Test mit autonomen Bussen in der Schweiz

Anders als etwa beim Google-Auto, wo bislang nur Experten mitfahren, kann beim Testprojekt der Postauto AG in der Schweiz jedermann einsteigen Bild: Postauto AG

| von Andreas Karius

Als eine junge Frau in ihr Handy vertieft direkt vor den gelben Kleinbus läuft, greift kein Mensch ein. Die Notbremsung funktioniert dennoch - veranlasst hat sie der im Fahrzeug eingebaute Roboter: Er hat die unachtsame Fußgängerin dank Lichtsensoren und Kameras erkannt. Zwei solcher autonomen Elektrobusse sind neuerdings fast täglich in der Schweizer Stadt Sitten (Sion) im Bergkanton Wallis unterwegs. Anders als etwa beim Google-Auto, wo bislang nur Experten mitfahren, kann in Sitten jedermann einsteigen - und zwar kostenlos. Betrieben werden die Testbusse von der PostAuto AG. Das Tochterunternehmen der Schweizerischen Post testet als weltweit erste Firma selbstständig fahrende Fahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr.

Die knapp fünf Meter langen Roboterbusse lassen Kinderwagen passieren, beachten die Vorfahrtsregeln und fahren zentimetergenau durch schmale Gassen. Zur Sicherheit ist während der bis Oktober 2017 geplanten Testphase aber immer ein Angestellter dabei, der bei Gefahr eingreifen könnte - mit einem PlayStation-Controller, denn ein Lenkrad oder Pedale gibt es in diesen Bussen nicht.

 

PostAuto ist mit den Testfahrten in Sitten in das Rennen um die Zukunft der Mobilität eingestiegen. Dabei setzen etliche Automobilhersteller auf Robotertaxidienste. In den kommenden Wochen will etwa der Fahrdienst-Vermittler Uber im amerikanischen Pittsburgh selbstfahrende Volvo-Autos zu den Kunden schicken - wie in Sitten mit menschlichen Co-Piloten zur Überwachung. Volkswagen und General Motors arbeiten mit Uber-Konkurrenten an ähnlichen Projekten.

"Auch wir haben uns überlegt, dass Kunden eines Tages für kurze Distanzen einen Roboterbus per Handy-App direkt zu sich bestellen und einen beliebigen Zielort eingeben könnten", sagt PostAuto-Projektleiter Jürg Michel. Die App könne dann Wünsche verschiedener Kunden koordinieren und dementsprechend Fahrzeuge losschicken. Ein ähnlicher Versuch ist in Helsinki gestartet worden. Beide Projekte wollen laut den Betreibern nicht den bestehenden öffentlichen Verkehr ersetzen, sondern mögliche Zusatzangebote testen.

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