Russland

Die neuen Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland treten am Freitag in Kraft. Bild: Volk

Wahrscheinlich sind weitere Importbegrenzungen: Beloussow zufolge könnte die Einfuhr von Autos aus dem Westen begrenzt werden. Darüber hatten auch schon russische Medien spekuliert.

Ein solcher Schritt würde vor allem die deutsche Autoindustrie treffen. 2013 trug jeder fünfte Neuwagen in Russland das Emblem eines deutschen Konzerns, wie der Verband der Automobilindustrie mitteilt. Etwa ein Viertel davon wurde in Deutschland zusammengesetzt. Einige Autobauer – wie VW und BMW – haben schon Werke in Russland in Betrieb, die aber Teile aus Deutschland brauchen. Allein der VW-Konzern verzeichnet laut der Vereinigung Europäischer Unternehmen seit Jahresbeginn einen Absatzrückgang von 18 Prozent.

Die angekündigte Herabsetzung der Frist zur Begebung von Anleihen auf dem EU-Kapitalmarkt von 90 Tagen auf 30 Tage würde dazu führen, dass sich die fünf größten russischen Banken – Sberbank, Vneschekonombank (VEB), Vneschtorgbank (VTB), Gazprombank (Hausbank der Gazprom Gruppe) und Rosselchosbank (Landwirtschaftsbank) nicht mehr refinanzieren können und sich zu diesem Zweck hilfesuchend an die russische Zentralbank – drei der fünf Banken haben das bereits nach den EU-Maßnahmen vom 31. Juli getan – und an asiatische Banken wenden werden.

Sinkende Nachfrage nach Neuwagen

“Die Folge der weiter verschlechterten Refinanzierungsmöglichkeiten ist eine noch stärkere Verknappung und Verteuerung von Krediten in Russland”, berichtet Edda Wolf, Leiterin des Bereichs GUS/Südosteuropa bei Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing. Das hat vor allem negative Auswirkungen auf die Bruttoanlageinvestitionen, aber auch auf Konsumentenkredite. Kredite für den Autokauf werden immer schlechter zu bekommen sein. Damit sinkt die Nachfrage nach Neuwagen. Hinzu kommt, dass die Autos durch den fallenden Rubel im Verhältnis zum Euro teuer werden.

Um die örtliche Autoproduktion anzukurbeln, gewährt der russische Staat vom 1.9. bis 31.12.2014 Rabatte beim Kauf eines Neufahrzeugs aus Produktion in Russland, wenn im Gegenzug ein Gebrauchtfahrzeug abgegeben wird. Das Programm gilt für alle Arten von Kraftfahrzeugen – Pkw, leichte Nutzfahrzeuge, Lastkraftwagen und Autobusse.

Auch die Öl- und die Gasindustrie werden hart getroffen, vor allem Rosneft und Gazprom. Da sich der russische Staatshaushalt vor allem aus Einnahmen aus Exportzöllen aus Öl und Gas speist, bedeutet dies weniger Einnahmen für den russische Staatshaushalt. Der russische Finanzminister wird dann Sparmaßnahmen ergreifen müssen. Ob das geplante Programm zur Förderung des Automobilabsatzes dann noch wie geplant realisiert werden kann, ist ungewiss. Es gibt noch immer keine Durchführungsverordnung für das Programm, obwohl es am 1. September starten sollte.

Möglich sind Berichten zufolge auch Lieferstopps für bestimmte Rohstoffe wie zum Beispiel Titan. Dies könnte der Produktion europäischer Konzerne zum Beispiel aus der Flugzeugindustrie schaden.

Zentrale Ansprechpartner für betroffene Unternehmen

Zu den derzeitigen EU-Sanktionen informieren insbesondere die Deutsche Bundesbank – für den Finanzbereich – und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) – für Güter. Unternehmen können sich bei Fragen an die dortigen Experten wenden. Umfassende Informationen für Unternehmen stellt auch die GTAI zur Verfügung.

Das BAFA steht unter der Servicenummer 06196-908-137 für Fragen zur Verfügung.

Gabriel Pankow / Quelle: dpa-AFX / GTAI