| von Stefan Grundhoff

Man kann nach wie vor trefflich darüber streiten, ob es ein kluger Schachzug war, Cupra als eigene Marke aus dem Kern von Seat auszugrenzen. Denn der Name, der einst nur die Sportmodelle aus Martorell kennzeichnete, hatte keinen hohen Bekanntheitsgrad. Bei einem ohnehin überschaubaren Produktportfolio daraus noch eine Submarke zu kreieren, ist zumindest kritikwürdig, weil es die Kernmarke allemal schwächt. Jetzt haben die Spanier zumindest ein echtes eigenes Fahrzeug, denn die vorherigen Modelle waren nicht mehr als umgelabelte Seat-Fahrzeuge, optisch leicht nachgeschärft und mit einem höheren Cupra-Preis versehen. Genau darum geht es bei der Submarke: man will einen Premiumaufschlag für die Cupras.

Seat investiert in die Zukunft: Trotz aller politischen Unwägbarkeiten im eigenen Lande hat die VW-Tochter jüngst mehr als 30 Millionen Euro für eine neue Metallpresse ausgegeben, die die Produktivität dank einer höheren Fertigungsgeschwindigkeit steigern soll. Darüber hinaus wurden 2018 / 2019 gut 25 Millionen Euro für zwei Heißprägelinien in die Hand genommen, die ebenfalls zu mehr Effizienz und Präzision beitragen sollen. Weitere 6,5 Millionen Euro hat Seat für verschiedene Verbesserungen, Renovierungen und Modernisierungen ins Werk Martorell aufgewendet. Das Werk nahe Barcelona ist nicht nur für Seat, sondern für den gesamten Volkswagen-Konzern eine wichtige Produktionsstätte für Komponenten. So fertigt der Standort rund 80 Prozent der Komponenten für die MQB A0-Plattform, auf der der Audi A1, der Seat Ibiza / Arona, VW Polo und VW T-Cross basieren, die allesamt in Spanien gebaut werden. Im Jahre 2018 wurden mehr als 52 Millionen Teile hergestellt, die für 22 Fabriken in sechs Ländern exportiert wurden.

Die Spanier blickt auf ein Rekordjahr zurück: 2019 stiegen die weltweiten Neuzulassungen des Unternehmens um 10,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt 574.100 Fahrzeuge. Mit diesem Ergebnis hat Seat den im Jahr 2018 (517.600 Fahrzeuge) aufgestellten Rekord übertroffen und das dritte Jahr in Folge mit zweistelligem Wachstum abgeschlossen. Problem bleibt jedoch, dass Seat seine Verkäufe zentral in drei Märkten erledigt und eine Marktdurchdringung weder in Europa noch weltweit in Sicht ist.

Cupra: Pseudo-Premium

Jetzt kommt mit dem Cupra Formentor einer der schicksten SUVs, den die kompakte Mittelklasse zu bieten hat. Einmal mehr ein exzellenter Job vom Team rund um Seat-Chefdesigner Alejandro Mesonero-Romanos, der ohnehin zu den besten seines Fachs gehört. Technisch ist der Cupra Formentor auf dem vielseitig einsetzbaren modularen Querbaukasten des Volkswagen-Konzerns unterwegs. Heißt, die Technik unter dem schicken Sportdress ist weitgehend identisch mit VW Tiguan, VW T-Roc, Skoda Kodiaq oder Seat Tarraco.

Nicht nur die Front mit dem sportlichen, aber nicht angestrengten Gesicht oder das allemal gelungene Heck können sich sehen lassen. Schick zeigt sich insbesondere die Flanke mit ihren betont organischen Formen und den herausgearbeiteten Backen über Vorder- und Hinterrad. "Der Cupra Formentor entfaltet im Hinblick auf Performance, Technologie und Ästhetik eine enorme Anziehungskraft, die auf der Schönheit seiner Proportionen, der Ausdrucksstärke seiner Linien und den fein ausgearbeiteten Details basiert", schwelgt Designchef Alejandro Mesonero-Romanos. Platz bietet der 4,45 Meter lange Crossover für vier bis fünf Sitzplätze. Für den nötigen Alltagsnutzen sorgen ein variabler Innenraum und 450 Liter Ladevolumen. Innen gibt es animierte Instrumente, Sportsitze und ein ebenfalls schickes Design, dessen Details man nur auf den zweiten Blick der Mutter Volkswagen zuordnen kann.

