Airbag von Takata: Bild: Takata.com

Airbag von Takata: Sicherheitstechnik war die häufigste Rückrufursache und die Rückrufe wegen defekter Takata-Airbags zählten zu den spektakulärsten im vergangenen Jahr. Bild: Takata

Im Vorjahr waren “nur” 1,09 Millionen Autos betroffen. Das ergeben Berechnungen des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach auf Basis von 127 analysierten Rückrufaktionen. Gemessen an den Neuzulassungen stieg die Rückrufquote im Jahr 2014 auf 63 Prozent (Vorjahr: 37 Prozent). Damit wurde für den deutschen Markt seit der Einführung des Produktsicherheitsgesetzes im Jahr 1997 ein neuer Höchstwert erreicht.

Weit überdurchschnittlich betroffen mit Rückrufquoten zwischen 640 und 159 Prozent waren neben den japanischen Herstellern Subaru, Toyota und Honda auch die Premiummarken Jaguar-Land Rover und BMW. Negativ-Spitzenreiter war im Jahr 2014 Subaru mit einer Rückrufquote von 640 Prozent. Der japanische Nischenhersteller, der im abgelaufenen Geschäftsjahr auf dem deutschen Markt 6.218 Fahrzeuge absetzen konnte, rief im selben Zeitraum rund 39.800 Fahrzeuge zurück. Sicherheitsmängel wiesen nahezu ausschließlich ältere Modelle der Baureihen Forester, Impreza, Legacy und Outback auf, die aufgrund von mangelhaftem Korrosionsschutz an den Bremsleitungen in die Werkstätten beordert wurden.

Die zweithöchste Rückrufquote weist mit 261 Prozent Jaguar-Land Rover auf. Das Unternehmen rief in Deutschland insgesamt 49.301 Fahrzeuge zurück. Ein Großteil davon betraf die Modelle Jaguar XF, Land Rover Freelander sowie Range Rover Evoque wegen einer möglichen Kraftstoffleckage an den Rücklaufleitungen der Injektoren der Dieselmotoren.

Rückrufe

Die Rückrufquote ist die Zahl der betroffenen Fahrzeuge im Verhältnis zur Zahl zugelassenen Autos einer bestimmten Marke. Spitzenreiter war hier 2014 Subaru. Quelle: CAM

Toyota kommt mit einer Rückrufquote von 240 Prozent (Vorjahr: 115 Prozent) auf Negativrang 3. Das Unternehmen musste auf dem deutschen Markt rund 62.000 ältere Fahrzeuge (u.a. Avensis, Corolla, Yaris) wegen fehlerhafter Airbags des Zulieferers Takata zurückrufen. Zudem machte eine zu schwach ausgelegte hintere Befestigung der Lenksäule bei rund 78.000 Fahrzeugen der Baureihe Yaris und Urban Cruiser einen Werkstattaufenthalt notwendig.

Hohe Rückrufquoten zeigten vor allem wegen fehlerhafter Airbags auch Honda (186%) sowie der bayrische Premiumhersteller BMW mit 159 Prozent. BMW rief deshalb über 460.000 Pkw in die Werkstätten. Überdurchschnittlich betroffen waren auch General Motors und Mitsubishi.

Leicht unter dem hohen deutschen Rückruf-Mittelwert liegen Daimler, Volkswagen (je 43%) gefolgt von Mazda, Ford, Suzuki und Hyundai. Als Marktführer in Deutschland musste der VW-Konzern mit über einer halben Million die meisten Fahrzeuge in die Werkstätten beordern, während es bei GM/Opel 223.000 und bei Daimler 127.000 waren. Die französisch-japanische Allianz Renault-Nissan (32%), Fiat (22%) und Volvo (15%) kamen glimpflich davon, während PSA Peugeot-Citroen mit Rückrufen nur weniger Fahrzeuge (1%) glänzten.

Sicherheitstechnik am häufigsten von Mängeln betroffen

Betrachtet man die Verteilung der Mängel nach Baugruppen, so waren 41 Prozent der zurückgerufenen Fahrzeuge in Deutschland von Mängeln an Systemen der Insassenschutzeinrichtung betroffen, so das CAM. Überwiegend waren dafür defekte Airbags verantwortlich, die durch den japanischen Zulieferer Takata geliefert wurden. Die absolute Menge an zurückgerufenen Fahrzeugen, die einen solchen Airbag verbaut hatten, lag in Deutschland im abgelaufenen Jahr bei rund 581.000 Einheiten.

Mit einer Häufigkeit von 27 Prozent folgen Karosseriemängel. Unter anderem musste Volkswagen rund 284.000 Caddy wegen vorgeschädigten Kugelbolzen der Heckklappe zurückrufen. Zudem rief Opel rund 183.000 Fahrzeuge des Modells Corsa wegen möglicher Korrosionsbildung an der Motorhaube zurück. Mängel an Lenkanlage, Elektrik/Elektronik sowie dem Antriebsstrang (Motor, Getriebe) summierten sich jeweils auf 8 Prozent. Auf Qualitätsmängel der Bremsanlage entfielen rund 6 Prozent der Rückrufe. Weitere Rückrufgründe betrafen das Fahrwerk sowie sonstige Baugruppen (je
1%).

Insgesamt führen die jährlichen Rückrufaktionen zu immer größeren Rückrufmengen. Im zurückliegenden Jahr konnte das CAM in Deutschland 127 sicherheitsrelevante Rückrufaktionen auswerten, bei denen zwischen 7 und 450.000 Fahrzeuge betroffen waren. Pro Rückrufaktion wurden in 2014 im Mittel über 15.000 Fahrzeuge zurückgerufen. Im Jahr 2013 mussten bei 88 Rückrufaktionen im Mittel rund 12.400 Fahrzeuge in die Werkstätten. In den Vorjahren lag das Rückrufvolumen pro Aktion deutlich niedriger.

“Das Damoklesschwert von hohen Rückrufmengen aufgrund von Qualitätsproblemen hängt zunehmend über den globalen Automobilherstellern und kann zu enormen Kosten- und Imagebelastungen führen”, sagte Studienleiter Stefan Bratzel. Die zu Tage tretenden meist sicherheitsrelevanten Rückrufe seien dabei nur die “Spitze des Eisbergs”. Nur wenn Qualitätsmängel von Herstellern schnell und unkompliziert beseitigt werden, könne eine nachhaltige Verstimmung von Kunden vermieden werden. “Hier fehlt es teilweise an der Sensibilität der Automobilhersteller, aber auch an effizienten Eskalationsmechanismen”, so Bratzel weiter.

Als Ursachen für die steigenden Rückrufzahlen macht das Team um Studienleiter Stefan Bratzel folgende Faktoren aus:

  • Steigende Komplexität der Fahrzeuge
  • Höhere Entwicklungsgeschwindigkeit wegen erhöhter Wettbewerbsintensität
  • Wertschöpfungsverlagerung und Globalisierung von Entwicklung und Produktion
  • Erhöhter Kostendruck
  • Baukasten- und Gleichteilestrategie

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