Seat-Produktionsvorstand Andreas Tostmann

Exklusives Interview in Martorell am Rande der Weltpremiere des Seat Arona. Produktionsvorstand Andreas Tostmann lud in sein Büro ein. Bild: Seat

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Dr. Tostmann, Sie bereiten hier in Martorell gerade eine Produkt-Rochade vor. Wo stehen Sie genau?
Es ist eigentlich keine Rochade. Wir integrieren im Rahmen der MQB-A0-Fahrzeuge den neuen A1 hier.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wann läuft der erstmals vom Band?
Der kommt im nächsten Jahr hierher. Den MQB-A0 haben wir für unseren Ibiza als Erst-Einsetzer im gesamten Volkswagenkonzern. Wir bringen so die Synergien der MQB-A0-Fahrzeuge ein Stück weit zusammen. Deutlicher sichtbar wird es durch den Audi A1 in seiner neuen Generation, denn der steht ja auch auf der MQB-A0.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bei dem für die A0-Plattform geplanten Wachstum darf vermutet  werden, dass Sie in Martorell bald an die Kapazitätsgrenze stoßen, richtig?
Wir sind natürlich bestrebt, die Kapazität weitestgehend auszunutzen. Mit der Modellpalette - von der Leon-Familie über die Ibiza-Familie und den Arona bis zum Audi A1 - gehen wir davon aus, dass wir eine sehr gute Kapazitätsauslastung erzielen.

Dr. Andreas Tostmann

...ist Vorstand für Produktion bei der VW-Tochter Seat S.A. und seit 2011 für die drei Werke der spanischen Marke zuständig. Er hatte internationale Positionen in der VW Gruppe inne – darunter in Salzgitter, Südafrika und der Slowakei. Er ist Doktor in mechanischen Ingenieurswissenschaften.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo liegt die Auslastung des Werkes aktuell?
Wir sind momentan bei 85 Prozent und damit noch nicht ganz zufrieden. Wir können uns noch ein bisschen mehr vorstellen und sind darauf auch gut vorbereitet.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bekommt Martorell durch die A0-Plattform und den vielversprechenden Arona für Seat einen noch höheren Stellenwert?
Ja, klar. Die Bedeutung von Martorell steigt durch den Arona. Wir freuen uns, dass wir den Arona haben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Der Arona ist ein SUV. Planen Sie das Fahrzeug auch als Fließheck wie einen Polo?
Der Arona ist so, wie Sie ihn gesehen haben, als A0-SUV konzipiert und es ist beabsichtigt, dass er so bleibt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und rein theoretisch, könnte der neue A1 dann aber auch als A1-SUV kommen, richtig?
Diese Frage müssen Sie Audi stellen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die Plattform gibt es aber doch her …
Die Plattform hat viele Möglichkeiten, deswegen nutzen wir ja die verschiedenen Plattformen und Baukästen, um verschiedenste Karosserievarianten abzudecken. Also von daher, da ist theoretisch viel möglich.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ihr Chef Luca de Meo hat angekündigt, die A0-Plattform soll auch hybridisiert werden. Ab wann ist das geplant?
Das werden wir noch nicht vom Start weg machen, aber wir haben genügend Ideen, wie wir unsere Fahrzeuge hybridisieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie arbeiten noch nicht aktuell daran?
Noch nicht so konkret, dass wir jetzt über Termine, Modelle, Stückzahlen oder Preise reden können. Das sind Themen, die sind noch zu früh, um sie zu konkretisieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was war die größte Herausforderung bei der Einrüstung des Arona?
Der Schwierigkeitsgrad war der Einrüstung des Ibiza sehr ähnlich.  Wir wollen Martorell hoch effizient betreiben und gestalten solche Einrüstungen sehr kosteneffizient. Das ist die Herausforderung, die wir als Seat überall haben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und konnten Sie einen schnelleren Anlauf umsetzen als sonst?
Wir haben einen sehr detaillierten Anlaufplan für den Arona entwickelt. Diesen halten wir sehr strikt ein, weil uns im Anlauf die Zielerreichung sehr wichtig ist. Die Ziele beziehen sich nicht nur alleine auf Stückzahlen, sondern natürlich auch auf die Qualität des Fahrzeugs. Bisher ist uns das bei allen Modellen recht gut gelungen. Ich gehe davon aus, es gelingt uns beim Arona genauso.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Investments stecken in der A0-Plattform?
Wir haben 900 Millionen Euro investiert. Das beinhaltet entwicklungsseitige Investitionen, die produktionsseitigen Themen und die Beschaffung. Von diesem Investitionspaket profitieren wir in Martorell mit einem guten Drittel von dieser Zahl beteiligt, was jetzt die MQB-A0 angeht. Das ist durchaus eine sehr effiziente Kennzahl, die wir da haben.