Dr. Elmar Degenhart

Dr. Elmar Degenhart: Beide Unternehmen arbeiteten eng bei Projekten zusammen, aber nicht an einer Fusion. - Bild: Continental

Es gebe keinen Zeitplan für das Zusammengehen mit Conti, wiederholte der Vorsitzende der Schaeffler-Geschäftsführung, Jürgen Geißinger, am Dienstag bei der Vorlage der Bilanz in Frankfurt am Main das Mantra. Vorrang habe das operative Geschäft. Auch Conti-Chef Elmar Degenhart hatte Anfang März gesagt, beide Unternehmen arbeiteten zwar eng bei Projekten wie Turboladern oder elektrischen Parkbremsen zusammen, aber nicht an einer Fusion. Ende Dezember klang dies in Hannover noch so: “Unser Ziel ist unverändert eine mögliche Kombination der beiden Unternehmen, auf die wir uns vorbereiten.”

Nachdem sich Schaeffler nach langen Spekulationen in den vergangenen Tagen doch von einem Aktienpaket an Conti getrennt hat, um seine Schulden zu verringern, haben Analysten ohnehin Zweifel, dass die Fusion zustande kommt. Das Bankhaus Lampe bezeichnete sie als sehr unwahrscheinlich. “Wir haben noch immer 60 Prozent an Continental. Das hält uns alle Optionen offen”, konterte Geißinger. Die Option, über einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag Zugriff auf Contis Kasse zu haben, ist nach dem Verlust der dafür nötigen 75 Prozent-Beteiligung nun jedoch vom Tisch.

Der Verkauf von Conti-Aktien spülte in den vergangenen Tagen rund 1,8 Milliarden Euro in die Schatullen der Herzogenauracher, die in die Schuldentilgung fließen. Zusammen mit einer Umschuldung bei den kreditgebenden Banken nutzte Schaeffler die Gelegenheit, eine tickende Zeitbombe wenigstens zum Teil zu entschärfen: Der Wälzlagerhersteller übertrug einen Teil der Schulden der Schaeffler-Dachgesellschaft auf das operative Geschäft.

Für die Darlehen der Holding zahlt Schaeffler weder Zinsen noch Tilgung und der Zinseszinseffekt führt dazu, dass der Schuldenberg der Holding überproportional wächst. Mit der Umschichtung sinken die Verbindlichkeiten der Holding von 7,4 auf 4,6 Miliarden Euro. Dafür steigen die Schulden des operativen Geschäfts von 5,9 auf sieben Milliarden Euro.

Schaeffler habe sich angesichts der schwierigen Situation Ende 2009 auf die Konditionen der Geldhäuser einlassen müssen, sagte Finanzvorstand Klaus Rosenfeld. “Das war der einzige Weg, die Gruppe zusammenzuhalten”, verdeutlichte er die damals dramatische Lage. Durch die Umschichtung soll die Zinsbelastung der Holding von in der Spitze bis zu 17 Prozent auf unter 10 Prozent sinken.

Wie der verbliebene Milliardenberg geschrumpft werden soll, blieb teilweise offen. Es sei nicht geplant, dass die Holding dem operativen Geschäft immer neue Schulden überstülpe, sagte Rosenfeld. Statt dessen zähle er auf die Dividenden aus dem operativen Geschäft, das Schaeffler noch in diesem Jahr in eine Aktiengesellschaft umwandeln will, und von Conti. Die Hannoveraner werden jedoch frühestens 2012 wieder einen Aktionärsbonus zahlen. Möglicherweise könnten Investoren mit einem Einstieg bei Schaeffler Geld lockermachen. Er spreche aber weder mit Investoren noch gebe es Pläne für einen Börsengang, betonte Rosenfeld.

Dow Jones Newswires/gk