollen.


AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sieht es mit größeren Fahrzeugen aus? 
Elektro-Fahrzeuge oberhalb des C-Segments haben bei uns derzeit keine Priorität. Bei großen Fahrzeugen braucht man große Reichweiten und damit große Batterien. Hier wird es ein umfangreiches Angebot von Premium- und Luxusmarken geben. Das ist nicht unser Weg, wir wollen für erschwingliche E-Mobilität stehen. Unser Ziel ist eine starke Position bei Fahrzeugen mit relativ günstigen Preisen.