SGL Carbon breit

BMW setzt für den Bau des i3 und i8 auf die Kohlefaserproduktion von SGL. Hauptgeschäft der Wiesbadener sind jedoch Graphitelektroden. Und das Geschäft schwächelt weiter. Bild: SGL Carbon

Diese Summe soll nun übertroffen werden, kündigte Vorstandschef Jürgen Köhler am Donnerstag an. Um wieder profitabel zu werden, soll ein Geschäftsbereich verkauft werden, der Bauteile und Komponenten für die Luftfahrtindustrie produziert.

Hintergrund ist ein deutlicher Ansteig des operativen Verlustes im ersten Halbjahr von 5,9 Millionen auf ein Minus von 18,6 Millionen Euro wegen anhaltender Probleme im Stammgeschäft mit Graphitelektroden. Der Umsatz ging nach SGL-Angaben um mehr als zwölf Prozent auf 655,2 Millionen Euro zurück. Der Verlust nach Steuern verringerte sich im Jahresvergleich von minus 150,1 Millionen auf einen Fehlbetrag von 62,1 Millionen Euro. Als Grund nannte ein Sprecher den Wegfall von Wertberichtigungen und geringere Steuerzahlungen.

In dem Halbjahresbericht enthalten ist eine Berichtigung des Jahresabschlusses 2011. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte Fehler bei der Gewinn- und Verlustrechnung festgestellt: SGL habe sein Vorsteuerergebnis zu hoch ausgewiesen, weil Umsatzerlöse aus erwarteten künftigen Verkäufen bereits verbucht worden seien. Eine Strafe habe die BaFin-Rüge nicht nach sich gezogen, sagte ein SGL-Sprecher. Eine Konsequenz in den Büchern sei, dass sich das Eigenkapital um 43 Millionen Euro verringert habe.

«Um auf einen profitablen Wachstumskurs einschwenken zu können, genießt derzeit die Realisierung aller Einsparpotenziale bei uns oberste Priorität», erklärte SGL-Chef Köhler den Kurs. Bislang seien 106 Millionen Euro des geplanten Sparplans umgesetzt worden. Im Herbst will das Unternehmen seine neue Zielmarke mitteilen. Ein nochmaliger Stellenabbau sei nicht geplant, sagte der Sprecher. Neben den Millioneneinsparungen sieht das Programm «SGL 2015» die Streichung von 300 Jobs im Management sowie in der Verwaltung vor.

Für das Gesamtjahr geht der Kohlenstoffspezialist unverändert von roten Zahlen aus. Im Vorjahr hatte das Unternehmen fast 400 Millionen Euro Verlust gemacht. Der Vorstand wurde von fünf auf drei Mitglieder verkleinert und im Juni der Finanzvorstand ausgetauscht. Aufsichtsratschefin ist BMW-Großaktionärin Susanne Klatten.

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dpa-AFX / gp