Die Schuldenlast ist zu groß: Schaeffler muss einen Teil seiner Continental-Aktien verkaufen.

Die Schuldenlast ist zu groß: Schaeffler muss einen Teil seiner Continental-Aktien verkaufen. (Bild: Conti)

Vermutet hat man es schon lange, nun wird es wohl Gewissheit: Wie die Financial Times Deutschland berichtet, plant der Schaeffler-Konzern den Verkauf eines Teils seines Continental-Aktienpakets. Die Konsequenzen sind weitreichend.

Denn damit gibt der Familienkonern eine wichtige Machtposition auf: Durch den Verkauf des Conti-Aktienpakets, der noch in diesem Monat über die Bühne gehen soll, wird der Beherrschungsvertrag nichtig. Das bedeutet: Der Autozulieferer kann bald selbstbewusster gegenüber den Franken auftreten.

Derzeit kontrolliert der Automechanik- und Wälzlagerhersteller 75,1 Prozent der Aktien direkt oder über Dritte. “Noch im März soll ein Paket verkauft werden”, sagte ein Verhandlungsteilnehmer der Financial Times Deutschland. Über die exakte Höhe des Pakets gebe es noch Diskussionen. Schaeffler wolle aber auf jeden Fall mehr als 50 Prozent behalten.

Dennoch gibt Schaeffler mit dem Schritt eine wichtige Machtposition auf. Nur mit einem Anteil von mindestens 75 Prozent könnte Schaeffler Continental  mithilfe eines Beherrschungsvertrags unterwerfen und den ehemaligen DAX -Konzern wie eine untergeordnete Gesellschaft führen. Dies wäre wichtig, um eine enge Kooperation zu garantieren. Das Conti-Management hätte nach dem Aktienverkauf Argumente, selbstbewusster gegenüber den Franken aufzutreten, die im Sommer 2008 gegen den Willen der damaligen Conti-Spitze bei dem Konzern eingestiegen waren.

Mit dem Anteilsverkauf kann Schaeffler allerdings ein potenziell sehr gefährliches Risiko für den Konzern und die Eignerfamilie entschärfen. Beide sind zusammen noch mit circa elf Milliarden Euro aus dem Kauf der Conti-Anteile verschuldet. Allein etwa fünf Milliarden Euro trägt die Holding der Familie. Dafür werden die Zinsen gestundet – eine Zeitbombe, da diese zweistellige Prozentsätze erreichen. Insgesamt war Conti am Mittwoch an der Börse 12,3 Milliarden Euro wert, das Schaeffler-Paket von 75 Prozent also 9,2 Milliarden Euro. Weder Schaeffler noch Conti nahmen zu den Plänen Stellung.

Mitentscheidend für den konkreten Verkaufsplan wird die Reaktion der Investoren auf den Jahresausblick des Continental-Vorstands am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz sein. Nach eigenen Angaben hat Schaeffler zumindest einen Großteil der Aktien für etwa 63 Euro in der Bilanz stehen. Seit Wochen bewegt sich das Papier um diesen Kurs herum.

Am Mittwoch stand es bei 61,40 Euro, Anfang Dezember lag der Kurs auch schon einmal bei 66,84 Euro. Notfalls könnte sich für Schaeffler auch ein Verkauf mit einem kleinen Buchverlust lohnen, weil die Familie dafür einen Teil der enormen Kreditkosten spart. Erwartet wird, dass Conti vor dem Hintergrund der herausragenden Konjunktur im Automarkt für 2010 eine deutlichen Gewinn- und Umsatzanstieg vermeldet. Mit einem operativen Ergebnis (Ebit) von knapp 1,9 Milliarden Euro rechnen von Reuters befragte Analysten im Durchschnitt für das Gesamtjahr und einem Umsatzplus von gut einem Viertel auf 25,6 Milliarden Euro.

Das Vorjahr hatte Conti mit Verlust abgeschlossen. Da die Autokonjunktur auch dieses Jahr keine Anzeichen von Schwäche zeigt, sollte auch die Prognose von Conti sehr positiv ausfallen – ein guter Zeitpunkt also, um Aktien bei Investoren zu platzieren.Schaeffler hatte zwischenzeitlich eine Fusion mit dem ebenfalls hoch verschuldeten Conti-Konzern vorangetrieben. Gemeinsam könnte man die Kosten stärker drücken und die Schuldenlast auf ein größeres Unternehmen verteilen. Dieser Plan ist zwar offiziell nicht aufgegeben. Zuletzt stellte die Schaeffler-Familie und das Management dieses Vorhaben aber als wenig dringlich dar. Zunächst sollten beide Firmen ihre Schulden alleine abbauen und sich auf das wachsende Geschäft konzentrieren, zudem gibt es ungelöste steuerliche Fragen.