Designkompetenz

Technisch bedient sich der wohl schönste Mittelklasse-SUV aus dem Konzernverbund am prall gefüllten Konzernregal. So gibt es Doppelkupplungsgetriebe, Allradantrieb und adaptive Dämpfer, die einem das Fahren ebenso einfacher machen, wie moderne Bedien- oder Assistenzsysteme. Für den rechten Antrieb sorgen die Motoren, die auch den Schwestermodellen zu entsprechend dynamischen Fahrleistungen verhelfen. Kern des Portfolios werden Vierzylinder-Diesel und -benziner sein, deren Zweiliter-Motoren zwischen 190 und 300 PS generieren. Wenn der Cupra Formentor im vierten Quartal 2020 auf den Markt kommt, dürften sich die meisten Kunden für die stärkeren Versionen interessieren.

Das sieht beim ebenso neuen Leon etwas anders aus. Er wird unter dem normalen Seat-Label verkauft, teilt sich aber ein Schicksal mit dem Cupra Formentor. Denn auch der Seat Leon ist nicht nur das sehenswerteste Modell unter den Kompaktklassemodellen der Konzernfamilie, sondern gehört fraglos zu den Beaus in der umkämpften Europa-Liga. "Der Seat Leon ist unser erfolgreichstes Modell. An seine Erfolgsgeschichte wollen wir mit der neuen Generation anknüpfen", so Carsten Isensee, kommissarischer Vorstandsvorsitzender bei Seat, "wir haben insgesamt über 1,1 Milliarden Euro in die Entwicklung und Fertigung der neuen Generation des Seat Leon investiert." Das ist schon deshalb viel Holz, weil ein Teil der Entwicklungskosten bei den Zwillingsmodellen VW Golf 8 und Audi A3 verbucht werden konnte.

Technisch bedient sich auch der Seat Leon beim MQB und das Design ist innen wie außen ähnlich schmuck wie beim Cupra Formentor. Auch er kommt jedoch erst im vierten Quartal 2020 und wird die Technik sowie Ausstattungen bieten, mit denen auch die Neulinge Golf und A3 auf Kundenfang gehen. Wie bei der internen Konkurrenz wird es nicht nur Volumenmodelle mit Mild-Hybrid-Technik oder Sportversionen mit bis zu 300 PS, sondern auch betont sportlich positionierte Plug-in-Versionen geben, die die Bezeichnung eHybrid tragen. Weshalb Seat immer wieder mit Erdgasantrieben hausieren geht, überrascht, schließlich hat sich der Volkswagen-Konzern unter Lenker Herbert Diess offiziell von der Erdgas-Entwicklung verabschiedet. Stattdessen will man sich auf Elektroantriebe konzentrieren und hier hat Seat ebenfalls etwas im Köcher und der El Born dürfte mit seinem Design und 420 Kilometern Reichweite mehr Aufsehen und Kunden bekommen als der elektrische Mii. Dass der El Born wieder einmal der Schönling im Konzern ist, dürfte das Ganze einfacher machen, auch wenn der Marketing-Orkan des VW ID. ausbleibt. "Mit dem Seat El Born wird unsere emotionale Designsprache perfekt in die neue Welt der Elektrofahrzeuge übertragen. Unser Design-Team hat die Herausforderung sehr ernst genommen, unser erstes vollelektrisches Fahrzeug möglichst attraktiv aussehen zu lassen", so Alejandro Mesonero-Romanos.